Versicherer Allianz erhöht die Dividende

Steigende Dividenden, Wachstumsambitionen und ein Milliardendeal in den USA: Allianz-Chef Oliver Bäte nutzt den "Capital Markets Day" der Allianz, um für sich zu werben. Doch Bätes Bilanz ist weniger glanzvoll, als es auf den ersten Blick scheint.
Flagge zeigen: Die Allianz nutzt den "Capital Markets Day" am 3. Dezember zum Schaulauf

Flagge zeigen: Die Allianz nutzt den "Capital Markets Day" am 3. Dezember zum Schaulauf

Foto: DPA

Die Papiere der Allianz gehören am Freitag zu den Favoriten im Dax. Aussagen zum Kapitalmarkttag kamen bei den Anlegern gut an, darunter ein Fahrplan für die Dividende und neue mittelfristige Ziele bis 2024. Am Morgen legten die Titel um 1,4 Prozent auf 200 Euro zu. Zeitweise standen sie nach etwa einer Woche wieder über der 200-Euro-Marke. Die 21-Tage-Linie bei 201,66 Euro blieb aber eine Hürde. Am Vorabend hatte die Allianz bereits einen Dividendenfahrplan bekannt gegeben, der Händlern zufolge bei den Anlegern gut ankam. Der Versicherer strebt für dieses und die kommenden Jahre eine Steigerung der Ausschüttung um jährlich mindestens 5 Prozent an. Nach einer Dividende von zuletzt 9,60 Euro je Aktie dürfen sich die Anteilseigner nun also auf mindestens 10 Euro freuen. Einem Börsianer zufolge erfüllte der Konzern damit die Markterwartungen.

Am Morgen kamen weitere positive Nachrichten hinzu. So kündigte der Konzern an, dass Kapital freigesetzt wurde durch einen Rückversicherungsvertrag, mit dem Lebensversicherungsrisiken im US-Geschäft weitergereicht werden. Außerdem wurden Gewinn-, Umsatz- und Renditeziele bis 2024 formuliert. Analyst Philip Kett von Jefferies Research lobte in einer ersten Reaktion neben der Dividendenpolitik auch die Wachstumsambitionen und den US-Vertrag.

Die Erhöhung der Dividende ist Teil der Strategie von Allianz-Chef Oliver Bäte, um trotz einer insgesamt mäßigen Bilanz die Aktionäre hinter sich zu bringen . Der Gefolgschaft seiner Aktionäre konnte sich Bäte lange sicher sein: Geschickt verstand er es, die Shareholder durch hohe Dividendenzahlungen und großvolumige Aktienrückkaufprogramme an den Konzern zu binden. Rund 30 Milliarden Euro hat er seit 2015 an die Eigner ausgeschüttet – bis die europäische Versicherungsaufsicht im April 2020 alle Rückkaufprogramme der Versicherer stoppte, um die Industrie nach den coronainduzierten Kurseinbrüchen zu stabilisieren.

Die Allianz peilt bis 2024 einen Umsatz von mehr als 160 Milliarden Euro an, der Gewinn je Aktie soll dabei zwischen 5 und 7 Prozent jährlich steigen. Außerdem beabsichtigt der Versicherer in dieser Zeit eine Eigenkapitalrendite von mehr als 13 Prozent und eine Solvency-II-Kapitalquote von mehr als 180 Prozent. "Die neuen Finanzziele sind auf den ersten Blick relativ ambitioniert", urteilte der DZ-Experte Thorsten Wenzel in einem ersten Kommentar.

Wenzel beleuchtete auch die Dividende nochmals genauer, da die Allianz an der Bemessungsgrundlage feilte. Die Ausschüttung soll weiter 50 Prozent des auf die Anteilseigner entfallenden Gewinns betragen. Dieser soll aber um außergewöhnliche und stark schwankende Elemente bereinigt werden. "Die neue Dividendenpolitik scheint darauf abzuzielen, die Investoren trotz der zu erwartenden hohen Schadenersatzforderungen und Strafzahlungen in Zusammenhang mit von AGI gemanagten Structured Alpha Fonds positiv zu stimmen", so seine These.

Die Allianz-Aktie setzte mit dem Kursanstieg ihre Erholung der vergangenen Tage fort, nachdem sie bis Dienstag mit dem Gesamtmarkt unter der Angst vor der Coronavirus-Variante Omikron gelitten hatten. Der Fall bis knapp unter die 190-Euro-Marke bedeutete zuletzt ein Tief seit Mitte September. Davon hat sich der Kurs wieder um mehr als 5 Prozent erholt. Im Jahresverlauf bewegt sich die Aktie nun auf mehr oder weniger neutralem Niveau: Das Jahr 2020 hatte sie in der Nähe der 200-Euro-Marke beendet.

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