Montag, 1. Juni 2020

Small und Mid Caps vs Blue Chips Warum die Corona-Krise die zweite Börsenliga stärkt

Krisengewinner Zalando: Auch künftig könnten viele kleinere und mittlere Unternehmen von den wirtschaftlichen Veränderungen der Corona-Krise profitieren.

Die Corona-Krise kann die Weltwirtschaft grundlegend verändern. Als Gewinner stehen am Ende womöglich kleine und mittlere Unternehmen da.

In dieser Woche machte sich an der Börse einmal mehr die Stärke kleinerer und mittelgroßer Unternehmen bemerkbar: Firmen wie Delivery Hero Börsen-Chart zeigen oder Teamviewer Börsen-Chart zeigen erreichten mitten in der Corona-Krise neue Kurshochs. Gleiches gilt für den Online-Händler Zalando Börsen-Chart zeigen. Nachdem das Unternehmen einen optimistischen Ausblick auf einen möglicherweise deutlichen Umsatzanstieg gegeben hatte, legte auch diese Aktie am Donnerstag zeitweise um mehr als 10 Prozent auf ein neues Rekordhoch zu.

Die Beispiele mögen extrem sein: Alle genannten Unternehmen werden aufgrund ihrer Geschäftsmodelle zu den relativen Gewinnern der Corona-Krise gezählt. Ihre Erfolge lassen sich also mit Blick auf das gesamte Segment der kleinen und mittleren Unternehmen - sogenannte Small- und Mid-Caps - kaum verallgemeinern. Dennoch lohnt ein Blick auf die Aktien der zweiten und dritten Reihe an der Börse. Schon in der Vergangenheit performten sie häufig besser als etwa die im Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen gelisteten deutschen Blue Chips. Und gerade im Moment des weltweiten wirtschaftlichen Umbruchs lassen sich einige Argumente dafür finden, dass dies auch künftig so sein könnte.

Hintergrund: Dass die weltweite Ausbreitung des neuen Coronavirus sowie die dagegen ergriffenen Maßnahmen eine globale Rezession nach sich ziehen werden, gilt unter Ökonomen inzwischen als ausgemacht. Zahlreiche Staaten sowie verschiedene Notenbanken mobilisieren bereits Milliardensummen, um die Misere zumindest einigermaßen in den Griff zu bekommen.

Darüber hinaus erwarten nicht wenige jedoch auch grundlegende strukturelle Folgen für die Weltwirtschaft. So lautet eine häufig verbreitete These etwa, die Globalisierung als solche könnte durch die außergewöhnliche Entwicklung, die sich weltweit momentan abspielt, ein Stück weit zurückgedreht werden.

Wer sich dem Thema Geldanlage aus einer sehr strategischen Perspektive nähert, kann aus diesen Aussichten unmittelbare Schlüsse ziehen - insbesondere in Bezug auf kleine und mittlere Unternehmen. Vor allem drei Aspekte, die auch die US-Bank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen in einer umfangreichen Analyse auflistet, sprechen in dem Zusammenhang für den Small- und Mid-Cap-Sektor:

1. Je kleiner das Unternehmen, desto geringer ist in der Regel auch sein geografischer Wirkungskreis. Viele der im MDax Börsen-Chart zeigen gelisteten großen deutschen Mittelständler, insbesondere im Maschinenbau oder Automobilsektor, mögen ihre Geschäfte zwar rund um den Globus betreiben. Für zahlreiche Firmen etwa im deutschen Small-Cap-Index SDax Börsen-Chart zeigen gilt das aber schon deutlich weniger. Folge: Diese Unternehmen dürften auch von einer Verringerung oder gar einer Umkehr der Globalisierung weniger stark beeinträchtigt werden.

2. Vor allem zwei Folgen der ultra-lockeren Geldpolitik der Notenbanken sowie der Milliardensummen, mit denen Staaten ihre Volkswirtschaften in der Krise stützen wollen, sind denkbar: Zum einen dürften die Zinsen zunächst einmal dauerhaft niedrig bleiben. Und zum anderen könnten angesichts der starken Ausweitung der Geldmenge langfristig die Inflationsraten steigen (auch wenn sich diese Erwartung schon nach der vergangenen Finanz- und Wirtschaftskrise nicht erfüllte).

Auch von diesen Entwicklungen dürften in erster Linie kleine und mittelgroße Unternehmen profitieren, denn sie sitzen im Schnitt auf der höheren Schuldenlast. Goldman Sachs etwa gibt für europäische Small Caps im Schnitt einen Verschuldungsgrad von 85 Prozent an - im Gegensatz zu lediglich 50 Prozent bei den Large Caps. Dass niedrige Zinsen die Fremdkapitalkosten unmittelbar senken, liegt auf der Hand. Eine höhere Inflation spielt Schuldnern ebenfalls in die Karten, denn sie senkt im Laufe der Zeit deren reale Schuldenlast.

3. Eine Begleiterscheinung in einem wirtschaftlichen Abschwung ist oft eine Konsolidierung im Unternehmenssektor, sprich: eine Zunahme von Unternehmenskäufen und Zusammenschlüssen. Zielobjekte bei zunehmenden M&A-Aktivitäten wären wiederum in erster Linie kleine und mittlere Unternehmen - und deren Aktionäre könnten nicht selten von Kursaufschlägen bei Übernahmeofferten profitieren.

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Wohlgemerkt, das alles sind ziemlich theoretische Überlegungen. Nichts also, was Anleger durch schnelle Kauf- oder Verkaufsorders rasch in bare Münze umwandeln könnten. Manch ein Investor dürfte sein Portfolio jedoch angesichts der aktuellen Marktturbulenzen grundlegend überdenken. Und wer das tut, sollte vielleicht über die Argumente nachdenken - und dem Mid-Cap- oder Small-Cap-ETF gegenüber dem Large-Cap-ETF eventuell künftig ein wenig mehr Gewicht einräumen.

Ohnehin gilt die tendenziell höhere Wachstumsdynamik der kleineren Konzerne als Hauptgrund dafür, dass beispielsweise der MDax Börsen-Chart zeigen in der Vergangenheit über viele Zeiträume besser lief als der Dax Börsen-Chart zeigen. Auch in der Corona-Krise hat sich dieser Vorsprung im kleinen Maßstab bislang gehalten: Seit Jahresanfang haben sowohl MDax als auch SDax gegenüber dem Dax leicht die Nase vorn.

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