Sonntag, 25. August 2019

Kaufen, wenn die Angst umgeht So wird die Euro-Dämmerung zur Anlagechance

Händler an der Wall Street: Noch haben die US-Börsen die Nase vorn - aber wie lange noch?

Während die Wall Street seit der Trump-Wahl immer höher klettert, fällt Europa zurück. Doch das Ende der Trump-Euphorie naht. Daraus entstehen für Anleger Chancen.

USA top, Europa flop. So lautet zurzeit die Kurzformel für die Großwetterlage an den Aktienmärkten. Während in den Vereinigten Staaten die Konjunktur und die angekündigte Wirtschaftspolitik der künftigen Regierung unter Donald Trump für beste Stimmung sorgt, dominieren auf dem alten Kontinent die Sorgen der Investoren. Anleger in Europa haben derzeit in der Tat verschiedene Anlässe, besorgt zu sein:

  • wegen des Referendums in Italien an diesem Wochenende, das Ministerpräsident Matteo Renzi zum Rücktritt zwingen und der Euro-kritischen Bewegung des Beppe Grillo zum Aufschwung verhelfen könnte.
  • wegen populistischer Kräfte auch in anderen europäischen Ländern, wie Österreich, wo ebenfalls am Wochenende mit Norbert Hofer ein Rechtspopulist zum Bundespräsidenten gewählt werden könnte. In Frankreich führt der angekündigte Abgang des Präsidenten François Hollande die Schwäche des sozialistischen Lagers vor Augen und gibt den Rechtspopulisten um Marine Le Pen Auftrieb. Und in Deutschland könnte die ebenfalls Euro-kritische AfD im kommenden Jahr in den Bundestag einziehen.
  • schließlich wegen der nach wie vor schwelenden Euro-Schuldenkrise und schwacher Wirtschaftsentwicklung vor allem im Süden der Währungsunion, wegen derer die EZB eine extrem großzügige Geldpolitik betreiben muss.

Die Folgen dieser Schieflage lassen sich auf den Kurszetteln ablesen: An der Wall Street eilen Indizes wie der Dow Jones Börsen-Chart zeigen oder der S&P 500 seit der Wahl Trumps von Rekord zu Rekord. In Europa dagegen lässt sich bestenfalls eine Stagnation der Aktienkurse beobachten. Der Dax Börsen-Chart zeigen beispielsweise sank in dieser Woche um etwa 3 Prozent.

Der Ausblick fällt zunächst auch nicht besser aus: Es spricht einiges dafür, dass sich die Schere zwischen Europa und den USA in den kommenden Wochen weiter öffnen wird. Solange Donald Trump nicht regiert und damit zeigen muss, ob er seinen Worten auch Taten folgen lässt, spricht für Investoren nichts dagegen, am Grundoptimismus Richtung USA festzuhalten.

Zudem deutet vieles darauf hin, dass die künftige US-Regierung tatsächlich eine wirtschaftsfreundliche Politik betreiben wird: Trump ist gerade dabei, ein Kabinett aus Millionären, Milliardären und anderen Leuten der US-Wirtschaftselite zusammenzustellen. Kaum vorstellbar also, dass der Immobilienmogul aus New York künftig eine Politik betreibt, die den Interessen dieser Klientel zuwider läuft.

Doch die Trump-Rally an der Wall Street könnte schon bald enden. Einer der prominenten Warner ist der ehemalige "Anleihekönig" Bill Gross, der nach seinem Abschied von der Fondsgesellschaft Pimco zu Janus Capital wechselte und in dieser Woche an seine Investoren einen warnenden Ausblick schrieb: Trump werde die Wachstums-Erwartungen enttäuschen, heißt es dort.. Die USA seien keinesfalls in einem so großartigen Zustand ("not as hunky dory"), wie die Wall Street derzeit annehme, argumentiert Gross. Ein starker Dollar, mögliche Handelshemmnisse und die rasante Verschuldung dürften das Wachstum auch in den USA begrenzen und viele enttäuschen, die jetzt auf eine goldene Trump-Ära spekulierten. Und dann?

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