Börse US-Börsen helfen Dax auf die Sprünge

Nach dem gestrigen Feiertag in den USA greifen Anleger an der Wall Street wieder zu. Vor allem Auto- und Technologietitel sind gefragt. Dies stützt auch den Dax, der deutsche Leitindex dreht ins Plus.
Börsenparkett in Frankfurt: Airlines stehen auf der Verkaufsliste

Börsenparkett in Frankfurt: Airlines stehen auf der Verkaufsliste

Foto: DPA

New York / Frankfurt am Main - Europas Aktienanleger bleiben auf der Hut. Die Syrien-Krise, die Unsicherheit über die künftige US-Geldpolitik und die Bundestagswahl hielten die meisten Investoren von größeren Engagements ab, erklärten Händler. Bei geringen Umsätzen kamen die großen europäischen Indizes daher kaum vom Fleck, retteten sich im Schlussgeschäft dank der Wall Street aber leicht ins Plus.

Der Dax  schloss mit 8195 Zählern 0,2 Prozent höher, der EuroStoxx 50 (Kurswerte anzeigen) gewann ebenfalls 0,2 Prozent. Unter Druck blieb die Mailänder Börse, wo der Leitindex 1,4 Prozent einbüßte. Laut Medien droht Silvio Berlusconis Partei PDL mit der Auflösung der Koalition, sollte er im Oktober aus dem Senat ausgeschlossen werden.

Vor allem die Aussicht auf einen Militärschlag der USA gegen Syriens Regierung beunruhigt viele Anleger. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sei die Fed, die in der übernächsten Woche eine Drosselung der Geldflut beschließen könnte, sollte sich der US-Stellenmarkt stabilisieren. Auch die Bundestagswahl rücke mehr und mehr in den Vordergrund. "Zwar rechnet keiner mit einer Sensation, aber für Zurückhaltung sorgt das schon, wenn in der größten Euro-Volkswirtschaft gewählt wird", erklärte ein Händler.

ProSiebenSat1: Aktienplatzierung belastet den Kurs

Im Fokus vieler Anleger stand die Platzierung von rund 25 Millionen Aktien der Haupteigner von ProSiebenSat.1 (Kurswerte anzeigen) bei institutionellen Investoren. Wie Reuters von Insidern erfuhr, nahmen die Finanzinvestoren KKR und Permira je Aktie 30,67 Euro ein. Die Aktien waren im MDax (Kurswerte anzeigen) das Schlusslicht mit einem Abschlag von fünf Prozent auf 30,68 Euro.

Lufthansa und Tui erneut unter Druck

Im Dax waren erneut die Aktien der Lufthansa (Kurswerte anzeigen) mit einem Tagesverlust von 2,9 Prozent der größte Verlierer. Zum einen belastete die Sorge um eine Eskalation der Krise in Syrien, zum anderen verstimmte die erste Gewinnwarnung von Billigflieger Ryanair  seit 2009 die Anleger. In Dublin brachen die Ryanair-Aktien um elf Prozent auf 6,03 Euro ein.

Der Stoxx-Branchen-Index fiel um 1,6 Prozent, wozu auch die heftigen Kursverluste der Reisekonzerne Tui  und Thomas Cook beitrugen, die Reisen nach Ägypten wegen der dortigen Lage absagen mussten.

Die im MDax  notierenden Aktien von Tui verloren 1,3 Prozent, Thomas Cook büßten in London 4,8 Prozent ein.

ThyssenKrupp geben weiter nach

Auf Talfahrt waren im Dax die Aktien von ThyssenKrupp (Kurswerte anzeigen) , die 1,5 Prozent verloren. Die Verhandlungen über den Verkauf der verlustreichen Übersee-Werke gehen offenbar so schleppend voran, dass schon über einen Verkaufsverzicht nachgedacht wird, wie Insider Reuters erklären.

US-Absatzzahlen stützen Daimler und BMW

Auf der Dax-Gewinnerseite standen Daimler (Kurswerte anzeigen) mit einem Plus von einem Prozent ganz oben, was Händler auf die insgesamt guten Verkaufszahlen der Autoindustrie in den USA zurückführten. BMW (Kurswerte anzeigen) legten 0,5 Prozent zu.

K+S: Chance auf Klassenerhalt im Dax steigt

Dax-Spitzenreiter waren K+S, die 2,3 Prozent auf 19 Euro zulegten. Viele Anleger hofften laut Händlern auf ein Wiederaufleben des Kali-Preiskartells, was den für K+S wichtigen Kali-Preis stützen dürfte. Dies hatte schon zuletzt die K+S-Aktien angetrieben, so dass viele deren Verbleib im Dax für wahrscheinlich halten.

Praktiker wird zerschlagen: Aktie auf Rekordtief

Der Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse entscheidet am Abend über die Zusammensetzung von Dax & Co. Als sicher gilt, dass der Arbeitskreis Praktiker (Kurswerte anzeigen) aus dem Kleinwerte-Index SDax  kegelt. Für die insolvente Baumarkt-Kette gibt es laut Insolvenzverwalter nur Interesse für eine Übernahme der Tochter Max Bahr, die Konzernmutter will niemand haben. Die Aktien offenbar auch nicht: Sie stürzten um 44 Prozent auf ein Allzeittief von weniger als fünf Cent ab.

Nikkei knackt 14.000-Punkte-Marke

Die Börse in Tokio hat nach zwischenzeitlichen Verlusten weiter zugelegt. Der Nikkei-Index (Kurswerte anzeigen) für 225 führende Werte überwand erstmals seit einem Monat wieder die psychologisch wichtige Marke von 14.000 Punkten. Zum Handelsende notierte der Index ein Plus von 75,43 Punkten oder 0,54 Prozent beim Stand von 14 053,87 Punkten. Der breit gefasste Topix (Kurswerte anzeigen) verbesserte sich um 7,12 Punkte oder 0,62 Prozent auf 1156,30 Punkte.

Bundesanleihen mit Kursanstieg

Am Markt für deutsche Staatsanleihen sind die Kurse mit der Sorge vor einem US-Militärschlag gegen Syrien gestiegen. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future gewann 0,1 Prozent auf 139,76 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe hielt sich bei 1,93 Prozent.

Kaum Bewegung im Devisenhandel

Der Euro (Kurswerte anzeigen) hat sich nach starken Verlusten der vergangenen Handelstage kaum verändert gezeigt. Experten rechnen vor der Veröffentlichung wichtiger US-Konjunkturdaten Ende der Woche auch im weiteren Handelsverlauf eher mit wenig Kursbewegungen. Am Morgen stand der Euro bei 1,3166 Dollar . Am Vortag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3172 (Montag: 1,3207) Dollar festgesetzt.

Überraschend gute Konjunkturdaten aus den USA und die Sorge der Anleger vor einem US-Militärschlag gegen Syrien hatten den Euro am Vortag noch zeitweise auf 1,3144 Dollar gedrückt und damit auf den tiefsten Stand seit mehr als sieben Wochen. Zur Wochenmitte konnte sich der Kurs der Gemeinschaftswährung aber vorerst stabilisieren.

Ölpreise dämmen Verluste ein

Die Ölpreise haben sich nach starken Gewinnen vom Vortag wenig verändert gezeigt. Weiterhin sei die Sorge vor einem amerikanischen Militärschlag gegen Syrien das beherrschende Thema am Ölmarkt und die Anleger würden die politische Entwicklung in den USA genau verfolgen, sagten Händlern. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) zur Lieferung im Oktober kostete am Morgen 115,73 US-Dollar. Das waren fünf Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI fiel um 29 Cent auf 108,25 Dollar.

Am Dienstag waren die Ölpreise in der Spitze noch um jeweils etwa zwei Dollar gestiegen. In den USA wächst offenbar die Unterstützung für einen Militärschlag gegen das Regime in Syrien. Der außenpolitische Ausschuss des US-Senats will sich laut einem Bericht der "Washington Post" für eine begrenzte Militäroperation aussprechen. Die Mitglieder hätten sich nach einer Anhörung in Washington auf eine Resolution geeinigt, die einen Einsatz mit einer Dauer von bis zu 60 Tagen erlaube.

mahi/dpa/rtr
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