Sonntag, 20. Oktober 2019

Börsianer in Sorge Wie der Ölpreis die Aktienkurse wanken lässt

Ölförderung in den USA: Steigen die Rohstoffpreise, steigt die Inflation, steigen die Zinsen - so zumindest die Sorge an den Börsen.

2. Teil: Die Schlüsselrolle Saudi-Arabiens

Sollten die Rohstoffpreise nun weiter steigen, könnten die Notenbanken dadurch von ihrer bisherigen Linie abgebracht werden. Die Preisstabilität gilt nach wie vor als wichtiges Kriterium, an dem die Zinswächter ihre Maßnahmen ausrichten. Schreitet die Teuerung zu rapide voran, so müssen sie mit rigiderer Geldpolitik etwas dagegen tun.

In der Euro-Zone beispielsweise betrug die Teuerungsrate zuletzt 1,3 Prozent. Optimal aus Sicht der EZB ist ein Wert von 2 Prozent. Ein wenig Spielraum ist also zwar noch gegeben - doch er schrumpft zusehends.

Die Frage ist daher, ob die Rohstoffpreise tatsächlich weiter steigen werden. Wer darauf eine Antwort sucht, muss einen Blick auf die Gründe für die jüngste Entwicklung werfen. Bei Nickel und Aluminium etwa sehen Experten die Ursache für die Preissprünge vor allem in Sanktionen der USA gegenüber dem wichtigen Rohstoffproduzenten Russland.

Besonderes Augenmerk verdient indes der Ölpreis, denn wegen der vielfachen Verwendung des Rohstoffs, gilt sein Einfluss auf die Inflation als besonders groß. Das Bild auf diesem Markt ist etwas komplexer: Eine vom Ölförderkartell Opec mit anderen Förderern wie Russland geschlossene Vereinbarung zur Angebotskürzung zeige Wirkung, heißt es beispielsweise. Demnächst soll erneut darüber verhandelt werden.

Zwar werden auf der anderen Seite Fracking-Aktivitäten in den USA mit einem steigenden Ölpreis lukrativer, sodass eine Angebotsausweitung van dieser Stelle wiederum die Ölverteuerung bremsen könnte. In welchem Ausmaß das passiert, erscheint jedoch noch völlig unklar.

Fest steht dagegen: Saudi-Arabien, eine der nach wie vor wichtigsten Ölfördernationen, hat offenbar ein starkes Interesse an einem höheren Ölpreis. Das Land muss einen teuren Reformprozess finanzieren. Zudem will es den geplanten Börsengang der staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco erfolgreich durchdrücken. Auch dabei kann ein höherer Preis nur behilflich sein.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Insidern zufolge sähe Saudi-Arabien den Ölpreis gerne zumindest bis zum IPO von Saudi Aramco wieder bei bis zu 100 Dollar je Barrel. So hoch stand Öl seit 2014 nicht mehr. Gegenüber dem gegenwärtigen Niveau wäre das noch ein weiteres Plus von etwa 30 Prozent.

Für Börsianer sind das keine guten Nachrichten: Sollte der Ölpreis tatsächlich weiter steigen, dann werden auch die Aktienkurse von dieser Seite unter Druck bleiben. Das es so kommt erscheint gut möglich: Zwar ist die Preisbildung am Ölmarkt weitgehend intransparent. Der saudische Einfluss gilt jedoch als ziemlich groß.

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