280 Prozent Plus in zwölf Monaten Anleger kaufen in der Krise Hellofresh und Teamviewer

Profiteur in der Corona-Krise: Der Kochboxenversender Hellofresh ist an der Börse derzeit mehr wert als der Dax-Konzern Lufthansa

Profiteur in der Corona-Krise: Der Kochboxenversender Hellofresh ist an der Börse derzeit mehr wert als der Dax-Konzern Lufthansa

Foto: DPD

Essen und Arbeiten - auch das muss während Corona-Krise gewährleistet sein. Wer hier als börsennotierter Dienstleister den Menschen das Leben erleichtert, dessen Aktien profitieren: Das spürt zum Beispiel der seit kurzem im MDax  notierte Kochboxenlieferant Hellofresh.

Im ersten Quartal dürften sowohl der Umsatz als auch der Betriebsgewinn über den Markterwartungen liegen, hatte das Unternehmen am Montagabend nach Börsenschluss mitgeteilt. Die Anteilscheine von Hellofresh schnellten dank des optimistischen Ausblicks am Dienstag in der Spitze um fast 25 Prozent auf das Rekordhoch von 32,10 Euro - damit lag das Papier mit Abstand an der Spitze des MDax , in dem es seit kurzem gelistet ist.

Hellofresh erwartet im ersten Quartal einen Umsatz zwischen 685 Millionen Euro und 710 Millionen Euro, zwei Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wird bei 55 Millionen Euro bis 75 Millionen erwartet, ein Jahr zuvor stand hier noch ein Minus von 26 Millionen Euro. Genaue Zahlen will Hellofresh am 5. Mai bekannt geben.

280 Prozent Plus in zwölf Monaten. Hellofresh mehr wert als die Lufthansa

Doch das Berliner Unternehmen bleibt auf dem Teppich, will seine Prognose für das Geschäftsjahr 2020 vorerst nicht ändern. Zu groß seien die Unsicherheiten, zu unbestimmt der weitere mögliche Verlauf der Pandemie. Nach früheren Angaben soll der Umsatz 2020 zwar nicht mehr so stark wie noch im vergangenen Jahr zulegen, aber währungsbereinigt immer noch um 22 bis 27 Prozent wachsen. Dabei soll die Marge auf Basis des bereinigten Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf 4,0 bis 5,5 (2019: 2,6) Prozent steigen.

Hellofresh gehört am Aktienmarkt zu den wenigen Gewinnern der vergangenen Wochen. Seit dem Start des Corona-Crashs am 24. Februar stieg der Kurs der Aktie um rund 30 Prozent und setzte damit den Höhenflug fort. In den vergangenen zwölf Monaten summiert sich das Plus auf 280 Prozent.

Hellofresh ist an der Börse derzeit etwas mehr als fünf Milliarden Euro wert und damit mehr als zum Beispiel die im Dax notierte Lufthansa , deren Marktkapitalisierung im Corona-Crash bisher um rund 40 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro gefallen ist.

Teamviewer-Aktie auf Rekordhoch - Auch Slack, Microsoft Teams und Zoom jubilieren

Auch die Aktien des deutschen Softwareanbieters Teamviewer  sind weiter gefragt und kletterten am Dienstagvormittag um weitere 1,7 Prozent auf das Rekordhoch von mehr als 38 Euro. Die Papiere waren allein zwischen dem 25 Februar und 2. März von rund 28 auf 37 Euro geklettert, um zwischenzeitlich auf 25 Euro einzubrechen. Doch seit Mitte März geht es mit den Papieren wieder steil bergauf.

Teamviewer profitiert mit seiner Fernsteuerungs- und Videokonferenzsoftware von der Notwendigkeit, dass viele Menschen, während der bundesweiten Kontaktbeschränkungen ihre Arbeit ins Homeoffice verlegen müssen.

Seit sich Viruswelle im März zu einer Pandemie ausgewachsen hat, steige die Nachfrage nach Fernwartungs- und Homeoffice-Lösungen substanziell, hatte das MDax-Unternehmen vor wenigen Tagen mitgeteilt. Im gesamten ersten Quartal dürften die sogenannten Billings - sprich in Rechnung gestellte Einnahmen - mindestens 60 Prozent höher liegen als ein Jahr zuvor.

Doch auch Teamviewer bleibt vorerst vorsichtig: Das Management gehe davon aus, dass es sich dabei um eine vorübergehende Entwicklung handelt. An seiner Prognose für das laufende Jahr will das Unternehmen ebenso wie Hellofresh vorerst nichts ändern. Insgesamt sei das Geschäftsumfeld unsicher und die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise noch nicht abzuschätzen. Die Zahlen für das erste Quartal will Teamviewer  am 12. Mai veröffentlichen.

Slack, Microsoft Teams Zoom - Nutzerzahlen steigen rasant

Auch andere Anbieter von Web-Videokonferenzen, Messengern und weiterer Software für Kommunikation und Teamarbeit verspüren aktuell eine enorme Nachfrage - sei es nun durch den Zwang zum Homeoffice und/oder auch als Alternative zu teuren Dienstreisen. In Team-Plattformen wie Slack oder Microsoft Teams können Nutzer zu zweit und in Gruppen chatten, in Themenkanälen zusammenarbeiten, Dateien teilen sowie sich anrufen und per Video konferieren.

Digitales Arbeiten zuhause werde als Ergebnis der Corona-Krise dauerhaft einen großen Schub bekommen, sagt Slack-Deutschlandchef Oliver Blüher. "Die Menschen erleben jetzt Möglichkeiten, die sie später weiter haben wollen."


Lesen Sie auch: Gute Geschäfte trotz Shutdown


Slack-Chef und Mitgründer Stewart Butterfield verkündete unlängst: Seit Anfang Februar habe Slack weltweit 9000 zahlende Neukunden gewonnen, vorher waren es in einem ganzen Quartal 5000. Insgesamt sind es demnach nun rund 120.000. Allein von Mitte bis Ende März sei die Zahl zugleich aktiver Nutzer von 10,5 auf 12,5 Millionen gestiegen. Einen mindestens vergleichbaren Zuwachs gebe es in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sagt Blüher in München. "Wir sind mit der Geschäftsentwicklung mehr als zufrieden."

Schärfster Wettbewerber vor allem in größeren Unternehmen ist Microsoft "Teams", das der Riese in Kombi mit dem Rundumpaket "Office 365" in den Markt drückt. "Das Interesse an Teams ist derzeit riesig - sowohl bei Unternehmen und Organisationen als auch in Bildungseinrichtungen und im privaten Umfeld", berichtet Deutschland-Chefin Sabine Bendiek. "Die Geschwindigkeit, mit der Menschen Video-Calls, virtuelle Meetings oder Screen-Sharing kreativ nutzen, ist beeindruckend." Micosoft hatte vor gut einer erklärt, dass die Zahl der Teams-Nutzer binnen einer Woche um fast 40 Prozent geklettert sei.

"Wir sehen definitiv einen Aufwärtstrend bei der Nutzung", sagte auch die Finanzchefin der Videokonferenz-Software Zoom. Davon liefe aber viel über die Gratis-Version. Deshalb sei es noch zu früh zu sagen, wieviel Kunden langfristig sich als zahlende Kunden erweisen würden.

rei mit Nachrichtenagenturen
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.