Berichtssaison am Aktienmarkt Erwartung trifft Wirklichkeit

Der Dax notiert auf Rekordniveau, doch nun kommt am Aktienmarkt die Stunde der Wahrheit: die Berichtssaison. Die Ergebnisse der Unternehmen werden zeigen, ob sie mit den hochfliegenden Erwartungen von Anlegern und Weltbank mithalten können.
Erfreute die Anleger mit höherem Gewinn: Die US-Bank Wells Fargo

Erfreute die Anleger mit höherem Gewinn: Die US-Bank Wells Fargo

Foto: KAREN BLEIER/ AFP

Hamburg - Was die Optimisten gehofft hatten, ist eingetreten: Die Börsenrallye geht auch im neuen Jahr erstmal weiter. In dieser Woche schafften sowohl der Dax  als auch der MDax  neue Rekorde, der Dax tastet sich sogar an die magischeMarke von 10.000 Punkten heran. Auch die Wall Street hält bislang ihr hohes Niveau.

Angefeuert wurde die Börsenhausse bislang stark durch die großzügige Politik der Zentralbanken. Viel von dem Geld, das die US-Notenbank Fed, die Europäische Zentralbank (EZB) und andere in die Finanzmärkte geben, landet im Aktienhandel und treibt dort die Kurse in die Höhe.

Hinzu kommen wieder erfreulichere Aussichten der Wirtschaft. Zuletzt prognostizierte die Weltbank den Beginn eines globalen Aufschwungs, an dem nach Ansicht des Instituts neben den ohnehin starken Schwellenländern zunehmend auch die Industriestaaten teilhaben.

Soweit die guten Nachrichten. Die Aktienkurse richten sich jedoch nur zum Teil nach den Rahmenbedingungen, unter denen die Unternehmen ihre Geschäfte machen. Wichtiger noch ist die Frage, wie erfolgreich in diesem Umfeld tatsächlich gewirtschaftet wird. Sprich: Wie entwickeln sich Absatzzahlen, Umsätze und Gewinne?

Alcoa, Intel und SAP enttäuschten, US-Banken treffen Erwartungen

Auskunft darüber erhalten Anleger regelmäßig in der Berichtssaison, in der die Konzerne ihre Geschäftsergebnisse auf den Tisch legen und - im Idealfall - einen Ausblick in die Zukunft geben. Bei aller Phantasie, allen Erwartungen und Hoffnungen, die am Aktienmarkt stets eine Rolle spielen, ist dies einer der wenigen Momente der Wahrheit: So viel haben wir verkauft, so viel haben wir verdient - und so sieht unsere Erwartung für die kommenden Monaten aus.

Die sogenannte Earning Season für das abgelaufene Jahr hat gerade begonnen. Die Erwartungen und Einschätzungen der Börsianer können also wieder mit der Wirklichkeit abgeglichen werden. Auf diese Weise dürfte sich zeigen, wie valide die Kursgewinne der vergangenen Wochen waren.

So viel ist bereits klar: Der Auftakt zur Berichtssaison verlief zwar zum Teil nicht sehr erfreulich. So meldete erst der US-Konzern Alcoa  einen Milliardenverlust, bevor kurz darauf Deutschlands Softwareriese SAP  für Ernüchterung sorgte. Auch Intel  enttäuschte die Investoren am heutigen Freitag mit seinem schwachen Ausblick. Und Shell  schickte seine Papiere gleich mit einem massiven Gewinneinbruch auf Talfahrt.

Die ersten Ergebnisse aus dem Bankensektor jedoch sehen besser aus. Sowohl JP Morgan und Wells Fargo  als auch - mit Abstrichen - Goldman Sachs (Kurswerte anzeigen) und Citigroup  haben bereits gute Zahlen vorgelegt. Am Freitag legte die US-Bank Morgan Stanley  nach Vorlage von Zahlen deutlich zu. Zudem sorgte in Deutschland Beiersdorf  mit seinen jüngsten Zahlen für eine positive Überraschung.

Entscheidend ist der Blick in die Zukunft

Entsprechend differenziert beurteilen Experten die Lage. "Trotz vereinzelter Ausreißer fiel die aktuelle Berichtssaison bislang durchaus positiv aus", sagt etwa Rolf Kuster, Investmentstratege der Liechtensteiner VP Bank. "In den USA wurden die Gewinnerwartungen für das vierte Quartal bisher um rund 13 Prozent übertroffen." Insgesamt konnten drei von fünf Unternehmen ihre Vorgaben toppen, so Kuster.

Für Europa erwartet der Investmentprofi ein ähnliches Bild. Positiv überraschen könnten seiner Ansicht nach besonders die Banken, wenngleich es dort weiterhin juristische Risiken gebe. Bei Unternehmen mit hohem Geschäftsanteil in Asien dagegen stehen laut Kuster möglicherweise Enttäuschungen bevor, in erster Linie aufgrund von Währungsschwankungen und "politischer Instabilität".

Wichtiger als der Rückblick erscheint ohnehin die Aussicht auf die kommenden Monate. Laut Kuster muss sich erst noch zeigen, in welchem Umfang die Unternehmen tatsächlich von der gegenwärtigen Erholung der Konjunktur profitieren.

Ähnlich skeptisch klingt Timo Carstensen, Portfoliomanager und Aktienexperte von Gothaer Asset Management. "Die Erwartungen der Marktteilnehmer an das Gewinnwachstum 2014 sind hoch", sagt er. "Sie bergen großes Enttäuschungspotenzial."

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Foto: obs / K+S

Das ist allerdings nur die pessimistische Art, die Sache zu formulieren. Umgekehrt können die Analysten ebenso gut recht behalten mit ihren hohen Ansätzen. In dem Fall gibt es am Aktienmarkt möglicherweise noch einiges an Luft nach oben.

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