Börsenprofi Robert Halver erklärt Warum US-Aktien jetzt der wahre sichere Hafen sind

Von Robert Halver

"Trump Jump" bei US-Aktien von Dauer?

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Robert Halver

Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarkt-analyse der Baader Bank AG und bekannt durch regelmäßige Medienauftritte und als Kolumnist. Mit Wertpapieranalyse beschäftigt er sich seit über 20 Jahren.

Wahlaussagen entsprechen selten der Realpolitik. Ihr Versprechen, die US-Wirtschaft mit umfangreichen Infrastrukturinvestitionen, Standortverbesserungen wie Deregulierungen im Energie- und Finanzsektor und massiven Steuersenkungen insbesondere für Firmen auf strikten Wachstumskurs zu bringen, wird die neue Trump-Administration aber sehr ernst nehmen.

Tatsächlich sind Steuern in einer globalen Welt ein bedeutendes Investitionskriterium. Fundamentale Argumente für eine nachhaltig stabile Aktienentwicklung in Amerika sind durchaus gegeben. Dieses Bild wird auch nicht durch eine zu erwartende massive Staatsneuverschuldung in Höhe von ca. fünf Billionen US-Dollar bis zum Ende der Amtsperiode 2021 getrübt. Denn um deren reibungslose Finanzierung zu ermöglichen, wird die US-Notenbank, die Konjunktur- gegenüber Stabilitätspolitik gerne Priorität einräumt, einen wirklich restriktiven geldpolitischen Kurs nicht betreiben. Zudem gelten US-Aktien im Vergleich zu einem politisch angeschlagenen Europa - Brexit, Bankenkrise, Nationalwahlen - als sicherer Hafen.

Deutsche Aktien - Potenzial für Small- und Mid-Caps

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Entscheidend für deutsche Aktien wird es zukünftig sein, inwiefern sie von den US-Wachstumsphantasien profitieren können. Trumps Rückzug vom Transpazifischen Handelsabkommen TPP signalisiert bereits eine zukünftig insgesamt striktere Handelspolitik. Die EU wird man auffordern, über höhere Neuverschuldung und griechische Schuldenschnitte mehr für die globale Konjunkturstimulierung zu tun.

Bei zu erwartendem "Entgegenkommen" lassen sich protektionistische amerikanische Maßnahmen vermeiden. Für konjunktursensible deutsche Aktien spricht grundsätzlich, dass ein sich reindustrialisierendes Amerika an deutschem Industrie-Know-how nicht vorbeikommt. Das kommt insbesondere mittelständischen Werten zugute, die mit ihren Qualitätsprodukten und Patenten Weltmarktführer auch in Nischenmärkten sind. Vor diesem Hintergrund dürfte die seit Juli 2016 zu beobachtende, relative Schwäche von Titeln des MDax  und SDax  zum Dax  dauerhaft auslaufen und ihre vorherige langjährige Outperformance wieder einsetzen.

Zinsen und Euro-Kurs - kein großes Auseinanderdriften zu erwarten

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Erwartungen einer von der US-Wachstumsoffensive ausgehenden sogenannten "Trumpflation" schüren Ängste vor einer restriktiven US-Notenbank, die über höhere Leitzinsen und Anleiherenditen zu einer Aufwertung des US-Dollar führt. Diese Dollar-Befestigung bremste nicht nur die US-Wirtschaft exportseitig, sondern könnte auch zu einer Kapitalflucht aus den für die Weltkonjunktur bedeutenden Schwellenländern führen bzw. ihren Zinsdienst der zu großen Teilen in US-Dollar denominierten Verschuldung erschweren.

Selbst bei steigenden Inflationserwartungen ist daher nicht von einer konsequent restriktiven Zinspolitik der Fed und steigenden Anleiherenditen auszugehen. Da gleichzeitig die Rendite-Tiefs in der Eurozone trotz anhaltender Liquiditätsoffensive der EZB durchschritten sind, ist mit einer lang anhaltenden Ausweitung der Renditedifferenz - als wesentliches Argument für Wechselkursbewegungen - zugunsten der USA nicht zu rechnen. Der Euro-USD-Wechselkurs dürfte sich im Jahresverlauf 2017 um 1,04 einpendeln.

Staatsanleihen - der Anleihe-Crash dürfte kaum folgen

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Aufgehellte US-Konjunkturperspektiven mit weltwirtschaftlichen Nachahmeffekten sowie die damit verbundene Gefahr steigender Inflationserwartungen in Amerika und der Eurozone sind gemäß geldpolitischem Lehrbuch hinreichende Bedingungen für Zinserhöhungen und verringerte Anleiheaufkäufe. Ansätze einer Renditewende nach oben bei US-Staatsanleihen und wegen ihrer globalen Leitfunktion auch in Deutschland sind bereits erkennbar.

Und spricht eine seit 1981, also mittlerweile seit 35 Jahren andauernde Anleihehausse nicht ohnehin für eine nachhaltige Trendumkehr?

In diesem Fall sähen sich große Kapitalsammelbecken mehr und mehr veranlasst, zur Performance-Sicherung ihre gewaltigen Anleihebestände vorbeugend zu veräußern, was Renditeerhöhungen beschleunigen und im Extremfall zum Platzen der weltgrößten Anlageblase im Zinsvermögen mit allen real- und finanzwirtschaftlichen Kollateralschäden führen könnte. Die internationale Geldpolitik ist sich dieses Damoklesschwerts durchaus bewusst. Diesen Super-Gau werden sie zu verhindern wissen.

Rohstoffe - US-Infrastrukturpläne stützen Preise

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Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich die wichtigsten Ölförderländer auf ihrem Treffen am 30. November 2017 auf nennenswerte Produktionseinschränkungen einigen können. Sollte die neue US-Führung jedoch das Handelsembargo gegen den Iran wiederbeleben, fände dessen Rückkehr an den Ölmarkt sein Ende. Die Opec-Staaten müssten dann ihre hohen preisdrückenden Förderquoten zur Verdrängung des teurer produzierenden Irans nicht aufrechterhalten.

Ein insofern steigender Ölpreis ließe auch US-Fracking-Unternehmen leichter ihre Gewinnschwelle erreichen. Dabei kommt ihnen auch die von Trump geplante Aufhebung von Umweltrestriktionen zugute. Doch genau damit verhindert diese alternative Ölfördermethode überdeutliche Preisverteuerungen bei Öl.

Immerhin unterstützt die geplante US-Infrastrukturoffensive mit möglichen Ausstrahlungen weltweit die Industriemetallpreise. Mit einer zumindest stabilisierten Kaufkraft der Rohstoffländer ist auch eine weltkonjunkturelle Festigung verbunden. Gold leidet zwar unter Zinserhöhungsängsten und geldpolitischen Drückungsaktionen. Als Sicherheitsanlage bleibt Gold  aber ein Evergreen.