Dienstag, 2. Juni 2020

Corona wirbelt Dividendensaison durcheinander Wo Anleger noch attraktive Dividenden bekommen

Mehr als 7 Prozent Dividendenrendite: Für Freunde von Gewinnausschüttungen führt an der Aktie von BASF zurzeit kaum ein Weg vorbei.

In der Corona-Krise werden Dividenden zum Teil angehoben oder bestätigt, vielfach aber auch gekürzt oder komplett gestrichen. Ein Durcheinander, das Anlegern Chancen eröffnet.

Es war eine der meist beachteten Wirtschafts-News dieser Woche: Der Sportartikelhersteller Adidas Börsen-Chart zeigen, der 2019 noch einen satten Gewinn von knapp zwei Milliarden Euro erzielt hat, benötigt wegen der Auswirkungen der Corona-Krise Staatshilfe. Die Bundesregierung habe zugestimmt, dass sich die staatliche KfW-Bank zu einem großen Teil an einem Drei-Milliarden-Euro-Kredit beteiligt, der das Unternehmen durch diese "Ausnahmesituation" bringen soll, teilte Adidas mit.

Für die Aktionäre des Unternehmens ist vor allem ein Detail der Kreditbedingungen von Interesse: Adidas darf während der Laufzeit keine Dividenden zahlen. Der Konzern aus Herzogenaurach ist damit eines der prominentesten Exempel für Unternehmen, die im Rahmen der Corona-Krise ihre Gewinnausschüttungen reduzieren oder dieses Jahr gleich vollends streichen.

Damit passt Adidas ins Gesamtbild: Die Corona-Krise belastet seit Wochen die Welt und fordert den Menschen in ihrem Alltag viel ab. Für viele Geldanleger kommen noch die nervenaufreibenden Turbulenzen am Aktienmarkt hinzu. Und als wäre das noch nicht genug, ist plötzlich nicht einmal mehr auf die Dividenden Verlass, eine sonst sicher geglaubte Einnahmequelle für viele Investoren. Auch sie gerät durch das Coronavirus in Gefahr.

Mehr als ein Fünftel der 600 im europäischen Aktienindex Stoxx 600 gelisteten Unternehmen hat angesichts der durch die Corona-Ausbreitung ausgelösten Wirtschaftsflaute bereits geplante Gewinnausschüttungen gekürzt oder komplett zurückgenommen, zählt die Privatbank Merck Finck vor. Weitere dürften folgen. Die Einschnitte seien damit bereits jetzt stärker als während der Finanzkrise 2008/2009, so Merck-Finck-Chefstratege Robert Greil.

Doch es gibt auch Lichtblicke. Laut Greil sind bislang vor allem Aktionäre von Banken und Industrieunternehmen sowie Reiseveranstaltern, Konsumgüterherstellern oder Versicherungen von den Kürzungen betroffen. Gesundheits- und Pharmaunternehmen dagegen bilden nach Angaben des Experten die Ausnahme - sie wollen nach wie vor zum Teil sogar höhere Dividenden als in den Vorjahren zahlen. Auch im deutschen Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen hält bislang etwa die Hälfte der 30 Konzerne an ihrem Vorhaben fest, die Dividende in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr anzuheben, so Greil.

Doch welche Papiere erscheinen im gegenwärtigen Durcheinander aus Anhebungen, Bestätigungen, Kürzungen oder gar Streichungen von Dividenden aus Sicht von Anlegern am attraktivsten?

Dazu muss zunächst geklärt werden, was überhaupt eine gute Dividendenaktie ausmacht. Neben der aktuellen Höhe der Ausschüttung und der daraus folgenden Dividendenrendite ist das vor allem die Historie: Wie zuverlässig und stabil waren die Auszahlungen in der Vergangenheit und was ist daher vermutlich künftig von dem Unternehmen zu erwarten? Anlageexperte Greil betont zudem, dass Anleger keinesfalls ausschließlich auf hohe Dividenden schielen sollten. Andere Faktoren seien ebenso von Bedeutung, wie beispielsweise die Bilanzqualität, die Bewertung oder die Wachstumschancen, so Greil.

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