Freitag, 19. April 2019

Börsenprofi Carsten Klude erklärt Darum geht es den Weltbörsen besser als es scheint

Börsianer in Japan

3. Teil: Fundamentale Lage bleibt gut

Leider lässt sich im Moment noch nicht abschätzen, wie lange es dauern wird, bis der im Moment praktizierte Kollisionskurs aufgegeben und man den Weg an den Verhandlungstisch finden wird, doch hat ein solches Szenario die für uns höchste Eintrittswahrscheinlichkeit. Auch im Falle Nordkoreas ist es letztendlich zu einem Ausweichmanöver eines der beiden Kontrahenten gekommen, in diesem Fall von Kim Jong-un.

Bis es diesmal zu einer Einigung kommt, wird es aber vermutlich noch dauern, da sich China in einer stärkeren Verhandlungsposition befindet als damals Nordkorea. Der mögliche wirtschaftliche Schaden, der entsteht, wenn sich beide Seiten nicht einigen, könnte immens sein, denn mit den USA und China streiten sich die beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Dazu müssten beide Länder allerdings weitere Handelsbeschränkungen beschließen, denn das Ausmaß der gegenwärtigen Zollandrohungen entspricht "nur" 0,3 Prozent des US-BIP beziehungsweise 0,4 Prozent der gesamten chinesischen Wirtschaftsleistung. Dies scheint uns zu gering zu sein, um das Wirtschaftswachstum beider Länder oder sogar die gesamte Weltwirtschaft aus den Angeln heben zu können. Doch bis eine Einigung erzielt wird dürfte die volatile Marktphase anhalten.

Abseits all der genannten negativen Aspekte, die dazu geführt haben, dass die Stimmung der Anleger innerhalb weniger Wochen von himmelhochjauchzend auf zu Tode betrübt gedreht hat, bleibt aber festzuhalten, dass die fundamentalen Aussichten für die Aktienmärkte weiterhin als gut zu beurteilen sind. Zwar haben sich viele konjunkturelle Frühindikatoren in der letzten Zeit abgeschwächt, doch war dies angesichts der hervorragenden und fast nur aufwärts gerichteten Entwicklung des vergangenen Jahres nicht anders zu erwarten.

Dass sich der lange Zeit fast linear verlaufende Anstieg der Wirtschaftsdaten so nicht dauerhaft fortsetzen können wird, lag auf der Hand. Eine nachhaltige Verlangsamung des Wirtschaftswachstums oder gar eine neue Rezession lässt sich aus den Frühindikatoren unseres Erachtens nach jedoch nicht ableiten. Mehr als eine Normalisierung der Daten können wir nicht erkennen, zumal sich an den grundsätzlichen Rahmenbedingungen, wie einer expansiven Geld- und Fiskalpolitik sowie relativ stabilen Rohstoffpreisen und Wechselkursen, wenig geändert hat.

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Positiv bewerten wir auch, dass sich die Gewinnerwartungen für die börsennotierten Unternehmen in den vergangenen Wochen nicht verschlechtert haben. Insofern hat der Kursrutsch an den Aktienmärkten dazu geführt, dass sich die Bewertungen deutlich verringert haben. So war der S&P 500 im Januar 2018 mit einem KGV von 18,6 definitiv sehr teuer, was bei schlechten Nachrichten die Anfälligkeit für Kurskorrekturen vergrößert. Mittlerweile ist das KGV jedoch wieder auf rund 16 gesunken, womit der US-Aktienmarkt nicht mehr viel teurer ist als im Durchschnitt der vergangenen gut 30 Jahre.

In Europa und auch in den Schwellenländern kann von einer Überbewertung ohnehin nicht die Rede sein, da hier die KGVs mit Werten von 12 (Dax und MSCI Emerging Marktes) oder 13 (Euro Stoxx 50 bzw. Stoxx 50) noch deutlich niedriger sind. Sollte die nun in den USA beginnende Berichtssaison nicht enttäuschen und Trump nicht tagtäglich mit neuen Tweets für Verunsicherung sorgen, dürften die Aktien zumindest einen Teil ihrer Verluste in den kommenden Wochen wieder aufholen.

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