Dienstag, 18. Juni 2019

Mögliche Zweitnotierung in unruhigen Zeiten Alibaba könnte mit Börsengang in Hongkong 20 Milliarden einspielen

Alibaba-Gründer Jack Ma strebt mit seinem Konzern offenbar auch an die Börse in Hongkong
Dan Kitwood / Getty Images
Alibaba-Gründer Jack Ma strebt mit seinem Konzern offenbar auch an die Börse in Hongkong

Die Stimmung gegenüber chinesischen Unternehmen in den USA wird immer feindseliger. Nach seinem Listing an der Wall Street erwägt der Internetgigant Alibaba nun eine Zweitnotierung in Hongkong. Analysten sehen nicht zuletzt in dem Timing auch ein politisches Statement.

Der chinesische Internetriese Alibaba erwägt nach dem größten Börsengang aller Zeiten an der Wall Street nun eine milliardenschwere Zweitnotierung in Hongkong. Dabei könnte Alibaba rund 20 Milliarden Dollar einspielen, berichtet die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg

Der Technologieriese arbeite mit Finanzberatern an einem Emissionsangebot. Bereits ab Juli könnte ein Antrag auf Börsennotierung in Hongkong gestellt werden. Ein zweites Listing soll die Finanzierungskanäle diversifizieren und die Liquidität erhöhen, erklärte ein Insider der Agentur gegenüber. Beim Börsengang in New York hatte Alibaba damals rund 25 Milliarden Dollar eingespielt. Ein Sprecher von Alibaba lehnte einen Kommentar ab.

Die angestrebte Notierung in Hongkong erfolgt in einer Zeit, in der sich chinesische Unternehmen mit einer zunehmend feindseligen US-Regierung auseinandersetzen müssen. So hatte die US-Administration den weltgrößten Netzwerkausrüster Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt. Damit ist es US-Unternehmen verboten, Geschäfte mit dem chinesischen Technologiekonzern zu tätigen. Auch Unternehmen außerhalb der USA kündigten an, die Zusammenarbeit zurückzufahren oder vorerst ganz einzustellen.

Ren Zhengfei, der sonst extrem medienscheue Gründer von Huawei, hat erst kürzlich in einem seiner sehr seltenen Interviews das Embargo kritisiert und US-Präsident Donald Trump frontal angegriffen. Beobachter werten den Auftritt des Firmenpatriarchen des weltgrößten Netzwerkausrüsters auch als Indiz dafür, wie ernst die Lage für Huawei ist.

Analyst sieht auch politische Motive

"Ein großer Teil davon ist Politik, vor allem wegen des Timings", interpretiert Analyst David Dai die mögliche Notierung des Internetgiganten Alibaba in Honkong. "Ein weiterer Aspekt ist die potenziell bessere Bewertung auf dem Hongkonger Markt", sagt der Experte von Bernstein in Hongkong.

Alibaba benötigt Kapital, um weiterhin in neue Technologie zu investieren, da das Wachstum in China nachlässt und die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ihre Technologieindustrie angesichts eines eskalierenden Handelskonflikts mit den USA stärken will.

Trotz eines Kursverlustes von rund 21 Prozent seit Jahresbeginn zählt Alibaba mit einem Börsenwert von mehr als 400 Milliarden Dollar zu den zehn größten börsennotierten Unternehmen weltweit. Ohnehin ist der Konzern das größte größte börsennotierte chinesische Unternehmen.

Ursprünglich hatte Alibaba bereits 2014 in Hongkong an die Börse gehen wollen, entschied sich dann aber doch für New York. Die Hongkonger Börse hat sich zum Ziel gesetzt, der Wall Street mehr Konkurrenz zu machen und attraktiver vor allem für asiatische Firmen zu werden.

rei

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