Aktienmarkt Auf diese fünf Zahlen sollten Börsianer 2016 achten

Aktienhändler in New York: Auch die US-Notenbank gibt wichtige Impulse für die hiesige Börse

Aktienhändler in New York: Auch die US-Notenbank gibt wichtige Impulse für die hiesige Börse

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2015 legte der deutsche Aktienmarkt gemessen am Leitindex Dax  nach einigem Auf und Ab letztlich um rund 10 Prozent zu. Doch wie wird es 2016 weitergehen?

Eine Prognose erscheint müßig. Zu viele Einflussfaktoren spielen eine Rolle. Selbst Investmentexperten helfen da nicht weiter, wie etwa eine Umfrage des "Handelsblatts" in dieser Woche zeigte. 35 Investmenthäuser fragte das Blatt, wo der Dax wohl Ende 2016 stehen wird. Das wenig hilfreiche Ergebnis: Die Fachleute sehen den Index in zwölf Monaten bei 9250 Punkten oder bei 13.000 Punkten - oder irgendwo dazwischen.

Besser also, man verabschiedet sich von vornherein davon, die Entwicklung an der Börse vorhersehen zu wollen. Sinnvoller erscheint es, wichtige Einflussfaktoren, die regelmäßig die Kurse bewegen, stets genau im Blick zu behalten, wie vor allem:

US-Leitzins - Notenbank auf schmalem Grat

Nach rund sieben Jahren niedrigster Zinsen hat die US-Notenbank ihren Leitzins im Dezember 2015 wie erwartet erstmals wieder angehoben, und zwar um kaum merkliche 0,25 Prozentpunkte auf 0,25 bis 0,5 Prozent. Läuft alles nach Plan, so wird die Fed die Zinsen in den kommende Monaten und Jahren weiter nach oben setzen - aber wie stark? Und wie schnell? Die Antwort wird auch die Entwicklung am Aktienmarkt stark beeinflussen.

Einen Hinweis gibt die Konsensschätzung der Fed-Ratsmitglieder, die regelmäßig veröffentlicht wird. Zuletzt erwarteten die Zentralbanker demnach mehrheitlich einen Leitzins von 3 bis 4 Prozent im Jahr 2018. Diese Einschätzung kann sich allerdings schnell ändern. Fed-Chefin Janet Yellen selbst betont, dass die Zinsschritte ihres Hauses "graduell" und "datengebunden" erfolgen werden. Sprich: Die Zentralbank wird weiterhin sehr vorsichtig vorgehen und die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung laufend berücksichtigen.

Die Umsicht kommt nicht von ungefähr, denn die Gefahren einer falschen Entscheidung sind groß. Zieht die Fed die geldpolitischen Zügel zu lasch an, drohen an den Finanzmärkten und in der Wirtschaft ungesunde Übertreibungen. Tritt die Zentralbank dagegen allzu beherzt auf die Bremse, könnte sie den Aufschwung der US-Wirtschaft abwürgen.

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Entscheidend aus Sicht der Börse ist zudem, ob Janet Yellen und Kollegen die Erwartungen der Investoren erfüllen. Jede Abweichung kann bekanntlich zu Verwerfungen führen. Und: Mit ihrer Geldpolitik beeinflusst die Fed beinahe direkt den Wechselkurs zwischen Euro und Dollar, der ebenfalls zu den wichtigen Kennzahlen für Börsianer im kommenden Jahr gehört.

Euro-Kurs - Talfahrt Richtung Parität

Gegenüber dem Dollar befindet sich der Euro schon seit mehr als einem Jahr auf Talfahrt. Hintergrund ist vor allem, dass die US-Wirtschaft schneller aus der Rezession kam als die hiesige. Zudem spielt die Euro-Schuldenkrise eine Rolle sowie die allzu freigiebige Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

EZB-Präsident Mario Draghi verkündete erst vor wenigen Wochen eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms seines Hauses, wodurch nun mindestens bis Anfang 2017 zusätzliche Milliarden in die Finanzmärkte der Euro-Zone fließen werden. Auf der anderen Seite dreht die US-Notenbank wie beschrieben an der Zinsschraube, was sich bereits seit Monaten absehen ließ.

Die Folge: Geldanlagen im Dollar-Raum gewinnen gegenüber der Euro-Zone an Attraktivität - und damit der Dollar gegenüber dem Euro an Wert. Experten prophezeien schon seit einiger Zeit, dass die Parität zwischen Euro und Dollar in nächster Zeit erreicht werden dürfte. Ein Euro wäre dann nur noch einen Dollar wert - oder sogar weniger.

An der Börse spielt die Entwicklung eine wichtige Rolle. Einerseits investieren Anleger mit steigendem US-Zins und steigendem Dollar-Kurs vermehrt jenseits des Atlantiks, was tendenziell zu niedrigerer Nachfrage und damit niedrigeren Kursen an Europas Börsen führen dürfte. Andererseits schlägt sich der Euro-Kurs direkt in den Geschäftszahlen der Konzerne nieder. Vor allem Unternehmen mit starkem Auslandsabsatz wie etwa viele Autohersteller und Maschinenbauer müssten vom schwachen Euro profitieren.

Ölpreis - Indikator mit doppelter Bedeutung

Am Ölmarkt tobt ein Kampf um Marktanteile. Die in der Opec organisierten Förderer wollen ihre Produktion trotz des niedrigen Preises partout nicht drosseln. So hoffen sie, Anbieter beispielsweise aus den USA, die Öl per kostspieligerem Fracking zu Tage fördern, aus dem Markt drängen zu können.

Die Folge ist ein Überangebot des Rohstoffes auf dem Weltmarkt, das den Preis seit Monaten fallen lässt. Ein Ende der Entwicklung ist derzeit kaum absehbar. Zwar werden bereits sukzessive Ölquellen, die sich nicht mehr rechnen, stillgelegt. Mit dem beschlossenen Ende der Sanktionen gegen den Iran wird dieses Land künftig jedoch als weiterer Anbieter auftreten, was den Preis zusätzlich unter Druck setzen dürfte. Viel diskutiert wird vor dem Hintergrund über eine Prognose der Investmentbank Goldman Sachs , die ein Absinken des Ölpreises auf bis zu 20 Dollar je Barrel prophezeit.

Die Bedeutung des niedrigen Ölpreises für die Börse ist schwer einzuschätzen. Einerseits freuen sich Konsumenten und Unternehmen über niedrige Preise für Produkte, die mit Öl zusammenhängen. Klassische Beispiele sind günstiges Benzin an der Tankstelle oder Kerosin als Flugzeugtreibstoff. Dadurch müsste die Wirtschaft tendenziell angekurbelt werden, was für steigende Aktienkurse spräche.

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Andererseits wird der Ölpreis gerne auch als Indikator für die Gesamtlage der Weltwirtschaft gesehen. Ist das schwarze Gold allzu billig, geht es der Wirtschaft schlecht, lautet dann die einfache Gleichung. So gesehen können sich Börsianer über einen sinkenden Ölpreis wiederum kaum freuen.

Wirtschaftswachstum in China - bange Blicke nach Fernost

Für viele deutsche Unternehmen haben die Geschäfte in China inzwischen eine größere Bedeutung als beispielsweise jene in den USA. Kein Wunder also, dass schlechte Nachrichten aus Fernost auch hierzulande die Börsenkurse bewegen. Erst im Frühjahr 2015 sorgten solche Meldungen für heftige Rückgänge bei den Aktien deutscher Autohersteller wie BMW , Daimler  und Volkswagen .

Wie es um die chinesische Wirtschaft tatsächlich bestellt ist, ist schwer einzuschätzen. Das liegt auch daran, dass manche Beobachter an der Verlässlichkeit offizieller Angaben aus Peking zweifeln. Fest steht aber, dass sich die Volksrepublik von den zweistelligen Wachstumsraten früherer Jahre vorerst verabschiedet hat. Angesichts der Konjunkturschwäche musste die Führung 2015 bereits zu erheblichen Stützungsmaßnahmen greifen. Zudem wurde der Leitzins in China mehrfach gesenkt.

Die gute Nachricht: Inzwischen scheinen diese Eingriffe erste Wirkung zu zeigen. Die Industrieproduktion stieg zuletzt überraschend an. Auch der Konsum privater Verbraucher legte zu. Möglich also, dass China in abgelaufenen Jahr das angepeilte Wachstum von 7 Prozent erreicht hat. In den kommenden Jahren soll die Wirtschaft um mindestens 6,5 Prozent zulegen. Börsianer sollten genau im Blick behalten, ob sich diese Zahlen realisieren lassen.

Umlaufrendite - das Zinsniveau stets im Blick behalten

Die Umlaufrendite ist ein Indikator, der die durchschnittliche Rendite aller gegenwärtig gehandelten festverzinslichen Wertpapiere bester Bonität mit einer Restlaufzeit von drei bis 30 Jahren zusammenfasst. Die Kennzahl ist daher gut geeignet, die Entwicklung des allgemeinen Zinsniveaus zu verfolgen.

Ein Blick auf den langfristigen Chart zeigt: Die Umlaufrendite befindet sich gegenwärtig auf historisch niedrigem Niveau. Das überrascht nicht, bewegen sich doch die Zinsen beispielsweise deutscher Staatsanleihen mit geringer Laufzeit bereits seit Längerem im negativen Bereich. Das Standardpapier, die Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit, wirft momentan ebenfalls nur bescheidene 0,6 Prozent Rendite ab. Zum Vergleich: Bei der 10-jährigen Staatsanleihe der USA liegt der Zins zurzeit bei etwa 2,3 Prozent.

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Hauptgrund für das niedrige Zinsniveau ist die freigiebige Geldpolitik der EZB. Da sich daran vorerst nichts ändern wird, dürften auch die Zinsen zunächst niedrig bleiben. Anleger sollten aber auf der Hut sein: Sobald die Zinsen wieder steigen, verlieren Aktien gegenüber anderen Geldanlagen an Attraktivität.

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