Freitag, 19. Juli 2019

Nach missglücktem Uber-IPO Wie wichtig ist bei Börsengängen der erste Tag?

Erstaunter Firmenchef: Uber-CEO Dara Khosrowshahi dürfte vom Verlauf des ersten Tags seines Unternehmens an der Börse kaum erfreut gewesen sein.

2. Teil: Im November droht neuer Kursdruck bei Uber

Die Untersuchung geht von vier möglichen Performances aus, die ein Unternehmen am Tag des IPOs hinlegen kann: Vom mehr oder weniger gefloppten Einstieg (Wertentwicklung zwischen minus 15 Prozent und plus 0,6 Prozent) bis zum regelrechten Senkrechtstart (bei dem der Kurs gleich am ersten Tag um 26,7 bis 127 Prozent in die Höhe schießt). Entscheidend: Betrachtet man die Kursentwicklung der Papiere bis heute, so gibt es in jedem der untersuchten Quartile eine ungefähr gleiche Verteilung von Aktien mit negativer und positiver Entwicklung.

Einige Beispiele: Unter den Start-Flopps listet die "Financial Times" auch Facebook Börsen-Chart zeigen auf. Der Kurs der Aktie, der sich am Tag des Börsengangs im Jahr 2012 kaum von der Stelle bewegte, hat sich seither ungefähr verfünffacht. Auf der anderen Seite ist jedoch auch die chinesische Logistikfirma ZTO Express zu nennen, die 2016 den schwächsten Börsenstart der US-Geschichte hinlegte - und bis heute unter ihrem Ausgabepreis notiert.

Zudem gibt der deutsche Chiphersteller Infineon ebenfalls ein schlechtes Bild ab. Die Papiere schossen beim Börsengang im Jahr 2000 um beinahe 130 Prozent in die Höhe. Gegenwärtig jedoch notiert Infineon Börsen-Chart zeigen zum halben Ausgabepreis, nachdem das Unternehmen gerade erst vor einer schwächeren Chip-Nachfrage in China warnen musste, so die "FT".

Angesichts dieses ausgeglichenen Bildes stellt sich die Frage: Warum wird überhaupt so viel Aufhebens gemacht um die Aktien-Performance am ersten Handelstag? Dabei spielt vermutlich die große mediale Aufmerksamkeit eine Rolle, die Börsengängen von der Größenordnung Ubers zuteil wird. Zudem lassen sich durchaus handfeste Gründe finden: Wie Wissenschaftler von der Universität Florida herausbekommen haben, besteht offenbar ein engerer Zusammenhang zwischen der Performance am ersten Tag und jener in den ersten zwölf Monaten.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Finanzökonom Jay Ritter von der Uni Florida habe mehr als 1800 IPOs aus den Jahren 2001 bis 2017 unter die Lupe genommen, so die "FT". Ergebnis: Diejenigen, die am ersten Tag enttäuschten, performten auch in den darauffolgenden zwölf Monaten schlechter als eine Vergleichsgruppe. Und jene Papiere, die den Tag der Erstnotiz zumindest ohne Verluste beenden konnten, übertrafen im folgenden Jahr vergleichbare Papiere bei der Wertentwicklung um einen messbaren Prozentsatz.

Für Uber bedeutet das zumindest im ersten Börsenjahr kaum Gutes. Neuen Abwärtsdruck könnte der Aktienkurs zudem im November bekommen - dann endet die Sperrfrist, während derer Altinvestoren bei Verkäufen von Uber-Papieren eingeschränkt sind.

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