So bewegt der US-Präsident die Börse Ein Investmentrisiko namens Donald Trump

Seit Monaten wackeln die Börsen, Ende dieser Woche fiel der Leitindex Dax unter die 12.000-Punkte-Marke. Mittendrin: Donald Trump. Der US-Präsident verunsichert Investoren - nachdem er sie zuerst glücklich machte.
Querschüsse, Drohungen, Überraschungen: US-Präsident Donald Trump macht Wahlkampf.

Querschüsse, Drohungen, Überraschungen: US-Präsident Donald Trump macht Wahlkampf.

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Es war wohl nur eine Frage der Zeit, und am Freitag war es schließlich soweit: Der deutsche Leitindex Dax  rutschte unter die Marke von 12.000 Punkten. Damit konnte der Index diese runde Zahl, die wie alle runden Indexstände gerne auch als "psychologisch wichtig" bezeichnet wird, erstmals seit rund zwei Monaten nicht halten.

Nur eine Frage der Zeit war dies, weil es in letzter Zeit am Aktienmarkt immer unruhiger wurde. Nachdem bereits in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres Konjunktursorgen und Spannungen in der Weltpolitik zu heftigen Verlusten an den Börsen geführt hatten, ist sie nun erneut da, die große Verunsicherung unter den Investoren: Wie stark wird sich die Wirtschaft tatsächlich abkühlen? Wie werden die Unternehmen damit klar kommen, wie sich ihre Umsätze und Gewinne entwickeln? Wie geht es weiter im Handelskonflikt zwischen den USA und China? Was wird aus dem Brexit, mit einem Mann wie Boris Johnson im Amt des britischen Premierministers?

Diese und verschiedene weitere Fragen machen Investoren derzeit wieder nervöser als zuvor. Und nervöse Investoren neigen dazu, Risiken so weit wie möglich zu vermeiden - sprich: Aktien zu verkaufen.

Geldanlageexperten raten zwar dazu, ein einmal eingerichtetes Depot nicht allzu häufig anzufassen, also nicht je nach Nachrichtenlage das eine Papier zu kaufen und das andere zu verkaufen. Stattdessen gilt es als ratsam, das Auf und Ab der Märkte geduldig auszusitzen. Auf diese Weise entstehe auf lange Sicht die beste Aktienrendite, heißt es, auch, weil die Transaktionskosten niedrig gehalten werden.


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Dennoch ist die aktuelle Verkaufsneigung, die sich in den fallenden Kursen widerspiegelt, verständlich. Denn tatsächlich spricht einiges dafür, dass es auch in den kommenden Monaten unruhig bleiben wird am Aktienmarkt. Auf der einen Seite sind die Anzeichen einer konjunkturellen Abkühlung nicht von der Hand zu weisen. Dies wird sich früher oder später in den Unternehmensgewinnen niederschlagen (bei einigen Firmen schlägt es sich bereits nieder). Ein Abschlag beim Aktienkurs erscheint in solchen Fällen fundamental also begründet.

Auf der anderen Seite ist absehbar, dass es auch in nächster Zukunft viel Störfeuer von der wirtschaftspolitischen Seite geben wird. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem ein Mann, nämlich Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten. Seit Monaten sorgt Trump bereits für Unruhe am Aktienmarkt, vor allem in seiner Rolle als Protagonist im Handelskonflikt der USA mit China. Daran dürfte sich auch künftig kaum etwas ändern, im Gegenteil: Ein genauer Blick zeigt, dass Trump in den kommenden Monaten gleich in dreifacher Hinsicht zum Risikofaktor für die Börse werden kann, wobei alle drei Themenfelder durchaus miteinander zusammenhängen:

1. US-chinesicher Handelskonflikt

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist längst noch nicht ausgestanden - im Gegenteil: Erst in dieser Woche kündigte Trump neue Strafzölle auf chinesische Produkte im Wert von 300 Milliarden Dollar an, die bislang noch nicht von den Zollaufschlägen betroffen sind. Die Antwort aus China ließ nicht lange auf sich warten, und die Börse reagierte darauf einmal mehr mit einem verschreckten Rücksetzer.

Auch der Verlauf der jüngsten Handelsgespräche zwischen Vertretern der USA und Chinas gibt kaum Anlass zur Zuversicht: Das Treffen vor wenigen Tagen dauerte nur einen halben Tag und wurde Berichten zufolge bereits mehr als eine halbe Stunde vor dem geplanten Ende ergebnislos abgebrochen. Die Befürchtung, dass der Handelskonflikt die Börse noch eine Zeit lang beschäftigen wird, erscheint also keineswegs aus der Luft gegriffen.

2. US-Zinspolitik

Mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen die Börsianer derzeit die Geldpolitik der Notenbanken. Die abkühlende Konjunktur hat viele Zentralbanken dazu veranlasst, die Zügel wieder zu lockern, also etwa per Zinssenkung mehr Liquidität in die Finanzmärkte und die Realwirtschaft fließen zu lassen. Das gilt auch für die US-Notenbank Fed, die in dieser Woche erstmals seit zehn Jahren ihre Zinsen senkte, sowie für die Europäische Zentralbank, die einen ähnlichen Schritt bereits in Aussicht gestellt hat.

Grundsätzlich werden solche Zinssenkungen von Investoren begrüßt, denn billiges Geld ist an der Börse immer willkommen. Als Fed-Chef Jerome Powell den Zinsschritt abwärts in dieser Woche kommentierte, löste er damit jedoch spontan Kursverluste an der Börse aus. Der Grund: Powell deutete an, es handele sich nicht um einen Schwenk zu einem längeren Zinssenkungszyklus, was Börsianer erhofft hatten. Seinen Worten zufolge könnte es vielmehr bei einem oder maximal noch einem weiteren Zinsschritt nach unten bleiben.

Und was hat das mit Trump zu tun? Einerseits ist der Handelskonflikt, den der US-Präsident begonnen hat, und den er mit Drohungen wie in dieser Woche immer wieder aufflammen lässt, nach Angaben Powells eines der Hauptrisiken für die US-Wirtschaft und damit auch einer der Hauptgründe für die Fed, die Zinsen zu senken. Und zweitens befindet sich Trump schon seit Langem im Zwist mit der US-Notenbank, weil diese die Zinsen seiner Ansicht nach nicht schnell genug senkt.

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Damit nicht genug: Einige Akteure an der Wall Street vermuten sogar einen Zusammenhang zwischen Trumps Strafzolldrohungen von dieser Woche und der Zinssenkung der Fed, die unmittelbar zuvor erfolgte. Wie der Finanzinformationsdienst Bloomberg berichtet , glauben Börsianer, Trump habe die Zolldrohung gegen China publiziert, um indirekt Fed-Chef Powell und Kollegen unter Druck zu setzen. Die Überlegung erscheint einleuchtend: Trump geht es mit den Zinssenkungen der Fed nicht schnell genug, und Powell nannte den Handelskonflikt mit China als Risiko für die US-Wirtschaft. Was läge also näher für Trump, als mit einer Verschärfung des Handelskonfliktes Einfluss auf die Fed-Zinspolitik zu nehmen?

Auch bei diesem Thema gilt: Der Zwist zwischen Fed und Weißem Haus besteht bereits seit Langem und er wird vorläufig bleiben. Die Äußerungen von Fed-Chef Powell aus dieser Woche lassen vermuten, dass die Notenbank von den ständigen Querschüssen des Präsidenten - bewusst oder unbewusst - nicht ganz unbeeindruckt geblieben ist. Eine Zentralbank, die nicht in Ruhe und vollkommen unabhängig agieren kann, stellt aber für die Börse vor allem eins dar: einen schwer berechenbaren Unsicherheitsfaktor.

3. US-Wahlen

Wer darauf hofft, dass möglicherweise irgendwann in absehbarer Zeit Ruhe einkehrt im Weißen Haus, liegt wohl falsch. Der Grund liegt auf der Hand: Im kommenden Jahr wird erneut der Präsident der Vereinigten Staaten gewählt, und der Wahlkampf hat längst begonnen.

Für Donald Trump dürfte das ein Grund mehr sein, in den kommenden Monaten so oft wie möglich den starken Mann zu markieren, sei es mit Drohungen gegen China oder die Europäische Union im Handelsstreit, sei es mit Einmischungen in die Geldpolitik der Fed oder sei es mit anderen Überraschungen, die Trump vorzugsweise über den Kurznachrichtendienst Twitter in die Welt posaunt.


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Dabei ist das Störfeuer, das Börsianer vom US-Präsidenten während des Wahlkampfes zu erwarten haben, womöglich nicht mal das Schlimmste. Ein anderes Szenario birgt vielleicht eine viel größere Gefahr: Trump könnte die kommende US-Wahl verlieren.

Es ist wohl müßig, sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt Gedanken über die Aussichten der derzeit noch zahlreichen Präsidentschaftsbewerber inklusive des Amtsinhabers zu machen. Trump kann die Wahl gewinnen oder verlieren, beides erscheint derzeit gleichermaßen möglich.

Aus Sicht der Börse allerdings wäre wohl Letzteres das deutlich unangenehmere Ereignis. Trump selbst hat bereits mehrfach die Behauptung verbreitet, sollte er nicht mehr Präsident sein, würde dies einen Börsencrash nach sich ziehen. Da schwingt vermutlich eine Menge von Trumps üblicher Selbstüberschätzung mit. Im Kern enthält die Aussage aber womöglich viel Wahres.

Auch der Geldanlage-Altmeister Mark Mobius, jahrzehntelang das Aushängeschild der Investmentgesellschaft Franklin Templeton, nannte eine Abwahl Trumps in dieser Woche im US-Fernsehen als eines der größten Risiken für den Aktienmarkt. Ein Großteil der Kursgewinne der vergangenen Jahre gehe auf Trump zurück, so Mobius, der damit vermutlich unter anderem auf die Steuerreform des US-Präsidenten anspielte, sowie auf dessen insgesamt unternehmensfreundliche Politik. Sollte Trump die Wahl verlieren, so werde es an den Märkten drunter und drüber gehen .

Auch dies ein Risiko also, das direkt mit dem US-Präsidenten verbunden ist. Investoren haben dabei allerdings zumindest noch eine Schonfrist: Gewählt wird in den USA erst im November 2020.