Donnerstag, 5. Dezember 2019

Bis zu 12,9 Milliarden Dollar Erlöse Alibaba strebt in Hongkong Rekord-Börsengang an

Mann vor Alibaba-Logo in Peking: Der Online-Konzern geht in Kürze in Hongkong zum zweiten Mal an die Börse.
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Mann vor Alibaba-Logo in Peking: Der Online-Konzern geht in Kürze in Hongkong zum zweiten Mal an die Börse.

Die chinesische Handelsplattform Alibaba will in den nächsten Tagen in Hongkong offenbar den weltgrößten Börsengang dieses Jahres hinlegen. Das zeichnet sich ab, nachdem die Zeichnungsfrist für die zunächst 500 Millionen Aktien, die Alibaba an der Hongkonger Börse platzieren will, am Dienstag abgelaufen ist. Es wäre bereits der zweite Rekord-Börsengang des vom chinesischen Multimilliardär Jack Ma gegründeten Konzerns. Beim ersten IPO in New York hatte Alibaba 2014 insgesamt 25 Milliarden Dollar eingenommen - ein bis heute weltweit ansonsten unerreichter Wert.

Wie Alibaba Börsen-Chart zeigen am Mittwoch bekanntgab, plant das Unternehmen seine Papiere in Hongkong zu jeweils 176 Hongkong-Dollar (20,30 Euro oder 22,49 US-Dollar) anzubieten. Damit hätte die Medien zufolge mehrfach überzeichnete Emission ein Volumen von mindestens 11,3 Milliarden US-Dollar. Inklusive einer Mehrzuteilungsoption (sogenannter Greenshoe) könnte sich die Summe sogar noch auf 12,9 Milliarden US-Dollar erhöhen - so viel nahm bislang in diesem Jahr kein Unternehmen bei einem Börsengang ein. Der Handel der Alibaba-Aktien in Hongkong soll laut "Wall Street Journal" am 26. November beginnen.

Ein Ausgabepreis von 176 Hongkong-Dollar entspräche einem Abschlag auf den Preis der Alibaba-Aktien an der Wall Street von knapp 3 Prozent. Derartige Abschläge bei Folge-Börsengängen gelten als durchaus üblich. Medien zufolge hatten Investoren im Falle Alibabas allerdings auf bis zu 5 Prozent Nachlass auf den New Yorker Aktienkurs gehofft. Alibabas Aktie notierte an der New Yorker Börse zuletzt bei 185,25 US-Dollar, wobei der Finanzkonstruktion zufolge ein US-Papier des Konzerns acht Anteilsscheinen in Hongkong entsprechen soll.

Alibaba, das inzwischen einen Börsenwert von beinahe einer halben Billion Dollar hat, hatte bereits beim ersten Börsengang vor fünf Jahren mit einem Debüt in Hongkong geflirtet. Seinerzeit erlaubten die Regeln des dortigen Marktes jedoch nicht die Aufteilung der Aktien in zwei Klassen, wie sie von zahlreichen Tech-Unternehmern bevorzugt wird. Auch Jack Ma hatte sich für die Spaltung der Alibaba-Aktien in zwei Kategorien mit unterschiedlichen Stimmrechten entschieden, um seine Macht im Unternehmen zu festigen. Dank einer Regeländerung ist der Börsengang in Hongkong inzwischen jedoch möglich.

Ein weiteres Hindernis für das zweite IPO in der fernöstlichen Metropole waren zunächst die Unruhen, die dort seit Monaten herrschen. Im August hatte Alibaba vor diesem Hintergrund den geplanten Börsengang zunächst verschoben - inzwischen scheint dies kein Problem mehr darzustellen.

Für eine Zweitnotierung in Fernost spricht aus Sicht des Konzerns, dass es chinesischen Investoren und auch vielen asiatischen Kunden des Konzerns dadurch leichter gemacht wird, sich an Alibaba zu beteiligen. Auch die Führung in Peking dürfte es gerne sehen, dass der Konzern mit Sitz im chinesischen Hangzhou künftig auch am Aktienmarkt Hongkongs präsent ist.

Alibaba seinerseits kann die Erlöse aus dem erneuten Gang an den Kapitalmarkt gut gebrauchen. Die Geschäfte dürften durch das schwächelnde Wirtschaftswachstum Chinas sowie den US-chinesischen Handelskonflikt nicht eben leichter geworden sein (wenngleich der Sonderverkaufstag "Singles' Day" vor Kurzem offenbar ziemlich gut lief). Auf dem chinesischen Heimatmarkt sieht sich der Konzern zunehmendem Wettbewerb ausgesetzt. Zudem plant das Unternehmen Berichten zufolge Investitionen im Cloud-Computing sowie im Entertainment-Bereich.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Die Milliarden aus dem IPO kommen für den Konzern also vermutlich gerade recht. Sollte Alibaba tatsächlich einen Rekord für den größten Börsengang des Jahres aufstellen, so dürfte dieser allerdings kaum lange halten. Auch die saudi-arabische Ölgesellschaft Saudi-Aramco hat noch für dieses Jahr ein IPO angekündigt. Dessen Volumen könnte sogar Alibabas Weltrekord von 2014 übertreffen.

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