Sonntag, 5. April 2020

Erfreuliche Kursgewinne und mehr Drei Lehren für Anleger aus dem Börsenjahr 2019

Donald Trump (l.), ein Börsenhändler in New York sowie Christine Lagarde: Das Jahr 2019 hielt für Anleger einige Erkenntnisse bereit.

Das Jahr 2019 hatte Investoren einiges zu bieten: Erfreuliche Kursgewinne, aber auch einige wertvolle Erkenntnisse.

Der Börsenrückblick 2019 in einem Satz: Es war ein glänzendes Jahr für Aktionäre. In Europa und den USA zogen die Kurse zum Großteil um mehr als 20 Prozent an. Wichtige deutsche Indizes wie der Dax Börsen-Chart zeigen oder der MDax Börsen-Chart zeigen beenden das Jahr auf Rekordniveau. Gleiches gilt für die führenden Kursbarometer an der Wall Street, wie den Dow Jones Börsen-Chart zeigen, den S&P 500 oder selbstverständlich das Tech-Barometer Nasdaq 100. Auch in Asien stimmt die Bilanz: Der japanische Nikkei Börsen-Chart zeigen etwa sowie der Hang Seng Börsen-Chart zeigen in Hongkong verbesserten sich jeweils deutlich.

Die erklecklichen Kursgewinne sind jedoch nicht das Einzige, das Investoren aus dem ausklingenden Börsenjahr mitnehmen können. Zugleich lassen sich einige spannende Erkenntnisse aus 2019 ableiten. Hier die drei vielleicht wichtigsten:

1. Es zählt der langfristige Blick

Es mag paradox klingen, ausgerechnet nach einem so erfreulichen Jahr wie diesem darauf hinzuweisen, aber: Anleger sollten ihren Blick nicht auf einen derart begrenzten Zeitraum richten. Wichtig ist am Aktienmarkt vielmehr die langfristige Sicht, während derer sich starke Kursschwankungen nivellieren und dennoch unter dem Strich ein ordentlicher Ertrag bleibt.

Tatsächlich ist gerade 2019 ein gutes Beispiel dafür, wie viel Wahres in dieser Börsenbinse steckt: Zwar legten die Aktienkurse in diesem Jahr wie beschrieben erheblich zu. Vielerorts wurden dadurch jedoch lediglich die Kursverluste des vergangenen Jahres wettgemacht. Zur Erinnerung: Vor allem in der zweiten Jahreshälfte von 2018 ließen Sorgen um die Konjunktur und den Handelsstreit zwischen den USA und China die Börsen erzittern und die Aktienkurse abrutschen.

Der deutsche Leitindex Dax beispielsweise verzeichnet auf Sicht der vergangenen zwölf Monaten zwar ein Plus von mehr als 20 Prozent. Seit Anfang 2018 beträgt die Wertentwicklung damit jedoch insgesamt kaum mehr als 1 bis 2 Prozent.

Die gute Nachricht lautet aber: Das muss Anleger mit langfristigem Investmenthorizont nicht beunruhigen. Den Beleg dafür liefert das Deutsche Aktieninstitut (DAI), das in einer Grafik die Dax-Renditen für unzählige Anlagezeiträume seit Ende der 1960er Jahre aufgeführt hat.

Die Kernbotschaft dabei: Seit Beginn dieser Analyse gab es keinen Zeitraum von 15 Jahren oder mehr, in dem ein Anleger mit einem Investment in den Dax eine negative jährliche Durchschnittsrendite erzielt hätte. Im Gegenteil: Bei Anlagezeiträumen von 15 Jahren betrug die Dax-Rendite laut DAI im Schnitt 8,8 Prozent pro Jahr, und das unabhängig davon, in welchem Jahr ein Investor seine 15-Jahres-Frist gestartet hat. Für längere Zeiträume steigt die Durchschnittsrendite des Dax sogar noch leicht an.

Rund 9 Prozent Rendite pro Jahr im Durchschnitt eines Zeitraum vieler Jahre also - wenn das für Investoren kein Anreiz ist, was dann? Zumal bei Banken und Sparkassen seit geraumer Zeit nur noch Nahe-Null-Zinsen zu bekommen sind.

2. Die Zinsen bleiben vorerst niedrig

Apropos Zinsen: Erinnern Sie sich noch an die Äußerungen der Europäischen Zentralbank (EZB) aus dem Jahr 2018? Seinerzeit stellte die Bank mit dem damaligen Chef Mario Draghi in Aussicht, dass im Laufe des Jahres 2019 die Zinsen wieder steigen könnten. Dieser Tenor beherrschte monatelang die Erwartungshaltung an den Finanzmärkten.

Ende 2019 ist klar: Daraus wurde nichts. Wieder aufziehende Konjunktursorgen und eine noch immer nicht steigende Inflation, die ja die eigentliche Richtgröße für die EZB-Politik darstellt, haben die Zentralbank in den vergangenen zwölf Monaten umdenken lassen. Von steigenden Zinsen ist keine Rede mehr, im Gegenteil: Gegenwärtig wird innerhalb der EZB mit der neuen Präsidentin Christine Lagarde offenbar darüber diskutiert, ob und wann die Zinsen noch weiter gesenkt werden sollten. Die US-Notenbank Fed ist der EZB insofern bereits einen Schritt voraus: Sie hatte die Zinsen nach der Finanz- und Wirtschaftskrise vor zehn Jahren bereits wieder angehoben - und nahm sie inzwischen erneut ein Stück weit zurück.

Für Investoren bedeutet all dies eine Menge. Nicht wenige Experten rechnen inzwischen damit, dass das Zinsniveau auf absehbare Zeit weiter niedrig bleiben wird. Der Schweizer Ökonom Thomas Straubhaar etwa gab im Interview mit manager magazin eine solche Prognose ab. Auch die Investmentgesellschaft Goldman Sachs Asset Management schreibt in einer Einschätzung in diesen Tagen, viele Anleger seien sich im Spätsommer dieses Jahres wohl der Tatsache bewusst geworden, dass "die Welt der Negativzinsen" zur neuen Normalität wird.

Das heißt einerseits: Bei Banken und Sparkassen ist mit festverzinslichen Anlagen weiterhin wenig bis gar keine Rendite zu erzielen. Im Gegenteil: Der Finanzplattform Biallo zufolge hat im Laufe dieses Jahres etwa jedes zweite Geldhaus in Deutschland die Gebühren für die Kontoführung erhöht. Abzüglich der allgemeinen Preissteigerungen dürften viele Anleger mit ihren Bankanlagen bereits ein Minus erzielen.

Börsianer jedoch können sich freuen: Die lockere Geldpolitik der Notenbanken gilt seit Jahren als einer der Treiber für die Aktienkurse rund um den Globus. Daran dürfte sich also vorläufig nicht viel ändern.

3. Politische Börsen haben kurze Beine, aber ...

Mit Börsenweisheiten ist es so eine Sache. Die meisten haben ihre Berechtigung, allerdings oft mit einer ganzen Reihe von Einschränkungen. So ist es auch mit dieser, und das hat das Jahr 2019 besonders deutlich gemacht.

Politische Börsen haben kurze Beine, so lautet die Weisheit, die jeder Börsianer kennt. Gemeint ist die häufig zu beobachtende Tatsache, dass Einflüsse aus der Politik bestenfalls vorübergehend zu Bewegungen bei den Aktienkursen führen. Langfristig dagegen gibt es andere bestimmende Faktoren, wie vor allem die Entwicklung der Konjunktur sowie die Gewinnentwicklung bei den Unternehmen.

Es gibt allerdings politische Ereignisse, die sich stark auf die Wirtschaftswelt auswirken. In solchen Fällen trifft die zitierte Weisheit dann nicht unbedingt zu: Diese Ereignisse bewegen die Aktienkurse über einen langen Zeitraum. Sie können die Rahmenbedingungen sogar so grundlegend verändern, dass Unternehmen oder Branchen komplett neu bewertet werden müssen.

Mit dem Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie dem Austritt der Briten aus der Europäischen Union beherrschten 2019 (und auch schon zuvor) gleich zwei derartige Themen die Börsen rund um die Welt. Immer wieder sorgten neue Wendungen über das Jahr hinweg für Kursbewegungen. Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Santander Bank ergab dazu, dass sich gegenwärtig beachtlich erscheinende 40 Prozent der Aktien- und Fondsanleger hierzulande von politischen Unsicherheiten beeinflussen lassen.

Folgen Sie Christoph Rottwilm auf Twitter

Daran wird sich künftig wohl nicht viel ändern: Der Brexit macht vermutlich nicht weniger als eine Neubewertung der kompletten britischen Wirtschaft erforderlich. Im Falle des Handelskonflikts sind es Strafzölle oder womöglich neue Handelsvereinbarungen, die sich als harte Fakten dauerhaft auf die Wirtschaft und die Geschäfte von Unternehmen auswirken werden. Einen wichtigen Fingerzeig dürfte in dem Zusammenhang im kommenden Jahr die US-Wahl geben, bei der sich entscheidet, ob US-Präsident Donald Trump - sofern er das aktuelle Amtsenthebungsverfahren übersteht - weitere vier Jahre im Amt bleiben darf.

Die Lehre für Anleger gerade nach diesem Jahr ist daher klar: Viele politische Börsen haben womöglich kurze Beine. Ausnahmen bestätigen jedoch auch in diesem Fall die Regel - die Beine mancher politischen Börsen erweisen sich bei genauerem Hinsehen als deutlich länger als gedacht.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung