Mittwoch, 17. Juli 2019

Warnsignale an der Börse Dax steigt, doch Dax-Gewinne brechen ein

Gewinn-Champion: Daimler-Chef Dieter Zetsche konnte im dritten Quartal von allen Dax-Chefs den höchsten Gewinn verkünden. Doch während es bei Mercedes rund läuft, reißen VW, Eon und Deutsche Bank ein tiefes Loch in die Dax-30-Bilanz

2. Teil: Immerhin: Umsätze der Dax-Konzerne erreichen Rekordniveau

Alles halb so dramatisch also offensichtlich. Hinzu kommen einige positive Aspekte, die ebenfalls den Quartalsbilanzen zu entnehmen sind.

  • Die Umsätze der Dax-Konzerne legten um insgesamt 6 Prozent auf einen neuen Höchstwert von 326 Milliarden Euro zu. Bis auf drei Unternehmen gelang allen 30-Dax-Firmen ein Umsatzwachstum.
  • Einige Konzerne stechen besonders positiv heraus, zum Beispiel:
    • Der Wohnungsvermieter Vonovia Börsen-Chart zeigen mit vor allem durch Zukäufe getriebenen Umsatzplus von 83 Prozent.
    • Der Softwarehersteller SAP Börsen-Chart zeigen mit dem höchsten Gewinnzuwachs aller Dax-Konzerne von 91 Prozent.
    • Der Autobauer Daimler Börsen-Chart zeigen mit dem insgesamt höchsten Gewinn von 3,7 Milliarden Euro.

Wichtiger als der Status quo ist - auch an der Börse - allerdings der Ausblick. Und der fällt nicht ausgesprochen rosig aus. Die Weltwirtschaft stockt, vor allem, weil der Wachstumsmotor in Fernost stottert. Darüber können auch die starken Umsätze der Unternehmen nicht hinwegtäuschen, denn die beruhen laut EY vor allem auf Währungseffekten, sind also stark auf den günstigen Euro zurückzuführen.

EY-Partner Thomas Harms jedenfalls hält die Gesamtlage für fragil. "Die erwartete Zinswende in den USA könnte gerade in den Schwellenländern für zusätzliche Probleme sorgen", sagt er. "Deutschlands Top-Konzerne tun gut daran, weiter an ihrer Flexibilität und Effizienz zu arbeiten."

Im Klartext heißt das: Noch laufen die Geschäfte. Doch wer auch künftig zu den Gewinnern zählen will, muss schon jetzt die Weichen stellen, womöglich mit Einsparungen und Jobabbau. Und auf diese Weise dafür sorgen, dass Deutschlands Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben - auch in Zeiten, in denen ihnen nicht die EZB mit neuen Geldspritzen und einem schwachen Euro unter die Arme greift.

Überblick: Die Dax-Konzerne im dritten Quartal

Die Gewinne der Dax-Konzerne brachen im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 70 Prozent ein. Grund war ...

... unter anderem der Milliardenverlust von Volkswagen aufgrund von Abschreibungen wegen des Abgasskandals.

Auch die Deutsche Bank trug einen großen Teil zur schlechten Gewinnbilanz der Dax-Konzerne bei. Bankchef John Cryan räumt auf und will einen Neuanfang. Das führte im dritten Quartal zu einem Minus von mehr als sechs Milliarden Euro.

Eon macht vor der Aufspaltung mit Abschreibungen ebenfalls reinen Tisch. Die Folge: Ein Quartalsverlust von mehr als sieben Milliarden Euro.

Alle anderen Dax-Konzerne machten im dritten Quartal Gewinn. Allen voran: Daimler, dessen Chef Dieter Zetsche (Bildmitte) einen Gewinn von 3,7 Milliarden Euro verkünden konnte.

Den stärksten Gewinnanstieg verbuchte SAP mit plus 91 Prozent vor ...

... Vonovia mit plus 87 Prozent. Beim Wohnungsvermieter spielten allerdings Zukäufe eine wichtige Rolle.

Den drittstärksten Gewinnzuwachs verzeichnete Halbleiterhersteller Infineon mit 72 Prozent.

Ihre Umsätze steigerten die Dax-Konzerne im dritten Quartal um 6 Prozent auf die Rekordhöhe von 326 Milliarden Euro. Spitzenreiter ist mit Abstand Volkswagen mit 51,5 Milliarden Euro Umsatz.

Den stärksten Umsatzzuwachs schafften Vonovia (plus 83 Prozent), Infineon (plus 36 Prozent) sowie Fresenius Medical Care mit 24 Prozent.

Christoph Rottwilm auf Twitter

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