Klein schlägt Groß - MDax auf Rekordhoch Warum Anleger die größten Chancen so oft ausblenden

Rekordjagd an der Börse - und wieder stehen die großen Konzerne in Dax und Dow Jones im Blickpunkt. Dabei wird übersehen, dass Aktien kleinerer Firmen seit Jahren besser abschneiden. Der MDax ist dem Dax enteilt.
Händler in New York: An der Börse schneiden kleinere Aktien im Schnitt oft besser ab

Händler in New York: An der Börse schneiden kleinere Aktien im Schnitt oft besser ab

Foto: © Lucas Jackson / Reuters/ REUTERS

Gier, Angst, Zweifel, Hoffnung - all diese Faktoren spielen an der Börse eine wichtige Rolle. Psychologische Kräfte treiben Anleger um und bestimmen vielfach ihr Handeln: Harte Fakten wie Unternehmensgewinne, Übernahmeangebote oder wirtschaftspolitische Entscheidungen treten demgegenüber oft in den Hintergrund.

Eines der psychologischen Phänomene, die sich am hartnäckigsten am Aktienmarkt halten (und nicht nur dort), ist der Glaube an Größe. Je größer ein Unternehmen, desto besser, so die Annahme. Je intensiver Medien über Konzerne berichten, desto bedeutsamer erscheinen diese in den Augen der Öffentlichkeit - und als umso relevanter werden sie daher häufig auch von Geldanlegern eingeschätzt.

Das führt dazu, dass am Aktienmarkt vielfach vor allem die großen Indizes im Fokus stehen, in denen die größten Konzerne eines Wirtschaftsraumes zusammengefasst sind. In Deutschland ist das beispielsweise der Dax (Kurswerte anzeigen), mit den 30 größten Unternehmen hierzulande, und in den USA der Leitindex Dow Jones (Kurswerte anzeigen), der in dieser Woche ein Rekordhoch erreichte und die Marke von 20.000 Punkten überschritt.

Der Glaube an Größe führt aus Investorensicht jedoch häufig in die Irre. Dies lässt sich ebenfalls anhand der Aktienindizes zeigen. Denn tatsächlich entwickeln sich an der Börse jene Unternehmen, die noch nicht zu den ganz Großen zählen, häufig besser. Die Indizes, in denen die kleineren Firmen gelistet sind, schneiden daher seit Langem vielfach besser ab als jene mit den großen Konzernen , den sogenannten "Bluechips". So hat in Deutschland der sogenannte Nebenwerte-Index MDax (Kurswerte anzeigen) seinen großen Bruder Dax längst abgehängt und in dieser Woche ein Rekordhoch erreicht.

An der Wall Street entwickelte sich in den vergangenen Monaten beinahe unbemerkt der US-Nebenwerte-Index Russell 2000 zu einem regelrechten Überflieger. Auch die Performance des vielfach gefeierten Dow Jones hat der Russell 2000 dabei in den Schatten gestellt.

Ein Grund: Anleger glauben offenbar, dass die Wirtschaftspolitik, die der neue US-Präsident Donald Trump in Aussicht gestellt hat, vor allem jenen amerikanischen Firmen Vorteile bringen wird, die besonders stark auf den nationalen Markt ausgerichtet sind. Das sind in den Augen der Investoren offenbar eher die kleinen US-Firmen und nicht weltweit agierende Konzerne wie Coca-Cola , McDonald's  oder der US-Pharmariese Johnson & Johnson , denen auch der jüngste Höhenflug des Dollar zu schaffen macht.

Allerdings hat der Russell 2000 gegenüber dem Dow Jones auch längerfristig über viele Zeiträume die Nase vorn. Und diese Formel "Klein schlägt Groß" gilt nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland, wie ein frischer Rekord zeigt.

Darum schlägt der MDax regelmäßig den Dax

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Noch deutlicher ist die bessere Performance kleiner Indizes zudem in Deutschland zu beobachten, wo das Standardwerte-Barometer Dax  gegenüber seinem kleinen Bruder, dem MDax , seit Jahren regelmäßig und recht deutlich den Kürzeren zieht.

Im laufenden Jahr liegen beide Indizes zwar bislang mit einem Plus von etwa drei Prozent ungefähr gleichauf. Damit bewegt sich der MDax allerdings bereits auf Rekordniveau. In dieser Woche setzte der MDax bei 22.895 Punkten erneut einen neuen Höchstwert.

Der Dax dagegen notiert zurzeit bei 11.820 Punkten und ist von einem Allzeithoch jenseits der 12.000-Punkte-Marke aus dem Jahr 2015 noch ein Stück entfernt.

Ein klareres Bild ergibt sich zudem, wenn längere Zeiträume betrachtet werden. Stieg der Dax beispielsweise in den vergangenen fünf Jahren um insgesamt knapp 60 Prozent, so waren es beim MDax zusammen immerhin etwa 113 Prozent.

MDax legte pro Jahr rund elf Prozent zu - beim Dax war es deutlich weniger

Seit den Achtzigerjahren, so haben Analysten ermittelt, legte der deutsche Midcap-Index im Schnitt um 11,3 Prozent pro Jahr zu - beim großen Largecap-Bruder dagegen blieb im Schnitt lediglich ein Plus von 8,8 Prozent pro Jahr.

Kaum vorstellbar, dass es sich bei einem Phänomen, das kontinuierlich über einen so langen Zeitraum beobachtet werden kann, um einen Zufall handelt. Tatsächlich gibt es einige Argumente, die dafür sprechen, dass der MDax  dem Dax in Sachen Performance geradezu systembedingt überlegen ist.

Das wichtigste: Im kleineren Index befinden sich mehr Unternehmen, die sich noch in der Wachstumsphase befinden, welche naturgemäß eher mit Kursgewinnen an der Börse einhergeht. Erreichen Konzerne aus dem MDax dagegen eine Dimension, in der das Wachstum nachlässt, so können sie schnell auch zum Kandidaten für den Dax werden.

Aktuell spricht zudem noch eine andere Überlegung dafür, sich als Anleger in nächster Zeit eher auf den MDax zu konzentrieren. Sollte nämlich der neue US-Präsident Trump seine Drohungen von Strafzöllen gegen Unternehmen, die nicht in den USA fertigen, in die Tat umsetzen, so dürfte das vor allem deutsche Konzerne treffen, die fertige Produkte in die Vereinigten Staaten exportieren. Das gilt beispielsweise für Autohersteller wie Volkswagen , BMW  oder Daimler , die allesamt im Dax notiert sind.

Trumps Protektionismus: Zulieferer noch unter dem Radar

Unternehmen dagegen, die lediglich Teile von Produkten herstellen, könnten möglicherweise weniger unter einem Protektionismus à la Trump leiden. Denn ab einem bestimmten Punkt muss wohl auch der US-Präsident weiterhin grenzüberschreitende Vernetzung der Wirtschaft zulassen.

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Im Beispiel der Autoindustrie könnten daher vor allem die Zulieferer wie Schaeffler oder Hella von Trumps Attacken eher verschont bleiben. Beide sind - wie andere Konzerne ähnlichen Zuschnitts - im MDax notiert.

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