Heftige Kursverluste Warum China schon wieder die Weltbörsen beben lässt

Schock zum Jahresauftakt: Chinas Börsen brechen um 7 Prozent ein und ziehen den Dax mit

Schock zum Jahresauftakt: Chinas Börsen brechen um 7 Prozent ein und ziehen den Dax mit

Foto: Rolex Dela Pena/ dpa

So einen Jahresauftakt wünscht sich niemand: Die Börse in China bricht gleich am ersten Handelstag um 7 Prozent ein und zieht die Aktienmärkte rund um den Globus mit nach unten. In Frankfurt notiert der Dax  am frühen Nachmittag mit etwa 4,5 Prozent im Minus. Der deutsche Leitindex hat damit binnen weniger Stunden bereits beinahe die Hälfte seiner Gewinne des gesamten vergangenen Jahres eingebüßt.

Als unmittelbarer Auslöser für den Kursrutsch in Fernost werden Daten zur chinesischen Industrieproduktion genannt. Sie schrumpfte im Dezember den zehnten Monat in Folge, wie eine Umfrage ergab. Das nährt einmal mehr Sorgen um den Zustand der chinesischen Volkswirtschaft - und veranlasste Investoren offenbar zu Aktienverkäufen.

Der wahre Grund für den Neujahrsschock dürfte jedoch tiefer liegen. Das zeigt ein Blick auf die Entwicklung der chinesischen Aktienmärkte in der Vergangenheit. Seit dem Sommer 2014 hatte sich in der Volksrepublik eine breite Aktieneuphorie entwickelt. Vom Taxifahrer bis zum Bankangestellten entdeckten viele Chinesen die Börse als Ort, an dem sich das schnelle Geld machen ließ. Vor allem private Anleger trieben die Kurse in Shanghai und Shenzhen bis zum Sommer 2015 um 150 Prozent und mehr in die Höhe.

Es erfordert nicht viel Expertise, um zu erkennen, dass die Kursgewinne zum großen Teil übertrieben waren. Sprich: An den Börsen Chinas hatten sich Spekulationsblasen gebildet. Und die begannen im Sommer 2015 zu platzen.

Die Luft muss aus dem Markt

So verloren die Aktien von Juni bis August 2015 im Schnitt mehr als 40 Prozent an Wert. Schon seinerzeit waren die Ausläufer des Bebens über die Grenzen des Landes hinaus zu spüren, zum Beispiel beim Dax in Frankfurt, zum Beispiel auch bei den wichtigen Indizes an der New Yorker Wall Street.

Dann der kritische Punkt: Die chinesische Regierung reagiert mit massiven Markteingriffen auf den Börseneinbruch. Handelsverbote für Aktien werden ausgesprochen, die Liquidität im Handel erhöht und Konjunkturspritzen beschlossen. Mit aller Kraft versucht Peking, sich gegen die Kräfte eines freien Aktienmarktes zu stemmen.

Die Erfahrung im Finanzgeschäft zeigt jedoch: Ist erst einmal Luft in einem Markt, so muss diese früher oder später auch wieder entweichen. Wie manager-magazin.de bereits im Juni 2015 in Bezug auf Chinas Börsen schrieb, lässt sich das durch regulierende Eingriffe bestenfalls verzögern - verhindern lässt es sich jedoch nicht.

Wer den wahren Grund für den chinesischen Börseneinbruch zum Jahresauftakt 2016 verstehen will, muss daher vor allem auf die längerfristigen Kurscharts schauen. Der Standardindex CSI 300 etwa steht nach dem jüngsten Einbruch derzeit bei 3470 Punkten. Damit notiert er zwar deutlich unter den Höchstständen vom Sommer 2015. Gegenüber Mitte 2014, als der Hype begann, liegt der Index aber nach wie vor mehr als 60 Prozent im Plus. Und das, während die chinesische Wirtschaft, deren wichtigste Unternehmen im CSI 300 notiert sind, im gleichen Zeitraum um kaum viel mehr als 10 Prozent gewachsen sein dürfte.

Deshalb reagiert der Dax so stark auf China

Im Klartext heißt das: An den Aktienmärkten der Volksrepublik besteht sehr wahrscheinlich seit Monaten weiterhin latenter Verkaufsdruck. Sprich, es ist noch immer Luft in den Kursen, die heraus will.

Dass dies ausgerechnet am heutigen Montag zumindest zum Teil erneut geschehen ist, kommt zudem nicht von ungefähr. Einige der Maßnahmen, mit denen Peking die Kurse gestützt hat, werden in Kürze auslaufen. Es liegt auf der Hand, dass sich viele Anleger zuvor noch rasch von ihren Papieren trennen wollen.

Vor dem Hintergrund wird klar, dass auch in nächster Zeit mit weiteren Schockwellen aus Fernost zu rechnen ist: Die chinesischen Anleger haben ihre Börse mit zum Teil wilder Zockerei über Monate auf schwindelerregendes Niveau gejazzt - und von dort muss sie nun wieder herunterkommen.

Für weitere Verluste in Shanghai und Shenzhen spricht auch, dass die Börsen am Montag wohl noch stärker ins Minus gerutscht wären, hätte nicht eine neue Handelsregel schlimmeres verhindert. Der Regelung zufolge endet das Aktiengeschäft in China seit Jahresanfang an einem Handelstag, sobald die Verluste die Marke von minus 7 Prozent erreichen. Eine weitere Maßnahme, mit der Peking Kursverluste wohl verzögern, aber kaum verhindern können dürfte.

Die heftige Reaktion der hiesigen Aktienmärkte auf die Turbulenzen in Fernost kommt indes nicht von ungefähr. Den Investoren dürfte noch das Börsenjahr 2015 in den Knochen stecken, in dem es so stark auf und ab ging wie selten zuvor. Neben China waren vor allem die Europäische Zentralbank sowie die US-amerikanische Notenbank Fed mit ihren geldpolitischen Maßnahmen Auslöser verschiedener Ausschläge. Dennoch endete 2015 unter dem Strich mit einem Dax-Gewinn von etwa 10 Prozent.

Viele Anleger dürften also noch Gewinne in ihren Depots verzeichnen. Aufgrund der starken Schwankungen sind sie aber nach wie vor sehr nervös - und reagieren mitunter mit raschen Verkäufen auf jeden kleinsten Auslöser.