Mittwoch, 13. November 2019

Hohe Investitionen Warum Anleger Jeff Bezos mehr vertrauen sollten

Investiert gerne in Logistik: Amazon-Gründer Jeff Bezos

Investitionen statt hoher Quartalsgewinne: Anleger reagierten mit Verkäufen auf die jüngsten Zahlen von Amazon. Dabei zeigen sie, dass Bezos auf dem richtigen Weg bleibt.

Es ist ein gewohntes Muster an der Börse: Ein Unternehmen bleibt bei Umsatz, Gewinn und Ausblick hinter den zuvor geäußerten Erwartungen von Analysten zurück und wird dafür mit Kursverlusten abgestraft. So war es in dieser Woche auch bei Amazon Börsen-Chart zeigen. Der Onlinekonzern konnte im dritten Quartal zwar mehr umsetzen als von Experten erwartet. Der Gewinn jedoch blieb hinter den Erwartungen zurück, und der Ausblick auf das wichtige Weihnachtsquartal fiel ebenfalls nicht so optimistisch aus wie erhofft. Folge: Die Amazon-Aktie rauschte am Freitag zeitweise um bis zu 9 Prozent nach unten.

Der Kursrutsch von Amazon Börsen-Chart zeigen lohnt jedoch einen zweiten Blick: Bekanntlich werden an der Börse Erwartungen an die Zukunft gehandelt - doch diese Zukunft sollte nicht lediglich aus den kommenden drei Monaten bestehen. Tatsächlich ist ein Großteil des Gewinnrückgangs bei dem Unternehmen auf Investitionen in die besonders schnelle Lieferung bestellter Produkte zurückzuführen - Investitionen, die sich auf lange Sicht auszahlen dürften.

Bezos investiert lieber, statt jedes Quartal Gewinne auszuweisen

Ohnehin zählt Amazon-Gründer und -Chef Jeff Bezos zu den investitionsfreudigsten Vertretern seiner Zunft. Der mit einem Vermögen von mehr als 100 Milliarden Dollar laut "Forbes" gegenwärtig reichste Mensch der Welt hat es in den Anfangsjahren seines Unternehmens lange Zeit bewusst vermieden, schwarze Zahlen zu schreiben. Stattdessen steckte Bezos lieber viel Geld in die rasante Expansion Amazons zur weltgrößten Online-Handelsplattform.

Schon häufig gab die Aktie von Amazon Börsen-Chart zeigen angesichts von enttäuschenden Quartalsergebnissen deutlich nach - um sich bald darauf wieder zu erholen und in den langfristigen Aufwärtstrend zurückzukehren. Ende 2017 zum Beispiel fiel die Aktie nach enttäuschenden Zahlen von 1050 Dollar auf 950 Dollar zurück - heute kostet eine Amazon-Aktie rund 1600 US-Dollar.

Inzwischen erfreut Bezos seine Aktionäre zwar regelmäßig mit Milliardengewinnen. Der Onlinepionier weiß aber nach wie vor: Weiterer Erfolg erfordert weiteres Wachstum - und das wiederum lässt sich nur mit regelmäßigen Investitionen erreichen.

Kein Konzern investiert weltweit so viel Geld wie Amazon

Eine Studie der Beratungsgesellschaft EY machte kürzlich deutlich: Amazon ist wie schon im Vorjahr so auch 2019 das Unternehmen mit den weltweit höchsten Investitionen. Der Analyse zufolge steigerte die Bezos-Firma ihre Innovationsausgaben zuletzt noch einmal um 27 Prozent auf umgerechnet 24,4 Milliarden Euro im Jahr - ein rund um den Globus ansonsten unerreichter Wert.

Wichtig ist allerdings nicht nur, dass Amazon viel Geld investiert, sondern auch, dass diese Mittel die bestmögliche Verwendung finden. Bezos hat auch an dieser Stelle womöglich den richtigen Riecher: Er setzt darauf, die Logistik zu verbessern, sein stark wachsendes "Amazon Prime"-Programm weiter auszubauen und damit Kundenschichten zu erreichen, die bislang noch außen vor bleiben.

Schnelle Lieferzeit als Schlüssel für künftiges Wachstum

Das 2005 gestartete Amazon Prime hat sich für den Konzern inzwischen zu einer echten Wachstumsstory entwickelt. Den Dienst, der in Deutschland 69 Euro je Mitglied kostet, nutzen inzwischen weltweit bereits mehr als 100 Millionen Menschen. Bislang sind es allerdings vor allem Kunden aus gut verdienenden Haushalten, die sich den Video-Streamingdienst verbunden mit Liefervorteilen bei bestellten Produkten leisten. Weniger betuchte Kunden bleiben Amazon Prime dagegen häufiger fern und gehen stattdessen lieber zu Walmart und anderen klassischen Einzelhändlern.

Das will Bezos ändern, und als Schlüssel dazu hat er die schnelle Lieferzeit erkannt. Schließlich ist offensichtlich, dass ein Vorzug des herkömmlichen Einzelhandels darin besteht, dass die Kunden die Ware dort direkt mitnehmen können. Diesen Wettbewerbsnachteil hatte der Amazon-Gründer von Beginn an im Visier. Kein Wunder also, dass Bezos Jahr für Jahr Milliarden in die Logistik seines Konzerns investiert, in Umschlagzentren, Flug- und Fahrzeuge sowie Automatisierungsfelder wie Lieferroboter oder Drohnen.

Die jüngsten Geschäftszahlen spiegeln das wider: Hauptgrund für den Gewinnrückgang waren Ausgaben, die in das Amazon-Prime-Angebot der Lieferung von Produkten noch am gleichen Tag flossen. Dieser neue, beschleunigte Service, der auch für Kleinartikel des alltäglichen Gebrauchs wie Zahnbürsten möglich sein soll, zielt auch auf jene weniger betuchten Käuferschichten, die sich Amazon Prime bislang in noch nicht so großer Zahl zugewandt haben.

Im letzten Viertel des Jahres will der Konzern diese Linie mit weiteren Investitionen von 1,5 Milliarden Dollar ebenfalls weiterverfolgen, denn Bezos ist überzeugt davon, an dieser Stelle den Schlüssel für künftiges Wachstum gefunden zu haben. Es sei ein großes Investment, und es sei langfristig die richtige Entscheidung im Sinne der Kunden, sagte er anlässlich der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse.

"Die Prime-Kunden lieben den Wechsel auf die eintägige Lieferung", so Bezos. "Sie haben dieses Jahr bereits Milliarden Artikel mit kostenloser Eintages-Lieferung bestellt."

Christoph Rottwilm auf Twitter

Was diese Investitionspolitik des Unternehmens aus Sicht der Investoren bedeutet, bringt ein Analyst des US-Investmenthauses Jefferies im "Wall Street Journal" auf den Punkt: "Für kurzfristig orientierte Anleger ist es ein Horror", sagt er. "Langfristige Investoren jedoch erkennen, dass sich solche Investitionen bei Amazon in der Vergangenheit meist ausgezahlt haben."

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