Mittwoch, 19. Februar 2020

Börse im Höhenflug Darum war der Dax-Rekord alternativlos

Im Zeichen des Bullen: Optimisten haben die Aktienkurse auf Rekordniveau getrieben.
picture alliance / Frank Rumpenhorst
Im Zeichen des Bullen: Optimisten haben die Aktienkurse auf Rekordniveau getrieben.

Neuer Dax-Rekord - seit Wochen drängt der Leitindex in diese Richtung, jetzt ist es also endlich soweit: Am Mittwochmorgen sprang der Dax auf bis zu 13.626 Punkte, so hoch wie nie zuvor seit seinem Bestehen. Der alte Höchststand von 13.596 Punkten aus dem Jahr 2018 ist damit Geschichte.

Wer das Börsengeschehen eher beiläufig verfolgt, kann sich allerdings ein wenig wundern: Noch vor wenigen Monaten rumpelte es heftig am Aktienmarkt. Der Handelsstreit zwischen den USA und China, der unklare Brexit sowie unerfreuliche Zeichen von der Konjunktur verunsicherten die Investoren. Die Folge: Mit dem Dax Börsen-Chart zeigen ging es in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres auf deutlich weniger als 12.000 Punkte nach unten. Statt Aktien standen plötzlich als sicher geltende Investments wie Gold Börsen-Chart zeigen bei Investoren hoch im Kurs.

Doch die Unsicherheit scheint vorläufig vergessen zu sein. Nachdem der Dax das vergangene Jahr mit einem Plus von etwa 25 Prozent bereits insgesamt sehr erfreulich beendet hat, drängt er auch 2020 weiter aufwärts. Dafür gibt es vor allem drei triftige Gründe:

1. Beruhigung im wirtschaftlichen und politischen Umfeld

Die Probleme, die zu den Kursturbulenzen in der zweiten Hälfte 2019 geführt hatten, - Stichworte Handelsstreit, Brexit, Konjunktursorgen - haben aus Sicht der Börsianer einen Großteil ihres Schreckens verloren. Erst vor wenigen Tagen haben die USA und China in Washington ein erstes Teil-Handelsabkommen unterzeichnet, die Zeichen bei diesem Thema stehen also zumindest für den Moment auf Entspannung.

Beim Brexit scheint das größte Getöse ebenfalls vorüber, nach den UK-Wahlen Ende vergangenen Jahres kann Premierminister Boris Johnson den Austritt der Briten aus der EU wohl nach seinen Vorstellungen über die Bühne bringen. Auch zur Konjunkturaussicht sind zudem wieder optimistische Töne zu vernehmen, beispielsweise zuletzt in dieser Woche, als es mit dem viel beachteten ZEW-Index für die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten deutlich nach oben ging.

2. Notenbank halten Geldschleusen offen

Nicht nur in Deutschland sondern auch an anderen wichtigen Börsen weltweit - beispielsweise an der Wall Street - steigen seit geraumer Zeit die Aktienkurse. Als wichtiger Grund dafür gilt die seit Jahren lockere Geldpolitik der Notenbanken, die die Märkte mit reichlich Liquidität versorgen. Für die Euro-Zone etwa hält die Europäische Zentralbank die Leitzinsen bereits seit Jahren auf niedrigstem Niveau. Ähnliches gilt für Großbritannien und Japan. Auch in den USA, wo die Notenbank Fed 2017 und 2018 bereits mit Zinssteigerungen begonnen hatte, gab es eine erneute Kehrtwende: Die US-Zinsen befinden sich inzwischen ebenfalls wieder im Sinkflug.

Für die Börsen bedeutet diese großzügige Geldpolitik vor allem eines: Ausreichend Treibstoff für den seit Jahren anhaltenden Höhenflug der Aktienkurse.

3. Fehlende Anlagealternativen - TINA treibt den Dax

Die Geldschwemme der Notenbanken sowie die Tatsache, dass auch Privatleute und Unternehmen viel Geld auf die hohe Kante legen, anstatt es für Konsum oder Investitionen zu verwenden, hat vor allem zwei Folgen. Erstens: Das Zinsniveau befindet sich vielerorts auf niedrigstem Niveau. Und zweitens: Neben den Aktienkursen sind auch die Preise anderer Vermögensgüter inzwischen enorm angestiegen. Für Investoren bedeutet das: Sie wissen kaum noch, wo sie ihr Geld außerhalb des Aktienuniversums anlegen sollen. Als Grund für die immer weiter steigenden Aktienkurse wird deshalb häufig schlicht "TINA" genannt (There is no alternative - zu Aktien).

Immobilien? In Deutschland beispielsweise steigen die Häuser- und Wohnungspreise seit Jahren schneller als die Mieten. Weil daher die erzielbaren Renditen sinken, verliert diese Assetklasse für Investoren zunehmend ihren Reiz.

Anleihen? Auch dort haben Investoren die Kurse vielfach schon so weit nach oben getrieben, dass die Rendite kaum noch messbar ist. Deutsche Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit beispielsweise, die häufig als Benchmark in diesem Markt herangezogen werden, rentieren gegenwärtig im negativen Bereich.

Und Bankanlagen? Bringen ebenfalls so gut wie keine Zinsen. Im Gegenteil: Zumindest bei größeren Anlagesummen kassieren immer mehr Institute Strafzinsen, Sparer zahlen also drauf.

Alternativen wie Gold oder Bitcoin strahlen zudem ebenfalls wenig Anziehungskraft aus. Bei ihnen erscheinen entweder die Wertsteigerung zu ungewiss oder das Verlustrisiko sowie die Schwankungsanfälligkeit zu hoch - oder gleich alles zusammen.

Kein Wunder also, dass Investoren nach wie vor viel Geld am Aktienmarkt investieren - und den wichtigen Indizes wie S&P 500, Dow Jones Börsen-Chart zeigen oder Dax neue Rekorde bescheren.

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung