Sonntag, 26. Januar 2020

Amtsenthebung während Aktien-Hausse Was das Trump-Impeachment für Anleger bedeutet

Umstrittener US-Präsident: Die demokratische Opposition in Washington will Donald Trump seines Amtes entheben.
Nicholas Kamm / AFP
Umstrittener US-Präsident: Die demokratische Opposition in Washington will Donald Trump seines Amtes entheben.

Mit der Ankündigung einer Anklage gehen die Demokraten einen Schritt weiter in Richtung Amtsenthebung des US-Präsidenten. Müssen Anleger jetzt nervös werden? 

Der Auftritt wirkte ziemlich effektvoll, aber mit Abstand betrachtet erscheint er doch nur wie ein Teil eines großangelegten Schauspiels, dessen Ausgang längst festzustehen scheint: Am Donnerstag dieser Woche trat in Washington Nancy Pelosi, demokratische Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, vor die Presse und kündigte an, nach den Anhörungen der vergangenen Wochen werde nun tatsächlich eine Anklage für ein Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump vorbereitet. Die Demokraten machen also Ernst und wollen Trump aus dem Weißen Haus befördern.

Die Entwicklung dürften auch Investoren aufmerksam verfolgen. Trump gilt als überaus wirtschaftsnaher Präsident. Schon seinen Wahlsieg 2016 quittierte der Aktienmarkt mit erheblichen Kursgewinnen. Mit seiner Steuerreform lieferte er später der ohnehin laufenden Hausse an der Wall Street zusätzlichen Treibstoff. Trump selbst lässt keine Gelegenheit aus, seine Bedeutung für den Aufschwung der Aktienkurse zu betonen. Sollte er aus dem Amt geworfen werden, so kündigte er einst an, dann hätte das einen Crash an der Börse zur Folge.

Haben Investoren nun also Grund zur Sorge, nachdem die Opposition in Washington den nächsten Schritt in diese Richtung gehen will? Trump selbst verkündete schon zu Beginn der Impeachment-Anhörungen per Twitter, das Verfahren belaste den US-Aktienmarkt. Ähnlich äußern sich mitunter Investmentexperten. Als Grund nennen die Fachleute allerdings weniger die Aussicht auf ein tatsächlich erfolgreiches Amtsenthebungsverfahren gegen den US-Präsidenten. Vielmehr stelle das Verfahren im ohnehin unruhigen Gesamtbild der weltweiten Finanzmärkte schlicht einen weiteren Unsicherheitsfaktor dar. Und nichts mögen Börsianer bekanntlich weniger als Ungewissheit.

Keine Frage: Sollte Trump im Zuge dieses Impeachment-Verfahrens in den kommenden Wochen tatsächlich seines Amtes enthoben werden, so dürfte dies von den Aktienmärkten kaum positiv aufgenommen werden. Die Unsicherheit wäre zwar einerseits beendet, was ein Pluspunkt aus Sicht der Investoren wäre. Dagegen stünde jedoch das womöglich jähe Ende, das Trumps unternehmensfreundliche Wirtschaftspolitik auf diese Weise fände.

Die global agierende Investmentgesellschaft Schroders mit Hauptsitz in London nahm die Auswirkungen von Amtsenthebungsverfahren auf Aktienmärkte bereits vor einiger Zeit unter die Lupe. Dabei beleuchtete das Unternehmen nicht nur Präzedenzfälle in den USA, also die Fälle des Präsidenten Andrew Johnson Mitte des 19. Jahrhunderts, des Präsidenten Richard Nixon in den 1970er Jahren ("Watergate-Affäre") sowie des Präsidenten Bill Clinton 1998/1999 ("Lewinsky-Skandal"). Schroder untersuchte vielmehr auch weitere Verfahren, die es in Südkorea sowie in Brasilien gab.

Das Ergebnis der Untersuchung erscheint auf den ersten Blick wenig hilfreich: Es zeige sich kein eindeutiges Muster, so das Fazit von Schroders. Grundsätzlich gelte jedoch: Richtet sich ein Amtsenthebungsverfahren gegen eine wirtschaftsfreundliche Regierung, so schade dies den Aktienmärkten eher, und umgekehrt.

Kaum jemand rechnet mit erfolgreichem Impeachment

Damit wäre die Argumentation Donald Trumps bekräftigt, und Sorgen von Investoren angesichts der Vorgänge in Washington womöglich berechtigt. Der Haken ist nur: Kaum jemand rechnet offenbar ernsthaft damit, dass das Impeachment-Verfahren gegen Trump am Ende tatsächlich Erfolg haben wird. Nahezu sämtliche politischen Kommentatoren verweisen auf die Machtverhältnisse in den beiden entscheidenden US-Kammern: Die Demokraten, so der Tenor, könnten mit ihrer Mehrheit im Repräsentantenhaus wohl eine Anklage gegen Trump durchsetzen. Diese würde von den durch die Republikaner dominierten Senat jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit letztlich abgeschmettert.

Ähnlich sehen es zahlreiche Investmentexperten, von denen sich drei beispielsweise am Donnerstag zum Talk bei Bloomberg TV einfanden. Deren mehrheitliche Einschätzung: Die Märkte nehmen das Geschehen im Zusammenhang mit dem Trump-Impeachment eher als "noise" wahr, weniger als "news". Sprich: Kaum jemand misst dem Verfahren wirkliche Bedeutung bei.

Die aus Sicht der Börse eigentlich wichtigen Informationen dagegen - auch im Zusammenhang mit der US-Politik - sind zurzeit andere: Wie läuft die US-Konjunktur, wie entwickeln sich die Unternehmensgewinne, wie geht es weiter im US-chinesischen Handelsstreit? Die Antworten auf diese Fragen sind es, die in den kommenden Monaten die Richtung der Aktienkurse bestimmen dürften.

Und natürlich: Was bringt die kommende US-Wahl im Jahr 2020? Auch dabei spielt der Name Donald Trump wieder eine wichtige Rolle - eine Wiederwahl des Amtsinhabers dürfte zumindest aus Sicht der Finanzmärkte wohl begrüßt werden. Zuvor fällt jedoch die Entscheidung, wer aus dem demokratischen Lager Trump im kommenden Jahr herausfordern darf. Aktuell gilt der frühere Vize-Präsident Barack Obamas, Joe Biden, als Favorit.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Biden dürfte auch aus Sicht der Börse zu den geringeren Übeln zählen, die von demokratischer Seite zu befürchten sind. Anders ist es wohl mit einigen Alternativen. Sollte beispielsweise die stark linksorientierte Aspirantin Elisabeth Warren oder der schon im vergangenen Wahlkampf gescheiterte Bernie Sanders für die Demokraten ins Rennen gehen, so könnte das für den US-Aktienmarkt zu einem neuen Belastungsfaktor werden.

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