Daimler, BMW und VW im Fokus Die Aufholjagd der Autoaktien

China-Sorgen? Abgasskandal? War da was? An der Börse sind Autoaktien wieder gefragt. Die Hersteller profitieren auch davon, dass die Sorgen sich nun auf eine andere Branche konzentrieren.
Mercedes Maybach Concept Car auf der Autoshow in Paris: Autohersteller sind auch an der Börse wieder obenauf

Mercedes Maybach Concept Car auf der Autoshow in Paris: Autohersteller sind auch an der Börse wieder obenauf

Foto: manager magazin online

Des einen Leid ist des anderen Freud - wer es noch nicht wusste: Auch diese Einsicht gehört offenbar zu den Weisheiten, die an der Börse Gültigkeit haben. Zu beobachten ist das zurzeit bei den Aktien deutscher Autohersteller, also von Daimler , BMW  und Volkswagen . Noch vor Jahresfrist wegen China-Sorgen und Abgasskandal enorm unter Druck, haben sie sich in den vergangenen Monaten beachtlich erholt.

Der Grund: Die Investoren haben ihr Augenmerk offenbar einem neuen Sorgenfall zugewendet. Im Fokus stehen nun die Banken, allen voran die Deutsche Bank , die aus den negativen Schlagzeilen einfach nicht herauszukommen scheint.

Die Quittung gibt es auf dem Kurszettel: Die Aktie der Deutschen Bank befindet sich seit Monaten in einem viel beschriebenen Niedergang. Den jüngsten kräftigen Schub gab es dabei im Juni dieses Jahres, als es für das Institut besonders dicke kam: Die Briten entschieden sich für den Ausstieg aus der EU ("Brexit"), in einem US-Bankenstresstest schnitt die Deutsche Bank schlecht ab, und zudem verkündete Bankchef John Cryan auch noch einen Sparplan, dem mehrere Tausend Jobs zum Opfer fallen sollen. Solche Einschnitte werden an der Börse zwar nicht selten begrüßt - im Falle der Deutschen Bank kam die Nachricht aber offenbar nicht eben zum rechten Zeitpunkt.

Damit nicht genug. Auch andere Geldhäuser sind an der Börse in den vergangenen Monaten unter die Räder gekommen. Einige Beispiele: Der Aktienkurs der Schweizer UBS  fiel seit Juni um mehr als zwölf Prozent, jener der französischen Société Générale  um immerhin rund neun Prozent. Nur wenige Banken konnten sich in diesem Jahr am Aktienmarkt so positiv entwickeln wie die US-Großbank JP Morgan Chase. Deren Chef Jamie Dimon kann sich besonders darüber freuen, denn er verdiente durch einen gut getimten Aktienkauf binnen weniger Monate einige Millionen Dollar mit den Papieren seines Instituts.

Börse interessiert sich für Banken statt Autobauer

Dessen ungeachtet bleibt jedoch festzuhalten: Die Bankbranche hat sich zum neuen Prügelknaben der Börse entwickelt - und davon profitieren diejenigen, denen diese Rolle zuvor zuteil wurde. Allen voran die Autoaktien: Als vor mehr als einem Jahr die Sorgen um den wirtschaftlichen Aufschwung in China immer größer wurden, rückten vor allem die deutschen Autobauer BMW, Daimler und Volkswagen in den Fokus. Denn der Erfolg dieser Unternehmen hängt bereits in besonders starkem Maße an der Entwicklung in Fernost.

Die chinesische Schwäche versetzte den Aktienkursen der Autobauer daher den ersten Stoß. Der zweite dagegen war hausgemacht: Im September 2015 kam die Abgasaffäre von Volkswagen an die Öffentlichkeit. Dadurch brach zunächst der Kurs der Wolfsburger ein, woraufhin die gesamte Branche unter zusätzlichen Druck geriet.

Und heute? Über Autoverkäufe in China oder Abgaswerte von Dieselfahrzeugen scheint sich an der Börse kaum noch jemand Gedanken zu machen. Stattdessen interessieren sich Investoren, Analysten und Medien vor allem für die Rechtstreitigkeiten sowie die Umstrukturierung der Deutschen Bank oder auch den Skandal um die US-Bank Wells Fargo.

So konnten sich die Aktien der Autobauer in den vergangenen Monaten beinahe unbemerkt erholen: Der Kurs von Daimler stieg seit dem Sommer um mehr als 20 Prozent, und Volkswagen legte in der Spitze um immerhin 11 Prozent zu. Auch die Aktien von BMW verteuerten sich, und zwar seit Anfang Juli um etwa 20 Prozent.

Letzteres dürfte vor allem die Geschwister Susanne Klatten und Stefan Quandt erfreuen, die zusammen knapp 47 Prozent am Autohersteller aus München halten. Das BMW-Aktienpaket ist der Hauptgrund, aus dem das Geschwisterpaar auch in diesem Jahr Platz eins der Liste der reichsten Deutschen belegt, die manager magazin in seinem aktuellen Sonderheft veröffentlicht.

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