Börsenturbulenzen Warum jetzt auch an der Wall Street die Kurse purzeln

Aktienhändler in New York: Für die Kursverluste am Montag gibt es viele Gründe.

Aktienhändler in New York: Für die Kursverluste am Montag gibt es viele Gründe.

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Apple, Cisco und Co: Die größten Aktienrückkäufer in den USA

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Wie so oft bei größeren Ereignissen im Weltgeschehen hat einer sofort eine einfache Erklärung parat: US-Präsident Donald Trump. Als am Montag an der US-Börse die Aktienkurse abrutschten, twitterte der Mann im Weißen Haus sogleich den Grund, den er dafür angeblich ausgemacht hatte: Die Möglichkeit, die nach den Midterm-Wahlen erstarkten Demokraten könnten den Präsidenten mit Untersuchungen oder gar einem Amtsenthebungsverfahren bedrängen, bereite der Börse Kopfschmerzen, so Trump.

Ganz so simpel funktioniert die Börsenwelt dann doch nicht. Tatsächlich spricht einiges dafür, dass Trump mit seiner These, die Schuld für die jüngsten Kursverluste dem politischen Gegner in die Schuhe zu schieben, falsch liegt. Schließlich hatten sich an der Wall Street die wichtigen Indizes wie der Dow Jones  oder der breitere S&P 500 unmittelbar nach den Midterm-Wahlen, die ja bereits am 6. November stattgefunden haben, bereits merklich erholt, bevor es dann am Montag zum Kursrutsch kam. Zudem zeigt auch die Erfahrung mit vorherigen Amtsenthebungsverfahren in den USA: Den Aktienmarkt kümmert so etwas kaum.

Tatsächlich gibt es für die Kursverluste, die nach den heftigen Turbulenzen in Europa nun auch die US-Börse erfasst haben, gleich ein ganze Bündel anderer Gründe. Dies sind die wichtigsten:

Der starke Dollar

Der Euro befindet sich seit Monaten unter heftigem Druck, bedingt vor allem durch die ungelöste Frage nach den Umständen, unter denen Großbritannien aus der EU austreten wird ("Brexit"), sowie durch den Haushaltsstreit der EU mit Italien. Der US-Dollar dagegen hat im Umkehrschluss deutlich zugelegt. Inzwischen kostet ein Euro nur noch 1,12 Dollar, womit der tiefste Stand seit Mitte 2017 erreicht ist. Zum Vergleich: Anfang 2018 stand der Euro noch bei 1,22 Dollar.

Für die USA ist ein starker Dollar zwar mit einem gewissen Prestigegewinn verbunden. Den US-Unternehmen, die auf den Weltmärkten agieren, spielt diese Wechselkursentwicklung jedoch nicht in die Karten. Im Gegenteil: Steigt der Dollar im Wert, verteuern sich US-Produkte im Ausland, was zugleich die Nachfrage beeinträchtigt.

Der Handelskonflikt

Der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und Europa sowie vor allem China belastet die Börsen seit Monaten. US-Analysten zufolge besteht nach wie vor die Gefahr, dass der Disput eskalieren könnte - mit fatalen Folgen für die Weltwirtschaft und jene in den USA.

"Der Handelskonflikt ist ganz klar die große Unbekannte für die Weltwirtschaft und den Kapitalanlagemarkt", schrieb kürzlich beispielsweise David Kelly, globaler Chefstratege bei JP Morgan Funds, an seine Kunden. Sollte sich der Streit 2019 weiter hochschaukeln, anstatt gelöst zu werden, dann wäre dies eine signifikante Belastung für die weltweiten Aktienmärkte sowie für jene in den USA, so Kelly weiter. Zudem könnte das zu einem noch stärkeren Dollar führen, glaubt er.

Die ungewisse Konjunktur

Nach Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs machen sich weltweit Anzeichen bemerkbar, die auf eine Abkühlung hindeuten. Das gilt auch für die USA, wo die Wirtschaft in den vergangenen Jahren bereits kräftiger zulegte als etwa in weiten Teilen Europas. Auch verschiedene US-Konzerne konnten mit ihren Ausblicken in der laufenden Saison der Veröffentlichung von Geschäftsergebnissen ("Earnings Season") nicht überzeugen - und sorgten damit jeweils für Kursverluste an der Börse.

Das US-Wirtschaftswachstum könnte seinen Höhepunkt ebenso erreicht haben, wie die Gewinnentwicklung der Unternehmen, zitiert der US-Sender CNBC die Strategen der Investmentberatungsfirma Charles Schwab. Gleichzeitig werde die Lage am Arbeitsmarkt bereits enger, was zu steigenden Löhnen sowie wohl auch höherer Inflation führe.

Fallender Ölpreis

Nicht zuletzt bereitet auch der seit geraumer Zeit sinkende Ölpreis den Anlegern Sorgen, denn auch er signalisiert eine Abschwächung der weltweiten Konjunktur. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 65,12 US-Dollar. Das waren 35 Cent weniger als am Dienstag. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 47 Cent auf 55,22 Dollar.

Am Vortag war der US-Ölpreis in der Spitze schon um etwa 7 Prozent eingebrochen. Dies ist der stärkste Verlust innerhalb eines Tages seit mehr als drei Jahren. Marktbeobachter erklärten den starken Preisrückgang mit der jüngsten Nachfrageprognose der Organisation erdölexportierender Länder (Opec).

In dem am Dienstag veröffentlichten Monatsbericht rechnet das Kartell im kommenden Jahr mit einer Nachfrage nach Opec-Öl in einem Volumen von etwa 31,5 Millionen Barrel pro Tag. Im Vergleich zu einer zwei Monate alten Prognose ist dies ein Rückgang um 500.000 Barrel pro Tag. Außerdem liegt das in der aktuellen Prognose angegebene Volumen etwa 1,4 Millionen Barrel unter der derzeitigen Fördermenge.

Steigende Zinsen

Ohnehin hat die US-Notenbank Fed bereits vor geraumer Zeit mit Zinssteigerungen begonnen, was am Aktienmarkt stets ein sensibles Szenario ergibt. Zwar ist es nach gängiger Theorie erforderlich, mit steigenden Zinsen einer möglichen Überhitzung der Konjunktur entgegenzuwirken. Zugleich besteht aber die Gefahr, dass die Notenbanker einen Aufschwung ihrerseits abwürgen, wenn sie zu stark auf die Liquiditätsbremse treten.

Die Börsianer beäugen die Aktivitäten der Fed daher mit Argwohn. Insbesondere vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Konjunkturabkühlung lastet zudem eine besondere Verantwortung auf der Zentralbank. Erst in der vergangenen Woche hatte sie weiter steigende Leitzinsen signalisiert, und nicht nur jeder Zinsschritt, sondern schon jede Äußerung zu dem Thema können die Aktienkurse unter Druck setzen.

Allgemeine Nervosität

Wer all diese Negativfaktoren vor dem Hintergrund eines bereits seit einigen Jahren andauernden Börsenaufschwungs betrachtet, erkennt das Rückschlagspotenzial, über das der US-Aktienmarkt inzwischen verfügt. Investoren sind verunsichert und warten förmlich nervös auf jeden Anlass, Aktien zu verkaufen.

Am Montag zeigte sich dies vor allem an zwei Beispielen: Zum einen gerieten die Aktien von Apple  unter starken Druck, nachdem ein Zulieferer seine Jahresziele reduziert hatte. In der Folge sackte der gesamte Tech-Sektor, der in den vergangenen Jahren einen großen Teil zum Börsenaufschwung in den USA beigetragen hat, ab.

Zum anderen wurden auch die Papiere von Goldman Sachs  im großen Stil verkauft, nachdem der Betrugsskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB wieder in den Blick gerückt war. Der Finanzminister des asiatischen Landes verlangt die volle Erstattung aller im Zusammenhang mit den Geschäften des Fonds an die US-Bank geflossenen Gebühren. Auch dies belastete letztlich den gesamten US-Aktienmarkt und trug zu den heftigen Verlusten am Montag bei.

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