Donnerstag, 19. September 2019

So bewegt der US-Präsident die Börse Ein Investmentrisiko namens Donald Trump

Querschüsse, Drohungen, Überraschungen: US-Präsident Donald Trump macht Wahlkampf.

Seit Monaten wackeln die Börsen, Ende dieser Woche fiel der Leitindex Dax unter die 12.000-Punkte-Marke. Mittendrin: Donald Trump. Der US-Präsident verunsichert Investoren - nachdem er sie zuerst glücklich machte.

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, und am Freitag war es schließlich soweit: Der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen rutschte unter die Marke von 12.000 Punkten. Damit konnte der Index diese runde Zahl, die wie alle runden Indexstände gerne auch als "psychologisch wichtig" bezeichnet wird, erstmals seit rund zwei Monaten nicht halten.

Nur eine Frage der Zeit war dies, weil es in letzter Zeit am Aktienmarkt immer unruhiger wurde. Nachdem bereits in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres Konjunktursorgen und Spannungen in der Weltpolitik zu heftigen Verlusten an den Börsen geführt hatten, ist sie nun erneut da, die große Verunsicherung unter den Investoren: Wie stark wird sich die Wirtschaft tatsächlich abkühlen? Wie werden die Unternehmen damit klar kommen, wie sich ihre Umsätze und Gewinne entwickeln? Wie geht es weiter im Handelskonflikt zwischen den USA und China? Was wird aus dem Brexit, mit einem Mann wie Boris Johnson im Amt des britischen Premierministers?

Diese und verschiedene weitere Fragen machen Investoren derzeit wieder nervöser als zuvor. Und nervöse Investoren neigen dazu, Risiken so weit wie möglich zu vermeiden - sprich: Aktien zu verkaufen.

Geldanlageexperten raten zwar dazu, ein einmal eingerichtetes Depot nicht allzu häufig anzufassen, also nicht je nach Nachrichtenlage das eine Papier zu kaufen und das andere zu verkaufen. Stattdessen gilt es als ratsam, das Auf und Ab der Märkte geduldig auszusitzen. Auf diese Weise entstehe auf lange Sicht die beste Aktienrendite, heißt es, auch, weil die Transaktionskosten niedrig gehalten werden.


Lesen Sie auch: Geldanlage in schwierigen Zeiten - Strategien zum Ende des Booms


Dennoch ist die aktuelle Verkaufsneigung, die sich in den fallenden Kursen widerspiegelt, verständlich. Denn tatsächlich spricht einiges dafür, dass es auch in den kommenden Monaten unruhig bleiben wird am Aktienmarkt. Auf der einen Seite sind die Anzeichen einer konjunkturellen Abkühlung nicht von der Hand zu weisen. Dies wird sich früher oder später in den Unternehmensgewinnen niederschlagen (bei einigen Firmen schlägt es sich bereits nieder). Ein Abschlag beim Aktienkurs erscheint in solchen Fällen fundamental also begründet.

Auf der anderen Seite ist absehbar, dass es auch in nächster Zukunft viel Störfeuer von der wirtschaftspolitischen Seite geben wird. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem ein Mann, nämlich Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten. Seit Monaten sorgt Trump bereits für Unruhe am Aktienmarkt, vor allem in seiner Rolle als Protagonist im Handelskonflikt der USA mit China. Daran dürfte sich auch künftig kaum etwas ändern, im Gegenteil: Ein genauer Blick zeigt, dass Trump in den kommenden Monaten gleich in dreifacher Hinsicht zum Risikofaktor für die Börse werden kann, wobei alle drei Themenfelder durchaus miteinander zusammenhängen:

1. US-chinesicher Handelskonflikt

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist längst noch nicht ausgestanden - im Gegenteil: Erst in dieser Woche kündigte Trump neue Strafzölle auf chinesische Produkte im Wert von 300 Milliarden Dollar an, die bislang noch nicht von den Zollaufschlägen betroffen sind. Die Antwort aus China ließ nicht lange auf sich warten, und die Börse reagierte darauf einmal mehr mit einem verschreckten Rücksetzer.

Auch der Verlauf der jüngsten Handelsgespräche zwischen Vertretern der USA und Chinas gibt kaum Anlass zur Zuversicht: Das Treffen vor wenigen Tagen dauerte nur einen halben Tag und wurde Berichten zufolge bereits mehr als eine halbe Stunde vor dem geplanten Ende ergebnislos abgebrochen. Die Befürchtung, dass der Handelskonflikt die Börse noch eine Zeit lang beschäftigen wird, erscheint also keineswegs aus der Luft gegriffen.

2. US-Zinspolitik

Mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen die Börsianer derzeit die Geldpolitik der Notenbanken. Die abkühlende Konjunktur hat viele Zentralbanken dazu veranlasst, die Zügel wieder zu lockern, also etwa per Zinssenkung mehr Liquidität in die Finanzmärkte und die Realwirtschaft fließen zu lassen. Das gilt auch für die US-Notenbank Fed, die in dieser Woche erstmals seit zehn Jahren ihre Zinsen senkte, sowie für die Europäische Zentralbank, die einen ähnlichen Schritt bereits in Aussicht gestellt hat.

Grundsätzlich werden solche Zinssenkungen von Investoren begrüßt, denn billiges Geld ist an der Börse immer willkommen. Als Fed-Chef Jerome Powell den Zinsschritt abwärts in dieser Woche kommentierte, löste er damit jedoch spontan Kursverluste an der Börse aus. Der Grund: Powell deutete an, es handele sich nicht um einen Schwenk zu einem längeren Zinssenkungszyklus, was Börsianer erhofft hatten. Seinen Worten zufolge könnte es vielmehr bei einem oder maximal noch einem weiteren Zinsschritt nach unten bleiben.

Und was hat das mit Trump zu tun? Einerseits ist der Handelskonflikt, den der US-Präsident begonnen hat, und den er mit Drohungen wie in dieser Woche immer wieder aufflammen lässt, nach Angaben Powells eines der Hauptrisiken für die US-Wirtschaft und damit auch einer der Hauptgründe für die Fed, die Zinsen zu senken. Und zweitens befindet sich Trump schon seit Langem im Zwist mit der US-Notenbank, weil diese die Zinsen seiner Ansicht nach nicht schnell genug senkt.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung