Donnerstag, 22. August 2019

Börsen auf Talfahrt Börsencrash voraus? Was Anleger jetzt tun sollten

Besorgte Gesichter an der Börse: Die jüngsten Verluste machen Anleger nervös
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Besorgte Gesichter an der Börse: Die jüngsten Verluste machen Anleger nervös

Nach monatelangen Turbulenzen geht es an der Börse derzeit richtig abwärts. Anleger dürften jetzt versucht sein, aus dem Markt auszusteigen - doch das wäre für viele ein Fehler.

Zum Wochenausklang sieht es noch einmal gut aus an der Börse, alle wichtigen Indizes in Deutschland und an anderen Handelsplätzen notieren im Plus. Doch der Schein trügt: Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es sich lediglich um ein vorübergehendes Durchatmen der Investoren handelt.

Seit Monaten geht es am Aktienmarkt turbulent zu, und in den vergangenen Wochen kamen die Kurse so richtig ins Rutschen. Dax Börsen-Chart zeigen, Dow Jones Börsen-Chart zeigen und andere Kursbarometer liegen allein seit Anfang August mit 5 Prozent und mehr im Minus. Der Preis für Gold Börsen-Chart zeigen dagegen, das bei Investoren ja nach wie vor einen guten Ruf als "sicherer Hafen" in unruhigen Zeiten genießt, stieg im gleichen Zeitraum um mehr als 7 Prozent an.

Die Gründe für die Kursverluste wurden schon vielfach aufgezählt: Der Handelskonflikt zwischen den USA und China verunsichert die Anleger ebenso wie die immer schlechter werdenden Konjunktursignale . Hinzu kommen weitere Störfeuer beispielsweise aus Großbritannien, wo der Brexit völlig ungeregelt über die Bühne zu gehen droht, oder aus Italien, wo sich eine veritable Regierungskrise entwickelt hat.

Weil sich die meisten dieser Probleme kaum von heute auf morgen auflösen werden, erwarten viele Experten auch in den kommenden Wochen und Monaten unruhige Zeiten am Aktienmarkt. Auch der Verlauf des VDax New spricht für diese Aussicht: Der Volatilitätsindex, der auch "Angstbarometer" genannt wird, schoss im August auf Werte von deutlich mehr als 20 regelrecht nach oben.


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Investoren stehen also einmal mehr vor der Frage: Was tun, wenn die Zeiten an der Börse ungemütlich werden? In Zeiten, in denen die Kurse steigen, dazusitzen und zuzuschauen, wie sich die Erträge im Vermögensdepot mehren, das fällt niemandem schwer. Wenn es am Aktienmarkt jedoch abwärts geht, sieht das anders aus: Viele Anleger verspüren dann den unwiderstehlichen Drang, aktiv zu werden und auf die Ereignisse zu reagieren - und zwar in den meisten Fällen mit Verkäufen.

Wer sich gegenwärtig mit diesen Gedanken trägt, sollte sich zunächst das Gesamtbild vor Augen halten: Zwar sind die Kurse zuletzt stark abgerutscht. Mit Blick auf das Gesamtjahr 2019 notieren der Dax, der US-amerikanische Dow Jones sowie zahlreiche andere Indizes aber nach wie vor komfortabel im positiven Bereich. Ein Grund dafür sind übrigens die Turbulenzen, die die Börsen in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres durchgerüttelt haben. Seinerzeit waren die Aktienkurse ebenfalls massiv gefallen. Und vom Handelskonflikt zwischen den USA und China über die unklare Situation beim Brexit bis hin zu den Sorgen um die Konjunktur waren die Gründe dafür zum Großteil die gleichen wie gegenwärtig.

Investoren können daraus nun verschiedene Schlüsse ziehen. Alles halb so schlimm, noch ist nicht viel Schlimmes passiert- das ist eine Möglichkeit, die Lage am Aktienmarkt einzuordnen. Es ging zwar schon stark abwärts, doch es besteht nach wie vor viel Luft nach unten, eine andere. Hilfreich sind solche Erwägungen in der Regel kaum.

Doch der Blick aus der Vogelperspektive macht deutlich, wie entscheidend bei der Geldanlage der zeitliche Horizont ist. Was dies angeht, können kurzfristig orientierte Investoren durchaus versucht sein, Gewinne zu sichern. Denn die auf Sicht des Jahres 2019 nach wie vor erfreulichen Gesamtsituation könnte sie dazu anleiten, Aktien oder Fondsanteile vor den nächsten drohenden Verlusten zu verkaufen.

Wer seine Geldanlage jedoch langfristig plant - und das ist eigentlich der einzig ratsame Ansatz - der sollte sich von den aktuellen Verlusten kaum beirren lassen. Zum einen erzeugen häufige Käufe und Verkäufe am Finanzmarkt unnötig hohe Transaktionskosten, die am Ende die Rendite belasten. Zum anderen zeigt die Erfahrung, dass sich die Kurse nach Korrekturen oder auch stärkeren Abschwüngen oft schneller erholen, als viele denken.

Ein gutes Beispiel dafür ist der heftige Markteinbruch zur Finanzkrise 2008. Seinerzeit fiel beispielsweise der Dax von Ende 2007 bis Anfang 2009 um mehr als 50 Prozent auf deutlich weniger als 4000 Punkte. Schon zwei Jahre später hatte der Index jedoch das Vorkrisenniveau beinahe wieder erreicht. Und bis heute beträgt der Gewinn des deutschen Leitindex seit dem Tiefpunkt im Februar 2009 etwa 200 Prozent, die Kursverluste der vergangenen Tage inklusive.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Das Beispiel macht deutlich, wie wichtig es ist, bei der Geldanlage die Ruhe zu bewahren. Erfolgreich ist dabei vor allem, wer drei Grundregeln beachtet werden: Investoren sollten auf eine niedrige Kostenbelastung achten, sie sollten ihre Mittel möglichst breit streuen, um ihr Anlagerisiko tendenziell zu senken, und sie sollten geduldig sein und tagesaktuelle Entwicklungen weitgehend ignorieren.

Wer sich daran hält, dürfte auch mit den aktuellen Börsenturbulenzen keine Probleme haben.

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