Börsenschluss US-Haushaltsstreit belastet Dax erneut

Der ungelöste Haushaltsstreit in den USA hat den Dax am Donnerstag in die Tiefe gezogen. Auch wenn die Investoren an eine drohende Zahlungsunfähigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft nicht wirklich glauben, sie gehen erst einmal auf Nummer sicher.
Verluste am Feiertag: Händler in Frankfurt nahmen am Donnerstag mit Skepsis den sich fortsetzenden Haushaltsstreit in den USA zur Kenntnis

Verluste am Feiertag: Händler in Frankfurt nahmen am Donnerstag mit Skepsis den sich fortsetzenden Haushaltsstreit in den USA zur Kenntnis

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Der Dax  fiel am Donnerstag nach zuvor geringen Schwankungen mit der schwachen Eröffnung an den US-Märkten ins Minus und schloss 0,37 Prozent niedriger bei 8597 Punkten. Der MDax  mittelgroßer Werte verlor 0,09 Prozent auf 15.112 Punkte. Der TecDax sank um 0,14 Prozent auf 1093 Punkte.

Das Hauptthema am Markt blieb der Etatstreit in den USA, nachdem ein Spitzengespräch zwischen US-Präsident Barack Obama und Vertretern des Kongresses ergebnislos blieb. Obama hatte zudem gewarnt, dieser Streit sei nicht das übliche politische Haushaltsgerangel.

Das habe an den Märkten die Befürchtung genährt, bei den heraufziehenden Verhandlungen um die Schuldenobergrenze könne es tatsächlich zu einem teilweisen Zahlungsausfall kommen, kommentierte Marktstratege Ishaq Siddiqi vom Broker ETX Capital.

Die US-Parlamentarier haben noch bis Mitte Oktober Zeit, eine Anhebung der Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar beschließen, sonst droht der weltgrößten Volkswirtschaft die Zahlungsunfähigkeit. Volkswirte warnen inzwischen vor spürbaren Rückschlägen für die Weltwirtschaft, für die US-Notenbank dürfte zudem die Gestaltung der Geldpolitik noch schwieriger werden.

Dow zum Handelsschluss in Europa im Minus, Dollar in der Defensive

An der Wall Street lag der Dow Jones  zum Handelsschluss in Europa 0,8 Prozent niedriger, die Technologiebörse Nasdaq büßte ebenfalls 0,8 Prozent ein. Zwar hofften die meisten Börsianer wie bei den vorangegangenen Diskussionen um die Anhebung der Schuldengrenze auf einen Kompromiss in letzter Minute, einige Händler begannen jedoch daran zu zweifeln. Als Grund nannten sie pessimistische Aussagen des US-Präsidenten Barack Obama. Dieser hat am Nachmittag die Republikaner angegriffen und ihnen vorgeworfen, wegen ihrer Ablehnung der Gesundheitsreform eine Einigung zu verhindern.

Bei den wie erwartet ausgefallenen US-Zahlen zu den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe regten sich die deutschen Indizes kaum - dafür aber nach den ISM-Einkaufsmanagerdaten aus dem Dienstleistungssektor der größten Volkswirtschaft der Welt. Sie waren überraschend deutlich gefallen, was Händlern zufolge auf die Stimmung drückte.

Die US-Währung stand erneut unter Verkaufsdruck. Der Dollar-Index fiel zu einem Korb aus sechs Währungen um bis zu 0,25 Prozent auf den tiefsten Stand seit Februar. Ein unerwartet schwach ausgefallener ISM-Index für den Dienstleistungssektor setzte dem Greenback zusätzlich zu. Der Euro markierte dagegen bei 1,3632 Dollar ein Acht-Monats-Hoch.

Hoffnung auf steigenden Kalipreis treibt K+S-Aktien

Aktien des Düngemittelheresteller K+S (Kurswerte anzeigen) stiegen um 2,9 Prozent. Anleger hofften auf eine Neuauflage des russisch-weißrussischen Kali-Konsortiums und auf steigende Preise für den Düngemittel-Rohstoff, sagten Börsianer. Die Papiere reagierten damit positiv auf einen Medienbericht, wonach ein großes Aktienpaket des russischen Kali-Weltmarktführers Uralkali an heimische Käufer gehen soll. Kreisen zufolge will der Kreml auch das Preiskartell mit dem weißrussischen Staatskonzern Belaruskali wiederbeleben. Der Ausstieg von Uralkali hatte Ende Juli wegen des drohenden Preiskriegs für massive Verwerfungen am Kalimarkt gesorgt.

Schlusslicht im hiesigen Leitindex waren die Aktien der Commerzbank (Kurswerte anzeigen) mit einem Minus von zwei Prozent.

Der Börsengang von Bastei Lübbe stieß in den Handelsräumen unterdessen auf geringes Interesse. Der Verleger schaffte einen Emissionserlös von 30 Millionen Euro und damit nur gut die Hälfte der angepeilten Summe. Die Titel gingen zu 7,42 Euro und damit mit einem Abschlag von 4,9 Prozent zum ersten Kurs aus dem Handel.

Titel von Hochtief (Kurswerte anzeigen) erholten sich um rund 3 Prozent. Sie waren am Vortag wegen australischer Medienberichte zu mutmaßlicher Korruption bei der Tochter Leighton schwer in Mitleidenschaft geraten und hatten knapp acht Prozent verloren.

Im MDax (Kurswerte anzeigen) gaben die Aktien der RTL  Group 0,60 Prozent ab. Großaktionär Bertelsmann hat seinen Bestand an RTL-Aktien um zwei Millionen Anteilscheine verringert, und fand dabei ohne den üblichen Platzierungsrabatt neue Käufer. Nach dem Verkauf hält Bertelsmann mit 75,1 Prozent immer noch eine satte Mehrheit an der Fernsehgruppe.

Wegen des bundesweiten Feiertags wurde die Umlaufrendite börsennotierter Wertpapiere von der Bundesbank am Donnerstag nicht berechnet. Der Bund-Future mit Laufzeit Dezember verlor 0,06 Prozent auf 140,06 Punkte. Der Euro erreichte am Morgen ein Achtmonatshoch und hielt sich über der Marke von 1,35 Dollar. Zuletzt wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,3603 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,3515 (Dienstag: 1,3554) Dollar festgesetzt.

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rei/dpa

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