Montag, 23. September 2019

Neuer Star unter den IT-Riesen Warum Amazon das neue Apple ist

Amazon-Logistik-Zentrum: Das Unternehmen befindet sich an der Börse auf Höhenflug

Wer in den vergangenen Jahren keine Apple-Aktie im Depot hatte, hatte wohl etwas falsch gemacht. Etwa zehn Jahre lang stieg der Kurs der Aktie beinahe unaufhaltsam. Auf dem Höhepunkt stand das Papier bei 130 Dollar, was den Hersteller von iPhones und iPads mit einer Börsenkapitalisierung von mehr als 700 Milliarden Dollar (617 Milliarden Euro) zum weitaus wertvollsten Konzern der Welt machte.

Inzwischen hat sich das Bild jedoch geändert. Apple Börsen-Chart zeigen notiert zwar nach wie vor mit etwa 115 Dollar je Aktie und einem Börsenwert von rund 660 Milliarden Dollar auf historisch hohem Niveau. Die Aktie hat in den vergangenen Monaten jedoch viel von ihrem Schwung verloren. Kürzlich sendete sie sogar ein seltenes charttechnisches Verkaufssignal.

Viele Investoren dürften daher enttäuscht sein: Seit Anfang 2015 hat die Apple-Aktie bislang lediglich um 4 Prozent zugelegt.

Zum neuen Star an der US-Börse hat sich dagegen in der Zwischenzeit ein anderes Papier gemausert. Amazon Börsen-Chart zeigen heißt das neue "Must-have" unter Fondsmanagern, insbesondere, wenn sie auf den US-Markt fokussiert sind. Die Aktie des Online-Händlers hat 2015 etwa 68 Prozent an Wert gewonnen. Seit Ende 2008, als der rasante Höhenflug von Amazon begann, beträgt das Kursplus sage und schreibe 1200 Prozent.

Damit nicht genug: Kein anderes Unternehmen hat so sehr dazu beigetragen, dass sich die US-Börse im laufenden Jahr überhaupt noch im positiven Terrain bewegt, wie die Firma von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Der Internetriese Google Börsen-Chart zeigen, der TV-Streamingdienst Netflix Börsen-Chart zeigen und die Kaffeehauskette Starbucks Börsen-Chart zeigen liegen laut Nachrichtenagentur Bloomberg auf Jahressicht gegenwärtig ebenfalls noch im Plus, allerdings deutlich weniger stark als Amazon. Darüber hinaus sieht es jedoch düster aus, wie manager-magazin.de bereits bei einer Bestandsaufnahme vor einigen Wochen festgestellt hatte.

Offenbar glauben die Investoren an die Strategie von Amazon-Chef Bezos, der jahrelang auf Gewinne verzichtete und seine Firma stattdessen lieber mit Investitionen wachsen ließ.

Und die Anleger werden bereits bestätigt: Erst vor wenigen Monaten konnte Bezos überraschend einen Gewinn vermelden, obwohl Beobachter mit weiteren Verlusten gerechnet hatten. Zudem gab Amazon einen optimistischen Ausblick auf die weitere Entwicklung. Alles zusammen führte zu einem sprunghaften Anstieg des Aktienkurses um beinahe 20 Prozent - Amazon war an der Börse über Nacht plötzlich mehr wert als der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart Börsen-Chart zeigen.

Amazon gilt als "sicherer Hafen"

Zusätzlichen Aufwind bekommt die Aktie Experten zufolge noch von anderer Seite. Investoren, die vor dem Hintergrund der bevorstehenden US-Zinserhöhung Engagements in Schwellenländern meiden, schätzen Amazon als "sicheren Hafen", berichtet Bloomberg. Denn das Unternehmen macht beinahe 60 Prozent seines Umsatzes in Nordamerika und ist dem Auf und Ab der Weltwirtschaft damit deutlich weniger ausgesetzt als die Konkurrenz.

"Nervöse Anleger ziehen ihr Geld aus Apple-Papieren ab", zitiert Bloomberg einen Fondsmanager aus London. "Weil sie keine besseren Ideen haben, stecken sie es unter anderem in Aktien von Amazon." Zudem gebe es Fondsmanager, die den US-Index S&P 500 als Benchmark haben und in Amazon investieren, um eine Underperformance zu vermeiden.

Das große Interesse der Anleger hat allerdings auch Nachteile. Laut Bloomberg ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Amazon-Aktie bereits auf mehr als 70 gestiegen. Damit ist das Papier selbst für einen Wachstumswert vergleichsweise teuer. Viele Analysten halten dennoch an ihren Kaufempfehlungen für Amazon-Papiere fest.

"Die Bäume wachsen nicht in den Himmel", sagt ein französischer Fondsmanager zu Bloomberg. Wie es mit Amazon an der Börse weitergehe, hänge davon ab, ob das Unternehmen die Gewinne künftig steigern könne.

Christoph Rottwilm auf Twitter

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