US-Justizministerium startet Untersuchung Allianz fürchtet hohe Kosten im Streit mit Pensionsfonds

Das US-Justizministerium untersucht die massiven Verluste mehrerer Allianz-Hedgefonds. Investoren fordern sechs Milliarden Euro Schadensersatz. Nun hat Allianz-Chef Oliver Bäte eingeräumt, dass die Vorgänge "erhebliche Auswirkungen" für den Konzern haben könnten.
Wenige Tage vor der nächsten Bilanzpressepressekonferenz warnt Allianz-Chef Oliver Bäte vor offenbar deutlich höheren Belastungen, die auf den Konzern zukommen könnten

Wenige Tage vor der nächsten Bilanzpressepressekonferenz warnt Allianz-Chef Oliver Bäte vor offenbar deutlich höheren Belastungen, die auf den Konzern zukommen könnten

Foto: CHRISTOF STACHE / AFP

In den milliardenschweren Streit zwischen der Allianz und US-Pensionsfonds um Verluste in der Corona-Krise hat sich das US-Justizministerium eingeschaltet. Der Vorstand des Münchner Versicherungskonzerns fürchtet nun, dass die Klagen und mögliche Strafen teurer werden könnten als gedacht. Man sei "zu dem Schluss gekommen, dass ein relevantes Risiko besteht, dass die mit den 'Structured Alpha Fonds' verbundenen Angelegenheiten erhebliche Auswirkungen auf künftige Finanzergebnisse der Allianz haben könnten", räumte Allianz-Chef Oliver Bäte (56) am Sonntagabend  ein.

In der Spitze verlor die Aktie  der Allianz am Montag mehr als 6 Prozent auf rund 198 Euro und war damit schwächster Wert im Dax. Auf eine Rückstellung verzichte der Konzern trotzdem, weil sich die drohenden Kosten nicht konkret genug abschätzen ließen, hieß es in der Mitteilung weiter. Die Allianz legt kommenden Freitag ihre Geschäftszahlen für das zweite Quartal vor. Sie peilt für das laufende Jahr bisher einen operativen Gewinn von elf bis 13 Milliarden Euro an.

Forderungen von sechs Milliarden Dollar stehen im Raum

Der Ärger um die Fonds ist ein Beleg für die Wall-Street-Methoden der Allianz  unter Bäte. Die Verfahren dürften sich über Jahre hinziehen. Der Reputation auf dem wichtigen US-Markt schaden die Streitereien schon jetzt.

Bei den Verfahren geht es um Hedgefonds, die Allianz Global Investors (AllianzGI) unter dem Namen "Structured Alpha Fonds" aufgelegt hatte. Die Papiere hatten in der Talfahrt an den Märkten zu Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020 massive Verluste erlitten, zwei der Fonds hatte AllianzGI danach sogar liquidiert. Mehrere große Investoren aus den USA hatten die Allianz verklagt, die Schadenersatzforderungen summieren sich inzwischen auf nahezu sechs Milliarden Dollar. Im Sommer 2020 hatte sich auch die US-Wertpapieraufsicht SEC eingeschaltet und von AllianzGI Auskünfte zu den Fonds gefordert.

Nun hat laut Allianz auch das Justizministerium (DOJ) eine Untersuchung eingeleitet und Informationen angefordert. "Die Allianz kooperiert vollumfänglich mit der SEC und dem DOJ bei deren Ermittlungen und hat umgehend eine eigene Überprüfung der Angelegenheit eingeleitet", hieß es in der Mitteilung.

US-Justizministerium schaltet sich ein

Zu den Klägern gehört neben dem Pensionsfonds für Lehrer im US-Bundesstaat Arkansas (ATRS) auch der Fonds für die 70.000 Mitarbeiter des Betreibers der New Yorker Verkehrsbetriebe, der Metropolitan Transport Authority (MTA). Sie werfen der AllianzGI vor, bewusst von der Strategie abgewichen zu sein, die Fonds mit Optionen gegen einen kurzfristigen Absturz an den Finanzmärkten abzusichern.

Ein Sprecher hatte die Vorwürfe als "rechtlich und faktisch unzutreffend" zurückgewiesen. Schließlich handle es sich bei den Pensionsfonds um professionelle Anleger, die Fonds mit einem höheren Rendite-Risiko-Profil gekauft hätten. Diese sollten bis zu zehn Prozent höhere Renditen bringen als der S&P-500-Index. Mit einem der Fonds erlitten die Anleger laut den Klagen einen Verlust von 97 Prozent. In einer eigenen Untersuchung war AllianzGI zu dem Schluss gekommen, dass die Verluste "nicht das Ergebnis einer fehlerhaften Portfolio-Investmentstrategie oder Fehlern im Risikomanagement" waren.

rei/Reuters/dpa-afx
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