Dienstag, 21. Mai 2019

Börsenprofi Markus Zschaber erklärt Teurer Kaffee für die Welt - warum Starbucks noch immer Potenzial hat

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Wenn der Name zur Marke wird und diese unverzichtbar ist, dann ist es einem Unternehmen gelungen, seinen großen Marktanteil gegenüber dem Wettbewerb zu schützen. Exemplarisch dafür kann man das Unternehmen Starbucks Börsen-Chart zeigen nennen, denn mittlerweile kennen mehr als 80 Prozent der Befragten in den etablierten Volkswirtschaften den Namen der Kaffeehauskette und können eine direkte Zuordnung zum Produkt Kaffee herstellen.

Markus Zschaber

Interessanterweise ist so ein Brand auch auf andere Märkte oder Länder zu übertragen, in diesem Fall China, dort kennen bereits mehr als 50 Prozent der Städter das Unternehmen unter dem Namen Xingbake. Wenn man sich nun das Potential dieser sogenannten neuen Märkte anschaut, sowohl auf Basis der Anzahl der Bewohner als auch der zukünftigen Konsumenten, so ist es ganz klar, dass die Expansion in das Reich der Mitte in vollem Gange ist.

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Das in Seattle ansässige Unternehmen hat 2018 mit dem Verkauf von Kaffeespezialitäten, Getränken und Essen einen Umsatz von 24,7 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Mitte 2018 gab es zwar einige Negativnachrichten zum Unternehmen, und es wurde vom Ende des Starbucks-Booms gesprochen.

Natürlich hat das Unternehmen einen hohen Sättigungsgrad gerade in den westlichen Ländern, denn seit 1971 wird das Lebensgefühl Kaffee in mehr als 28.000 Filialen weltweit geprägt - eine Welt ohne Kaffee ist praktisch unvorstellbar. Und betrachtet man etwaige Expansionsideen in Europa, dann wird man schnell feststellen, dass der Markt doch sehr eng geworden ist.

Steigende Nachfrage in Emerging Markets

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Um unseren alten Kontinent geht es aber gar nicht, sondern um die Nachfragen aus den Emerging Markets. In China oder Indien wird derzeit fast täglich ein Starbucks Coffee eröffnet, und wenn man auf China und die dort wachsende Mittelschicht blickt, kommen dort rund 300 Millionen Menschen in Frage, die Starbucks Kaffee gegenüber aufgeschlossen sind - nach dem Verzehr von Tee über Jahrhunderte. Wirft man einen Blick auf Indien, so ist die Zahl noch unglaublicher, denn bei gleicher Gesamtbevölkerungszahl in Höhe von knapp 1.4 Milliarden Menschen, gehören dort erst maximal 5 Prozent zur Mittelschicht.

Kunden zahlen viel Geld für Kaffee: Mindestens 30 Prozent Marge

Hinzu kommt, dass junge Menschen in diesen Märkten es als cool und schick ansehen, ein Starbucks als Nachmittagstreffpunkt zu besuchen - nicht nur wegen des kostspieligen Kaffees, sondern auch wegen der Inneneinrichtung und des kostenfreien WLans. In der Tat erwirtschaftet Starbucks in China pro Kunde schon mehr Gewinn als in den USA, so dass das Modell seitens Wareneinsatz, fixe und variable Kosten sehr skalierbar und hoch profitabel ist. Man spricht von mindestens 30 Prozent bis 45 Prozent Marge an einem Getränke oder jeweiligen Produkt.

Im vierten Quartal wurde erneut deutlich, dass das zweistellige Umsatzwachstum in 2018 sich fortsetzen dürfte. Mit Blick auf die Zahlen bis 2020, kann weiter von einem Umsatzwachstum auf bis zu 28 Milliarden Dollar ausgegangen werden.

Hinzu kommt die ebenfalls attraktive Dividendenrendite in Höhe von mehr als 2 Prozent. Starbucks ist also ein Wert, der auch auf Grund der globalen Nachfrage weiterhin ein hohes Kurspotential hat. Derzeit prüfen wir einen erneuten Einstieg für unsere Portfolios, da auch wir letztes Jahr einmal Kasse machten, nachdem wir die Aktie mehr als fünf Jahre in den Depots unserer Kunden hatten.

Die Starbucks Aktie hat sich seit den Negativnachrichten Mitte des Jahre 2018 um mehr als 50 Prozent erholt und hat den Index S&P 500 weit hinter sich gelassen. Die Chancen stehen nach unserer Einschätzung gut, dass sich diese Entwicklung fortsetzt.

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