Das "polnische Amazon" will wachsen Allegro mit Mega-Börsendebüt

Amazon gilt in vielen Ländern als unangefochtener Online-Händler - in Polen könnte es der US-Konzern ungleich schwerer haben. "Allegro" - quasi das polnische Amazon - hat einen spektakulären Börsengang hingelegt.
Allegro-Chef Francois Nuyts

 Allegro-Chef Francois Nuyts

Foto: WOJTEK RADWANSKI / AFP

An Selbstbewusstsein fehlt es Francois Nuyts nicht: "Es gibt viele Dinge, die wir ziemlich gut machen, wenn nicht sogar besser als die Konkurrenz", sagte der Manager vor wenigen Tagen - und meinte damit wohl keinen Geringeren als Amazon oder Ebay. Der Chef des polnischen Onlinehändlers "Allegro" kann am Montag zumindest auf ein spektakuläres Börsendebüt blicken.

Der Aktienkurs stieg an der Warschauer Börse gegenüber dem Ausgabepreis von 43 Zloty (etwa 9,61 Euro) um zwischenzeitlich rund 60 Prozent auf knapp 70 Zloty. Allegro wird damit mit rund 15 Milliarden Euro bewertet. Im Vorfeld des Börsengangs war der Marktwert der Handelsplattform mit knapp zehn Milliarden Euro veranschlagt worden.

Über eine Kapitalerhöhung wollte Allegro 23 Millionen neue Aktie herausgeben. Zudem boten Permira, Cinven und Mid Europa Partners mehr als 190 Millionen ihrer Papiere an. Die Finanzinvestoren hatten Allegro 2016 für 3,25 Milliarden Dollar von Südafrikas Naspers gekauft. Gut ein Fünftel der Allegro-Anteile insgesamt sind jetzt frei handelbar.

Der Börsengang ist laut "Handelsblatt"  der größte an Warschaus Börse seit dem Debüt der staatlich kontrollierten Versicherungsgesellschaft PZU im Jahr 2010 - und mit einem Emissionsvolumen von umgerechnet gut zwei Milliarden Euro der bislang größte Börsengang in Europa in diesem Jahr.

Der Ebay- und Amazon-Konkurrent hat in den vergangenen Monaten wie andere Internethändler wegen der Coronavirus-Pandemie einen kräftigen Boom erlebt. Im ersten Halbjahr stieg der Nettogewinn auf rund 290 Millionen Zloty (knapp 65 Millionen Euro). Im ersten Halbjahr des Vorjahres waren es noch rund 196 Millionen Zloty gewesen. Neben dem Auktionshaus gehört mit Ceneo.pl  auch das in Polen führende Preisvergleichsportal zu der Gruppe.

Das im Jahr 1999 in Posen (Poznan) gegründete Unternehmen verknüpft etwa 117.000 oft kleine Händler direkt mit rund zwölf Millionen aktiven Käufern. Kürzlich erst habe Allegro auch ausländische Händler auf seiner Plattform zugelassen. Das Besondere an dem Geschäftsmodell von Allegro im Vergleich etwa zu Amazon: Mehr als 90 Prozent der über die Plattform verkauften Produkte haben laut eigenen Angaben nie ein Warendepot oder Logistikzentrum von innen gesehen. Stattdessen gelangen sie auch über das im gesamten Land ausgebaute Netz an Schließfächern direkt vom Verkäufer zum Kunden.

Rund eine Milliarde Euro des Emissionsvolumens sollen dem Unternehmen direkt zufließen. Das Geld will Allegro laut Berichten  in seine Expansion investieren. "Es wäre eine Schande, wenn wir keinen Weg finden würden, international mehr Kunden und Verkäufer zu haben", sagt Nuyts, der einst für Amazon arbeitete und den US-Konzern beim Markteintritt in Italien und Spanien unterstützte.

Das Problem: Bislang gibt es ediglich eine polnischsprachige  Internetseite des Onlinehändlers.

rei mit afp
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