Börsenschluss Furcht vor Fed-Zinserhöhung belastet Dax

Am deutschen Aktienmarkt hat sich Nervosität breitgemacht. Anleger nahmen nach dem Rekordhoch des Dax vom vergangenen Freitag verstärkt Gewinne mit. Der Grund ist eine mögliche Zinswende der US-Notenbank Fed.
Bulle und Bär vor der Deutschen Börse in Frankfurt: Der Dax gibt nach seinem Rekordlauf wieder deutlich nach

Bulle und Bär vor der Deutschen Börse in Frankfurt: Der Dax gibt nach seinem Rekordlauf wieder deutlich nach

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture-alliance/ dpa

Investoren haben Sorgen wegen einer womöglich noch in diesem Jahr anstehenden geldpolitischen Straffung durch die US-Notenbank Fed. Auch wächst die Verunsicherung angesichts der grassierenden Delta-Variante des Coronavirus, die fortgesetzte Lieferengpässe im weltweiten Handel zur Folge hat.

Der Dax  büßte 1,25 Prozent auf 15.765,81 Punkte ein. Er fiel vorübergehend auf das Niveau von Anfang August zurück - dem Zeitpunkt vor der Rally, die den Leitindex vergangenen Freitag erstmals über 16.000 Punkte getrieben hatte. Der MDax , der am Vortag noch auf ein Rekordhoch über 36.000 Punkte geklettert war, gab nun um 1,12 Prozent auf 35608,90 Zähler nach.

Wie aus dem am Mittwochabend veröffentlichten Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung hervorgeht, zeigten sich die Mitglieder der Notenbank zwar uneins mit Blick darauf, wann die konjunkturstützenden Anleihekäufe reduziert werden sollten. Mehrheitlich aber sei die Auffassung vertreten worden, noch 2021 zu beginnen. Börsianer befürchten, dass eine Reduzierung der Käufe die Aktienmärkte unter Druck setzen könnte, weil den Märkten damit Liquidität entzogen werde und zudem andere Anlageklassen wie etwa Anleihen an Attraktivität gewinnen.

Dax

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Toyota belastet Autowerte im Dax

Unter den Einzelwerten am deutschen Aktienmarkt verloren Infineon 1,4 Prozent, erholten sich aber von noch höheren Einbußen. Die Anteile litten wie die Papiere anderer Chiphersteller in Asien unter Aussagen zu Lieferengpässen angesichts der dortigen Ausbreitung der Delta-Variante.

Zudem zeigten sich die Aktien der Autohersteller und -zulieferer den nunmehr vierten Tag in Folge schwach. Wie die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei" berichtet, will Toyota  die Produktion im September verglichen mit den ursprünglichen Plänen deutlich zurückfahren. Auch hier wurden als Gründe die fortgesetzte Knappheit bei Halbleitern und die Delta-Variante genannt, die laut dem weltgrößten Autokonzern die Beschaffung von Autoteilen behindern. Die Aktien von BMW , Volkswagen  und Daimler  und Continental  verloren etwa zwei bis drei Prozent.

Thyssenkrupp rutscht merklich ab, Lanxess hält sich gut

Stahlunternehmen wie Salzgitter, Thyssenkrupp oder der Stahlhändler Klöckner & Co wurden von weiter fallenden Preisen für Eisenerz belastet. Ihre Papiere büßten zwischen 2,5 und 3,8 Prozent ein. Die chinesische Regierung hatte zuvor versichert, die Stahlproduktion verringern zu wollen.

Die Lanxess-Aktie hielt sich mit einem kaum veränderten Kurs recht gut. Sie profitierte davon, dass die US-Bank Goldman Sachs die Papiere von "Verkaufen" auf "Kaufen" hochgestuft hatte.

US-Börsen richtungslos

Die US-Aktienmärkte haben sich am Donnerstag im frühen Handel richtungslos gezeigt. Der Dow Jones Industrial notierte zuletzt 0,27 Prozent tiefer bei 34.867,35 Punkten. Der marktbreite S&P 500 stieg um 0,01 Prozent auf 4400,83 Zähler. Der technologielastige Nasdaq 100 gewann 0,29 Prozent auf 14.900,54 Punkte.

Nasdaq

Als Belastung nannten Börsianer die weiter steigenden Corona-Fallzahlen in den USA und Sorgen wegen einer möglichen geldpolitischen Straffung der US-Notenbank (Fed). Wie aus dem bereits am Mittwoch kurz vor Börsenschluss in den USA veröffentlichten Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung hervorgeht, zeigten sich die Mitglieder der Notenbank zwar uneins darüber, wann die konjunkturstützenden Anleihekäufe reduziert werden sollten. Mehrheitlich aber wurde die Auffassung vertreten, noch in diesem Jahr zu beginnen.

Cisco und Chiphersteller Nvidia legen wegen guter Zahlen zu

Unter den Einzelwerten in den USA legten die Titel von Cisco um 3,2 Prozent zu. Eine hohe Nachfrage nach Geräten für den Internet- und Datenverkehr hatte dem Netzwerkspezialisten im abgelaufenen Quartal deutliche Geschäftszuwächse beschert.

Eine hohe Nachfrage nach Gaming-Ausrüstung wie Grafikkarten und Technik für Rechenzentren verhalf dem Chipkonzern Nvidia zu einem überraschend starken zweiten Quartal. Die Aktien gewannen 2,3 Prozent.

Der Kaufhauskonzern Macy's überzeugte Anleger mit einem überraschend Nettoumsatzziel für das laufende Geschäftsjahr. Damit zogen die Anteilsscheine um fast 17 Prozent an.

Die Aktien von Alibaba weiteten ihre jüngsten Verluste aus und fielen um weitere 5,9 Prozent. Zuvor waren die in Hongkong gelisteten Papiere des Online-Händlers angesichts des anhaltenden Druck vonseiten der chinesischen Regulierungsbehörden auf ein Rekordtief gefallen.

Die Papiere von Doordash sackten um 4,7 Prozent ab. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider gemeldet, dass der Mischkonzern Softbank Doordash-Aktien im Volumen von rund 2,2 Milliarden US-Dollar verkaufen will.

Bitcoin steigt knapp über 45.000 Dollar

Die Kryptowährung Bitcoin gab zunächst deutlich nach. Am Abend notierte die älteste und bekannteste Digitalwährung der Welt auf der Handelsplattform Bitstamp  wieder über der Marke von 45.000 US-Dollar. Am vergangenen Samstag war der Bitcoin mit 48.190 Dollar auf den höchsten Stand seit Mitte Mai geklettert. Vor sechs Wochen hatte Bitcoin noch unter der Marke von 30.000 Dollar notiert und hat sich seitdem deutlich erholt.

Bitcoin

Ölpreise beschleunigen Talfahrt

Die Ölpreise haben ihre Talfahrt am Donnerstag beschleunigt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am späten Nachmittag 65,84 US-Dollar. Das waren 2,38 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 2,57 Dollar auf 62,92 Dollar.

Brent

Am Mittwoch hatte der Brentpreis noch zeitweise über 70 Dollar gelegen. Er fiel seitdem mehr als vier Dollar und erreichte den tiefsten Stand seit Mai. Ähnlich war die Entwicklung bei dem WTI-Preis.

Marktbeobachter verwiesen auf die Verschärfung der Corona-Krise in vielen Ländern. Die weltweite Ausbreitung der Delta-Variante des Virus beunruhigt die Märkte und belastet seit geraumer Zeit die Ölpreise. Am Mittwoch war zudem bekannt geworden, dass die Benzinreserven in den USA zuletzt überraschend gestiegen waren. Dies habe am Markt die Nachfragesorgen verstärkt, sagten Händler

Mit Nachrichtenagenturen
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