Montag, 21. Oktober 2019

Goldman Sachs und Morgan Stanley sollen Börsengang begleiten Airbnb strebt Direct Listing an

Aibnb will Mitte kommenden Jahres an die Börse.

Der Zimmer- und Appartement-Vermittler Airbnb ist den Großen der Hotelbranche schon lange ein Dorn im Auge. Vor elf Jahren als kleine Schlafplatzbörse gestartet, strebt der Konzern nun Mitte 2020 selbst an die Börse. Bei seiner letzten Finanzierungsrunde wurde das jetzige Tourismus-Schwergewicht mit rund 31 Milliarden Dollar bewertet. Neuere Anteilskäufe sollen den Wert der Vermittlungsplattform gar auf 46 Milliarden Dollar hochgeschraubt haben.

Ob Investoren diese Bewertung bei dem im kommenden Jahr geplanten Börsengang tatsächlich mitgehen, bleibt abzuwarten. Zum Vergleich: Etablierte Wettbewerber wie die Hotelketten Hilton und Marriott bringen aktuell auf rund 26 und 40 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung.

Die besorgniserregende Entwicklung des Büroraum-Vermittlers WeWork, der seinen Börsengang absagen musste und nun ganz offensichtlich um Geld ringt, gibt ein gutes Beispiel dafür, dass Anleger den auch von Banken hochgejazzten Erwartungen nicht mehr blindlings folgen - die Rechnung von JP Morgan und Goldman Sachs, die das Start-up schon Jahre zuvor mit Geld und Dienstleistungen aufpumpten, und die Emission begleiten sollten, ging nicht auf.

Gut möglich also, das Morgan Stanley und Goldman Sachs, die laut Reuters Airbnb an die Börse führen sollen, etwas verhaltener zu Werke gehen werden. Ohnehin könnte für sie das Geschäft weniger lukrativ ausfallen: Denn Airbnb neigt wohl dazu, statt durch ein reguläres Initial Public Offering (IPO) lieber über eine direkte Notierung an die Börse zu gehen.

Bei diesem "Direct Listing", für das sich zuvor auch der Musik-Streamingdienst Spotify und der Bürokommunikationsdienstleister Slack entschieden hatten, können Altaktionäre ihre Papiere über die Börse verkaufen, wo sich der Preis aus Angebot und Nachfrage bildet. Eine Platzierung von neuen Aktien findet nicht statt, die Rolle der Investmentbanken beschränkt sich eher auf ein beratendes Mandat, ihre Erlöse sind deutlich geringer als bei einem klassischen Börsengang.

Hohe Umsätze sind keine Garantie für Erfolg

Eine Garantie für eine bessere Kursentwicklung ist das aber keineswegs: Die Papiere von Spotify und Slack sind seit ihrem Börsengang um rund 20 beziehungsweise rund 40 Prozent gefallen. Doch auch Uber und Lyft, die den herkömmlichen Weg wählten, haben die Anleger bis dato enttäuscht.

Einen klaren Königsweg, die erfolgreichsten der an die Börse strebenden Unternehmen im Vorhinein zu erkennen, gibt es offensichtlich nicht. Das verdeutlichte zuletzt eine groß angelegte Studie von Goldman Sachs, die die Entwicklung von 4500 Börsenneulingen seit 1995 analysierte. Das Fazit ist ernüchternd: Die Performance der weitaus meisten Börsenneulinge blieb gegenüber dem Gesamtmarkt zurück - trotz zumeist enormen Umsatzwachstums, das durchaus als wichtige Determinante einer Outperformance gilt.

Auch Airbnb erwirtschaftet hohe Umsätze: Der Marktplatz erlöste im abgelaufenen zweiten Quartal mehr als Milliarde Dollar, und das bereits zum zweiten Mal in seiner elfjährigen Firmengeschichte. Zu möglichen Gewinnen äußerte sich das Unternehmen nicht. Laut eigenen Aussagen habe Airbnb aber sowohl 2018 als auch ein Jahr zuvor operativ schwarze Zahlen geschrieben. Trifft dies zu, hätte Airbnb als Börsenkandidat WeWork, Uber, Lyft und anderen einiges voraus.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung