Allianz-CIO Utermann "Es bleibt bei Aktien"

Harte Zeiten für Anleger: Der Goldpreis stürzt, Aktienkurse schwanken und Staatsanleihen werfen keine Rendite mehr ab. Andreas Utermann, Global CIO von Allianz Global Investors, spricht mit manager magazin online über die zentrale Anlagefrage - und über John Lennon.
Von Arne Gottschalck
Andreas Utermann: "Die Menschen sehen Renditen zumeist nominal, nicht aber real. Ihnen ist also der Druck gar nicht bewusst"

Andreas Utermann: "Die Menschen sehen Renditen zumeist nominal, nicht aber real. Ihnen ist also der Druck gar nicht bewusst"

Foto: Allianz Global Investors Europe

mm: Sie haben einmal John Lennon mit dem Satz zitiert: "Es ist schwer die richtigen Fragen zu stellen". Warum ist das so?

Utermann: Ich denke, es liegt am Zeitmangel, den die meisten Menschen verspüren. Mir gefallen die neuen Medien und Kommunikationsmittel wirklich sehr. Sie machen unsere Arbeit in vielerlei Hinsicht einfacher. Als ich 1984 bei der Deutschen Bank begonnen habe, gab es nur Telefone und ein Fax. Geldautomaten gab es weit und breit nur einen.

mm: Klingt lauschig…

Utermann: Ja, nicht wahr? Man war nicht so abgelenkt und konnte sich intensiv auf seine Aufgaben konzentrieren. Natürlich versucht man auch heute fokussiert zu bleiben, aber gleichzeitig wird man von Informationen überflutet. Und das macht es schwierig sich auf die entscheidende Frage zu konzentrieren.

mm: Die in Anlagedingen lautet?

Utermann: Vereinfacht gesagt können Sie global nur in drei Anlageklassen Ihr Geld anlegen: Aktien, Anleihen und Cash. Dazu müssen Sie das Umfeld genau betrachten. Wir gehen von einer moderaten Inflation aus, weil die Regierungen auf diese Weise sehr elegant ihre Schulden reduzieren können. In so einem Umfeld Cash zu halten bedeutet, dass Sie Geld verlieren. Was Anleihen anbelangt: Sie können eine 10-jährige Bundesanleihe kaufen und dafür 1,5 oder 2 Prozent Rendite im Jahr einstreichen. Doch nach Abzug der Inflationsrate ist auch das ein Verlustgeschäft - und dabei sind die Emissionsrisiken noch nicht einkalkuliert. Es bleibt also bei Aktien als die rentabelste Anlage.

"Nicht so teuer, wie es derzeit dargestellt wird"

mm: Davon müssen Sie die aktienskeptischen Privatanleger in Europa, vor allem in Deutschland, aber erst noch überzeugen. Sind Sie hoffnungsvoll, dass sich das Bewusstsein der Menschen wandelt?

Utermann: Die Menschen sehen Renditen zumeist nominal, nicht aber real. Ihnen ist also der Druck gar nicht bewusst. Dafür sehen sie aber die Preise der Aktien. Viele haben mitbekommen, dass beispielsweise der Dax  jahrelang gut gelaufen ist. Und in seiner aktuellen Hochphase tut sich die berechtigte Frage auf, ob das so weitergeht. Ich sehe allerdings keine Alternative. Vor allen Dingen sind Aktien nicht so teuer, wie es oft dargestellt wird. Der Dax-Kursindex liegt derzeit sogar rund 30 Prozent unter seinem Hoch, wenn man das real, also nach Inflation, betrachtet.

mm: Ist es also eine Form von Sicherheit, Aktien günstig zu kaufen?

Utermann: Unternehmen haben, im Gegensatz zu vielen Staaten, ihre Hausaufgaben gemacht und die Verschuldung reduziert. Wenn Sie so wollen, sind Aktien damit zur Zeit alternativlos, wenn es um die Sicherung von Erträgen geht.

mm: Aber wer investiert derzeit - die institutionellen Investoren?

Utermann: Leider nicht in dem Umfang, der wünschenswert wäre, denn die neuen Regularien legen ihnen dafür hohe Hürden auf. Immerhin, das Geld ist da - es wird eben nur nicht in dem Maße am Aktienmarkt investiert. Das kann sich nur ändern, wenn die Menschen die richtigen Fragen zu stellen. Das gilt eigentlich für alle Lebensbereiche, und so eben auch für Anlagen - für Privatanleger ebenso wie für institutionelle Investoren.

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.