Dienstag, 2. Juni 2020

Anlagechance in der Corona-Krise Die Börsennische, die mit zweistelligen Renditen lockt

US-Promi Kim Kardashian bei einem Event der Juwelierkette Tiffany & Co.: Das Unternehmen wird von LVMH übernommen - Anleger können dabei mitverdienen.

Kaufen oder nicht kaufen, das ist momentan an der Börse die große Frage. Die Kurse vieler Aktien waren im März im Zuge des Corona-Crashs tief abgestürzt und haben sich zu einem Teil inzwischen wieder erholt. Dennoch wirken zahlreiche Papiere auf den ersten Blick nach wie vor günstig. Geht es also nun wieder aufwärts am Aktienmarkt? Oder kommt, wie Experten es nicht ausschließen, ein weiterer Rückschlag?

Es gibt Papiere, bei denen stellt sich diese Frage kaum - sie erscheinen in jedem Fall kaufenswert. Denn wer sie erwirbt, kann bereits jetzt nahezu sicher sein, sie zu einem späteren Zeitpunkt zu einem höheren Kurs wieder veräußern zu können.

Die Rede ist von den Aktien jener Unternehmen, für die bereits ein anderer Konzern oder ein Finanzinvestor ein Übernahmeangebot abgegeben hat. Teil einer solchen Offerte ist regelmäßig auch ein fixer Kaufpreis, zu dem der Interessent die Papiere erwerben möchte - und dieser Preis liegt in den meisten Fällen ein gutes Stück über dem aktuellen Börsenkurs.

Der Gewinn, den Investoren in solchen Fällen einstreichen können, also die Differenz zwischen dem Handelskurs der Aktie und dem zum gleichen Papier im Falle einer Übernahmeofferte geäußerten Kaufpreis, wird im Fachjargon als Merger-Arbitrage bezeichnet. Eine Differenz, die beispielsweise aufgrund von Restrisiken entsteht, dass der bevorstehende Deal doch noch platzen könnte. Oder durch allgemeine Marktverwerfungen, vor denen auch die Papiere von Übernahmeobjekten nicht gefeit sind.

"Hochattraktive Marktphase"

Insbesondere der letzte Aspekt lässt die Aktien vieler Übernahmekandidaten im Augenblick besonders attraktiv erscheinen. Die Aktienmärkte weltweit haben im März Kursstürze erlebt, wie es sie zuvor nur selten gegeben hat. Das hat auch viele Unternehmen getroffen, die demnächst den Besitzer wechseln sollen - obwohl sich an der bevorstehenden Firmenakquisition sowie den Konditionen, zu denen Aktionäre ihre Stücke dabei abgeben können, oft kaum etwas geändert hat. Die Folge sind aus Sicht von Fachleuten ungewöhnlich hohe Merger-Arbitrage-Renditen - und damit seltene Investment-Gelegenheiten in dieser Nische des Aktienmarktes.

Einer Analyse des Investmenthauses Bantleon zufolge etwa lag die durchschnittliche Merger-Arbitrage-Rendite am Aktienmarkt noch zu Jahresbeginn bei 6 Prozent. Im Laufe des Crash-Monats März stieg der Wert dann auf extreme 23 Prozent. Aktuell, so Bantleon, liegt die Arbitrage-Rendite noch immer - annualisiert betrachtet - im zweistelligen Bereich.

"Die Werte haben zwar ihren Höhepunkt inzwischen überschritten, wir befinden uns aber nach wie vor in einer hochattraktiven Marktphase für das Abschöpfen von Renditen bei Übernahmen", sagt Bantleon-Fondsmanager Oliver Scharping. "Im Augenblick kann man in einigen Fällen nach wie vor den zwei- oder dreifachen Ertrag erzielen - bei nahezu unverändertem Risiko."

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