Montag, 1. Juni 2020

Deutsche Bank und Commerzbank auf Talfahrt, aber ... Diese Finanzaktien laufen in der Krise gut

Bargeldlos ist Trumpf: Die Aktien von Unternehmen, die bei der elektronischen Zahlungsabwicklung mitmischen, laufen an der Börse auch in der Krise gut - anders als viele Banktitel.

Banken leiden stark unter der Corona-Krise - und mit ihnen ihre Aktionäre. Grund: Die Institute haben ein wichtiges Geschäftsfeld anderen überlassen.

Der europäische Bankenindex auf Rekordtief - das war eine der Börsennachrichten dieser Woche. Am Donnerstag sackte der Index, der die Aktienkurse der wichtigen Geldhäuser Europas abbildet, um 4 Prozent ab, auf einen so niedrigen Stand, wie er ihn zuvor noch nicht erreicht hatte.

Es liegt auf der Hand, dass Banken zu den Hauptleidtragenden in der aktuellen Corona-Krise gehören: Sie sind direkt betroffen, weil auch sie Filialen schließen und auf Geschäfte verzichten mussten. Hinzu kommt das wegbrechende Firmengeschäft: Das Geldgewerbe bildet den Blutkreislauf, der die Wirtschaft am Leben hält - eine zentrale Funktion, die in Krisen fatale Folgen haben kann. Quer durch die Wirtschaft bringt der Lockdown Unternehmen und ganze Branchen in Not. Umsätze brechen ein, Kredite können nicht mehr bedient werden - und immer steht am Ende der Kette eine Bank, die eine Forderung ausbuchen muss. Hinzu kommt noch, dass angesichts anhaltend niedriger Zinsen auch auf der Einnahmenseite nicht viel zu holen ist.

Für die großen deutschen Institute kommen eigene Probleme hinzu, mit denen die Häuser seit Langem zu kämpfen haben: Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen und Commerzbank Börsen-Chart zeigen befinden sich mitten in großen Umstrukturierungen und sind daher zusätzlich anfällig für externe Schocks. Kein Wunder also, dass ihre Aktien in den vergangenen Monaten besonders schlecht abgeschnitten haben. Mit minus 40 Prozent seit Beginn der Corona-Turbulenzen Mitte Februar (Deutsche Bank) und sogar minus 60 Prozent (Commerzbank) hinken sie deutlich hinter dem Marktschnitt gemessen etwa am Dax Börsen-Chart zeigen (bis heute etwa minus 25 Prozent) hinterher. Das Papier der Commerzbank stürzte am Donnerstag bei deutlich weniger als drei Euro sogar auf den tiefsten Stand seit der Börsennotierung.

Der Verlauf des europäischen Bankenindex zeigt allerdings, dass Investoren darüber hinaus dem gesamten Bankensektor auf dem Kontinent misstrauen. Selbst die großen, erfolgsverwöhnten US-Banken wie JP Morgan Börsen-Chart zeigen oder Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen stehen am Aktienmarkt in der Corona-Krise nicht besser da. Gleiches gilt übrigens für andere Finanzwerte der "Old Economy" wie Versicherer (Allianz Börsen-Chart zeigen, Münchener Rück Börsen-Chart zeigen) oder Kreditkartenkonzerne (Visa Börsen-Chart zeigen, Mastercard Börsen-Chart zeigen).

Banken haben Digitalisierung weitgehend verschlafen

Wer allerdings denkt, Finanzaktien seien damit durchweg abgemeldet im Corona-Debakel, der irrt. Es gibt auch Gewinner - und dafür gibt es sehr konkrete Gründe.

Ein genauer Blick zeigt schließlich: Eine Ursache für das schlechte Abschneiden herkömmlicher Finanzinstitute in den vergangenen Wochen und Monaten ist auch deren Rückstand beim Thema Digitalisierung und moderner Zahlungsverkehr. Dieses Feld haben Deutsche Bank, Commerzbank und Co in der Vergangenheit zu sehr einer Vielzahl an Fintech-Start-ups überlassen, von denen einige inzwischen zu ernsthaften Playern am Finanzmarkt geworden sind.

Gerade in der Corona-Krise sind diese Fintechs nun im Vorteil: Der Shutdown zwingt viele Millionen Menschen weltweit in die heimische Teilisolation. Das Online-Shopping boomt, und auch im allmählich wieder öffnenden Einzelhandel ist das bargeldlose Zahlen mehr und mehr Trumpf.

Ein Unternehmen, das davon besonders profitiert, ist beispielsweise der schwedische Zahlungsabwickler Klarna. Das Unternehmen, das bei einer Finanzierung im vergangenen Jahr mit 5,5 Milliarden Dollar bewertet wurde und damit zu den wertvollsten jungen Tech-Unternehmen in Europa zählt, bekommt durch die Corona-Krise noch einmal einen zusätzlichen Schub, wie Gründer und CEO Sebastian Siemiatkowski in diesen Tagen in einem Interview sagte. Klarna wachse angesichts des weltweiten Ausnahmezustands schneller, als es sonst gewachsen wäre, so Siemiatkowski.

"Wir sehen einen massiven Wechsel von Leuten aus dem lokalen Einzelhandel in den Online-Bereich", so der Klarna-Chef. In Großbritannien etwa sei die Zahl der mit Klarna kooperierenden Händler innerhalb von zwei Monaten um 20 Prozent gestiegen.

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