Börsianer in Sorge Wie der Ölpreis die Aktienkurse wanken lässt

Steigende Rohstoffpreise verunsichern seit Tagen die Börsianer. Die Sorge: Eine anziehende Inflation könnte Zinssteigerungen nebst Kursverlusten zur Folge haben. Ob es so kommt, entscheiden unter anderem die Scheichs von Saudi-Arabien. 
Ölförderung in den USA: Steigen die Rohstoffpreise, steigt die Inflation, steigen die Zinsen - so zumindest die Sorge an den Börsen.

Ölförderung in den USA: Steigen die Rohstoffpreise, steigt die Inflation, steigen die Zinsen - so zumindest die Sorge an den Börsen.

Foto: Andrew Burton/ AFP
Fotostrecke

Dividenden-Könige: Die stärksten Dividenden-Aktien im Dax

Foto: Daimler

Ein Nickelpreis, der an einem einzigen Tag um fast 10 Prozent steigt, ein Aluminiumpreis, mit dem es binnen zwei Wochen um 36 Prozent nach oben geht, und ein Ölpreis auf dem höchsten Niveau seit dreieinhalb Jahren - an der Börse richten die Investoren zurzeit besonders besorgte Blicke auf den Rohstoffmarkt.

Der Grund ist klar: Ohnehin befindet sich der Aktienmarkt in Turbulenzen. Zunächst sorgte der Handelsstreit der USA mit Europa und China für Kursverluste. Seit Ende März schien sich die Lage diesbezüglich zwar etwas beruhigt zu haben. Nicht wenige Beobachter erwarten jedoch an den Börsen in den nächsten Monaten weitere Unruhe, vor allem, weil die Konjunktur zuletzt unerfreuliche Signale aussandte.

Die Nachrichten vom Rohstoffhandel kommen also zur Unzeit. Steigende Rohstoffpreise wecken die Erwartung, dass die Inflation anziehen kann. Das wiederum könnte die Notenbanken zu einer strikteren Geldpolitik bewegen - ein Szenario, das kein Börsianer gerne mag.

Bislang hielten sich die Preissteigerungen sowohl in der Euro-Zone als auch in den USA in Grenzen. Die Europäische Zentralbank (EZB) wie auch die US-Notenbank Fed hatten daher ausreichend Spielraum für eine vergleichsweise großzügige Zinspolitik - zur Freude der Aktienanleger.

Die EZB etwa hält nach derzeitigem Stand noch mindestens bis zum September 2018 daran fest, monatlich Anleihen im Volumen von 30 Milliarden Euro zu erwerben. Danach soll das Wertpapierkaufprogramm womöglich zurückgefahren werden, aber keinesfalls abrupt, sondern eher mit Bedacht. Einen ersten Zinsschritt nach oben stellte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann vor Kurzem für Mitte 2019 in Aussicht.

In den USA hat die Fed ihren Leitzins angesichts einer robust laufenden Konjunktur in den vergangenen Jahren zwar bereits mehrere Male erhöht. Allerdings geschah das ebenfalls vergleichsweise vorsichtig und zurückhaltend.

Die Schlüsselrolle Saudi-Arabiens

Fotostrecke

Großprojekte: Die teuersten Wüstenvisionen der Scheichs

Foto: HANDOUT/ REUTERS

Sollten die Rohstoffpreise nun weiter steigen, könnten die Notenbanken dadurch von ihrer bisherigen Linie abgebracht werden. Die Preisstabilität gilt nach wie vor als wichtiges Kriterium, an dem die Zinswächter ihre Maßnahmen ausrichten. Schreitet die Teuerung zu rapide voran, so müssen sie mit rigiderer Geldpolitik etwas dagegen tun.

In der Euro-Zone beispielsweise betrug die Teuerungsrate zuletzt 1,3 Prozent. Optimal aus Sicht der EZB ist ein Wert von 2 Prozent. Ein wenig Spielraum ist also zwar noch gegeben - doch er schrumpft zusehends.

Die Frage ist daher, ob die Rohstoffpreise tatsächlich weiter steigen werden. Wer darauf eine Antwort sucht, muss einen Blick auf die Gründe für die jüngste Entwicklung werfen. Bei Nickel und Aluminium etwa sehen Experten die Ursache für die Preissprünge vor allem in Sanktionen der USA gegenüber dem wichtigen Rohstoffproduzenten Russland.

Besonderes Augenmerk verdient indes der Ölpreis, denn wegen der vielfachen Verwendung des Rohstoffs, gilt sein Einfluss auf die Inflation als besonders groß. Das Bild auf diesem Markt ist etwas komplexer: Eine vom Ölförderkartell Opec mit anderen Förderern wie Russland geschlossene Vereinbarung zur Angebotskürzung zeige Wirkung, heißt es beispielsweise. Demnächst soll erneut darüber verhandelt werden.

Zwar werden auf der anderen Seite Fracking-Aktivitäten in den USA mit einem steigenden Ölpreis lukrativer, sodass eine Angebotsausweitung van dieser Stelle wiederum die Ölverteuerung bremsen könnte. In welchem Ausmaß das passiert, erscheint jedoch noch völlig unklar.

Fest steht dagegen: Saudi-Arabien, eine der nach wie vor wichtigsten Ölfördernationen, hat offenbar ein starkes Interesse an einem höheren Ölpreis. Das Land muss einen teuren Reformprozess finanzieren. Zudem will es den geplanten Börsengang der staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco erfolgreich durchdrücken. Auch dabei kann ein höherer Preis nur behilflich sein.

Insidern zufolge sähe Saudi-Arabien den Ölpreis gerne zumindest bis zum IPO von Saudi Aramco wieder bei bis zu 100 Dollar je Barrel. So hoch stand Öl seit 2014 nicht mehr. Gegenüber dem gegenwärtigen Niveau wäre das noch ein weiteres Plus von etwa 30 Prozent.

Für Börsianer sind das keine guten Nachrichten: Sollte der Ölpreis tatsächlich weiter steigen, dann werden auch die Aktienkurse von dieser Seite unter Druck bleiben. Das es so kommt erscheint gut möglich: Zwar ist die Preisbildung am Ölmarkt weitgehend intransparent. Der saudische Einfluss gilt jedoch als ziemlich groß.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.