Corona wirbelt Dividendensaison durcheinander Wo Anleger noch attraktive Dividenden bekommen

In der Corona-Krise werden Dividenden zum Teil angehoben oder bestätigt, vielfach aber auch gekürzt oder komplett gestrichen. Ein Durcheinander, das Anlegern Chancen eröffnet.
Mehr als 7 Prozent Dividendenrendite: Für Freunde von Gewinnausschüttungen führt an der Aktie von BASF zurzeit kaum ein Weg vorbei.

Mehr als 7 Prozent Dividendenrendite: Für Freunde von Gewinnausschüttungen führt an der Aktie von BASF zurzeit kaum ein Weg vorbei.

Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / dpa

Es war eine der meist beachteten Wirtschafts-News dieser Woche: Der Sportartikelhersteller Adidas , der 2019 noch einen satten Gewinn von knapp zwei Milliarden Euro erzielt hat, benötigt wegen der Auswirkungen der Corona-Krise Staatshilfe. Die Bundesregierung habe zugestimmt, dass sich die staatliche KfW-Bank zu einem großen Teil an einem Drei-Milliarden-Euro-Kredit beteiligt, der das Unternehmen durch diese "Ausnahmesituation" bringen soll, teilte Adidas mit.

Für die Aktionäre des Unternehmens ist vor allem ein Detail der Kreditbedingungen von Interesse: Adidas darf während der Laufzeit keine Dividenden zahlen. Der Konzern aus Herzogenaurach ist damit eines der prominentesten Exempel für Unternehmen, die im Rahmen der Corona-Krise ihre Gewinnausschüttungen reduzieren oder dieses Jahr gleich vollends streichen.

Damit passt Adidas ins Gesamtbild: Die Corona-Krise belastet seit Wochen die Welt und fordert den Menschen in ihrem Alltag viel ab. Für viele Geldanleger kommen noch die nervenaufreibenden Turbulenzen am Aktienmarkt hinzu. Und als wäre das noch nicht genug, ist plötzlich nicht einmal mehr auf die Dividenden Verlass, eine sonst sicher geglaubte Einnahmequelle für viele Investoren. Auch sie gerät durch das Coronavirus in Gefahr.

Mehr als ein Fünftel der 600 im europäischen Aktienindex Stoxx 600 gelisteten Unternehmen hat angesichts der durch die Corona-Ausbreitung ausgelösten Wirtschaftsflaute bereits geplante Gewinnausschüttungen gekürzt oder komplett zurückgenommen, zählt die Privatbank Merck Finck vor. Weitere dürften folgen. Die Einschnitte seien damit bereits jetzt stärker als während der Finanzkrise 2008/2009, so Merck-Finck-Chefstratege Robert Greil.

Doch es gibt auch Lichtblicke. Laut Greil sind bislang vor allem Aktionäre von Banken und Industrieunternehmen sowie Reiseveranstaltern, Konsumgüterherstellern oder Versicherungen von den Kürzungen betroffen. Gesundheits- und Pharmaunternehmen dagegen bilden nach Angaben des Experten die Ausnahme - sie wollen nach wie vor zum Teil sogar höhere Dividenden als in den Vorjahren zahlen. Auch im deutschen Leitindex Dax  hält bislang etwa die Hälfte der 30 Konzerne an ihrem Vorhaben fest, die Dividende in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr anzuheben, so Greil.

Doch welche Papiere erscheinen im gegenwärtigen Durcheinander aus Anhebungen, Bestätigungen, Kürzungen oder gar Streichungen von Dividenden aus Sicht von Anlegern am attraktivsten?

Dazu muss zunächst geklärt werden, was überhaupt eine gute Dividendenaktie ausmacht. Neben der aktuellen Höhe der Ausschüttung und der daraus folgenden Dividendenrendite ist das vor allem die Historie: Wie zuverlässig und stabil waren die Auszahlungen in der Vergangenheit und was ist daher vermutlich künftig von dem Unternehmen zu erwarten? Anlageexperte Greil betont zudem, dass Anleger keinesfalls ausschließlich auf hohe Dividenden schielen sollten. Andere Faktoren seien ebenso von Bedeutung, wie beispielsweise die Bilanzqualität, die Bewertung oder die Wachstumschancen, so Greil.

Diese Dividendenaktien sehen trotz Krise gut aus

Was das konkret heißen kann, hat die DZ Bank analysiert, und zwar auf Basis von Zahlen, in denen die Entwicklung der Corona-Krise bis dato bereits weitgehend berücksichtigt ist.

Daraus zunächst die schlechten Nachrichten: Mehr als ein Dutzend der gegenwärtig 99 im breiten deutschen Aktienindex HDax enthaltenen Unternehmen haben die Zahlung ihrer Dividende im laufenden Jahr laut DZ Bank bereits abgesagt, darunter auch die Dax-Titel Adidas, Deutsche Bank  und Lufthansa . Bei vielen Konzernen werden die Geschäftseinbußen im laufenden Jahr den Analysten zufolge zudem zu heftigen Gewinneinbrüchen führen. Laut DZ Bank können die Unternehmensgewinne etwa im Dax um 50 Prozent und mehr wegbrechen.

Bei ihren Dividendenerwartungen für 2021 müssen viele Anleger daher wohl ebenfalls bereits Abstriche machen. Der Übersicht der DZ Bank zufolge haben Analysten ihre Erwartungen an die Gewinnausschüttungen der HDax-Unternehmen (das sind alle Unternehmen aus Dax, MDax und TecDax) im kommenden Jahr bereits im Schnitt um mehr als 15 Prozent nach unten geschraubt. Vor allem die Auto- und die Medienbranche sowie der Transportsektor werden demnach von den Rückschlägen betroffen sein.

Die DZ Bank listet allerdings auch eine Reihe von Unternehmen auf, die selbst angesichts des Krisen-Szenarios als Dividendenzahler weiterhin gut dastehen. Dabei handelt es sich vor allem um sogenannte Dividendenaristokraten, Konzerne also, die in der Vergangenheit bereits kontinuierlich vergleichsweise stabile Ausschüttungen geleistet haben. "Viele dieser Konzerne verfügen über ein gesundes Geschäftsmodell, das durch die aktuelle Krise nicht grundsätzlich in Frage gestellte wird", sagt DZ-Bank-Experte Michael Bissinger. "Wir erwarten daher bei den Dividendenaristokraten im Schnitt geringere Dividendenkürzungen als im Gesamtmarkt."

Besonderer Vorteil: Die jüngsten Kursverluste an der Börse haben auch viele dieser Aktien getroffen. Weil die Unternehmen ihre Dividendenpläne vielfach bislang jedoch nicht revidiert haben, folgen daraus mitunter überaus attraktive Dividendenrenditen.

Beispiel BASF : Der Chemiekonzern aus Ludwigshafen zahlt seit mindestens 20 Jahren regelmäßig eine Dividende und hat deren Höhe während der Zeit beinahe noch nie gekürzt. Sein Aktionärsmeeting hat BASF in diesem Jahr zwar in den Juni und ins Internet verschoben. An der Gewinnausschüttung von 3,30 Euro je Aktie will das Management um CEO Martin Brudermüller aber festhalten. Beim aktuellen Aktienkurs von rund 44 Euro ergibt sich daraus eine Dividendenrendite von mehr als 7 Prozent, ein Wert, den die DZ Bank auch für das kommende Jahr noch erwartet.

Ähnlich solide Zahler waren in den vergangenen Jahren die Versicherer Allianz  und Münchener Rück . Beide Unternehmen haben zuletzt bekräftigt, an ihren Gewinnausschüttungen auch 2020 festzuhalten - obwohl die Europäische Versicherungsaufsicht Eiopa die Unternehmen der Assekuranz aufgefordert hatte, in diesem Jahr auf Dividendenzahlungen zu verzichten. Die DZ Bank listet die beiden Versicherungskonzerne weit oben auf ihrem aktuellen Aristokraten-Ranking, mit Dividendenrenditen von mehr als 5 Prozent im laufenden und vermutlich auch im kommenden Jahr.

Zu den zuverlässigsten Dividendenzahlern der vergangenen 20 Jahre zählen auch die Dax-Titel Fresenius  und Fresenius Medical Care (FMC) . Beide gehören zudem dem Gesundheitssektor an, einer Branche also, die nach Expertenmeinung vergleichsweise unbeschadet durch die Corona-Krise kommen sollte. Die Dividendenrenditen von Fresenius (aktuell 2,4 Prozent) und FMC (1,8 Prozent) bleiben allerdings deutlich hinter den genannten Spitzenwerten zurück. "Fresenius und FMC befinden sich nach wie vor in der Wachstumsphase", erläutert dazu DZ-Bank-Experte Bissinger. "Da ist es normal, dass die Ausschüttungen geringer ausfallen."

Bei diesen Unternehmen könnte jedoch ein anderer Vorzug für Anleger den Ausschlag geben: Kaum etwas spricht dagegen, dass dort die Dividendenzahlungen auch in nächster Zeit zuverlässig erfolgen.

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