Börse Dax steigt kräftig - Chinas Notenbank beschwichtigt

Die Furcht vor einer Finanzkrise in China hat die Märkte weiter im Griff. Der Dax startet dennoch einen Erholungsversuch: Ein Sprecher der Bank of China hält die Liquiditätsrisiken für "kontrollierbar". Auch an der Wall Street legen die Indizes zu.
Erholung im Dax: Aussagen eines Sprechers der chinesischen Notenbank stützen die Kurse

Erholung im Dax: Aussagen eines Sprechers der chinesischen Notenbank stützen die Kurse

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Frankfurt am Main - Der Dax  hat sich am Dienstag von seinen jüngsten Rückschlägen etwas erholt. Nach vier Verlusttagen in Folge beendete der deutsche Leitindex den Handel 1,5 Prozent höher bei 7811 Punkten. Für den MDax  ging es um 1,7 Prozent auf 13.488 Punkte nach oben und der TecDax  gewann 1,3 Prozent auf 909 Punkte.

Auch an der Wall Street legten die Kurse nach der jüngsten Verkaufswelle wieder zu. Der US-Leitindex Dow Jones (Kurswerte anzeigen) kletterte am Dienstag im frühen Handel um 0,6 Prozent auf 14.730 Zähler.

Auch positive Konjunkturdaten verliehen den Kursen Auftrieb. Der Auftragseingang für langlebige Güter wuchs im Mai in den USA überraschend kräftig um 3,6 Prozent.

Chinas Zentralbank sichert "vernünftiges Zinsniveau" zu

Grund für die leichte Erholung: Die chinesische Zentralbank hat am Dienstag auf einer Pressekonferenz zugesichert, die Marktzinsen wieder auf ein "vernünftiges Niveau" zu bringen. Durch ein angemessenes Liquiditätsmanagement solle ein angemessenes Kreditwachstum sichergestellt werden, sagte Ling Tao, Vize-Chef der Zentralbankfiliale in Shanghai am Dienstag.

Die aktuellen Liquiditätsrisiken seien "kontrollierbar", versicherte Ling Tao. Der jüngste Anstieg der Geldmarktsätze sei nur vorübergehend. Saisonale Faktoren, die sich auf die Geldmarktsätze auswirken, würden nachlassen.

Hintergrund: Weil sich die chinesischen Währungshüter weigern, den Markt weiterhin mit Geld zu fluten, versuchten sich die Banken bei anderen Geldhäusern einzudecken und trieben dadurch die Zinsen für kurzfristige Darlehen kräftig in die Höhe. Investoren fürchten, dass die Spannungen im chinesischen Bankensystemdas Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft bremsen und zu einer Finanzkrise führen könnten.

Indizes in Asien reduzieren Verluste

An Asiens Börsen bleibt die Nervosität unterdessen hoch: Die Sorgen vor einer Finanzkrise in China drückten den Shanghai-Composite am Dienstag zeitweise um weitere 5 Prozent ins Minus. Der Index fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit 4 Jahren. Im späten Handel griffen Anleger jedoch mit Blick auf die Aussagen der chinesischen Notenbank wieder zu, die Börse in Shanghai schloss mit einem Minus von nur noch 0,2 Prozent.

In Tokio schloss der Nikkei (Kurswerte anzeigen)0,7 Prozent im Minus mit 12.969 Punkten. Der breiter gefasste Topix verlor 1,01 Prozent auf 1078 Punkte.

Erholung im Dax auf breiter Front - Chemie- und Autotitel gefragt

Die Erholung im Dax ging quer durch alle Branchen. An der Dax-Spitze standen die Aktien von Lanxess (Kurswerte anzeigen), die sich um 3,2 Prozent verteuerten. Auch der Chemiekonzern BASF (Kurswerte anzeigen) verbuchte Gewinne von rund 2 Prozent.

Auch die konjunktursensiblen Autotitel gingen auf Erholungskurs. Ein Analystenkommentar stützte zudem die Erholung. BMW (Kurswerte anzeigen) wolle wegen der guten Nachfrage im Sommer keinen generellen Produktionsstopp einlegen, sagte Analyst Michael Raab von KeplerCheuvreux. Auch der Stuttgarter Konkurrent Daimler (Kurswerte anzeigen) plane, die Bänder bei seinen Fabriken mit einer Ausnahme durchlaufen zu lassen, während Volkswagen  über eine Verkürzung der Sommerpause in Wolfsburg nachdenke. Dies spreche für einen anhaltend starken Auftragseingang bei den deutschen Autobauern.

Auch europaweit hatte die Autobranche die Nase vorn: Der Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts gewann gut drei Prozent.

Adidas profitiert von Empfehlung

Die Aktien von Adidas (Kurswerte anzeigen) legten um 2,35 Prozent zu. Börsianer nannten eine positive Studie der Credit Suisse als Kurstreiber. Die Schweizer Bank sieht den deutschen Sportartikelhersteller dank seiner Innovationsstärke neben US-Konkurrent Nike (Kurswerte anzeigen) gut aufgestellt, um im attraktiven US-Schuhgeschäft Marktanteile zu gewinnen.

SAP-Aktien schwächer als der Dax

Die Aktien von SAP (Kurswerte anzeigen) blieben mit plus 0,70 Prozent deutlich hinter dem Dax zurück. Händler verwiesen auf den Pakt der US-Softwarekonkurrenten Microsoft und Oracle für Cloud-Angebote. Oracle sei in diesem Bereich hinter SAP zurückgefallen und könnte nun aufholen, sagte ein Börsianer. Zudem dürften immer wieder aufkommende Gerüchte über ein Kaufinteresse von Microsoft an SAP einen weiteren Dämpfer erhalten. Bereits am Montag hatte die "Financial Times" berichtet, dass Oracle Partner für den Cloud-Bereich sucht.

Die Kurse deutscher Staatsanleihen sind am Dienstag fester in den Handel gegangen. Der für den deutschen Anleihemarkt richtungweisende Euro-Bund-Future stieg um 0,2 Prozent auf 140,65 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 1,8 Prozent.

Euro und Öl leichter

Der Kurs des Euro  ist am Dienstag im frühen Handel leicht gefallen. Nach der Kurserholung am Montagabend hat sich der Euro am Morgen aber über der Marke von 1,31 Dollar gehalten. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde zuletzt mit 1,3113 Dollar gehandelt. Ein Dollar  war 0,7626 Euro wert. Im frühen Handel hatte der Euro noch 1,3136 Euro gekostet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,3086 (Freitag: 1,3180) Dollar festgesetzt.

Händler erwarten eine Stabilisierung des Euro, da die Talfahrt an den Aktienmärkte sich zunächst nicht fortsetzen sollte. Zudem haben Vertreter der US-Notenbank am Montagabend betont, dass eine Rückführung der Anleihekäufe noch nicht das Ende der expansiven Politik wäre.

Die in den USA am Nachmittag anstehenden Konjunkturdaten könnten den Markt bewegen. Die Aufmerksamkeit richtet sich vor allem auf die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter. Zudem werden auch noch Zahlen zum Verbrauchervertrauen (Conference Board) und dem Häusermarkt veröffentlicht.

Die Ölpreise sind am Dienstag gefallen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Auslieferung im August fiel im asiatischen Handel auf 100,78 Dollar. Das waren 38 Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI zur August-Lieferung sank um 48 Cent auf 94,70 Dollar. Es wird befürchtet, dass die Probleme am Geldmarkt in China die Konjunktur belasten könnten, sagten Händler.

ts/dpa-afx/rtr

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