Kaufoption gesichert Vonovia prüft Einstieg bei Adler Group

Der Immobilienriese Vonovia prüft einen Einstieg bei der schwer angeschlagenen Adler Group. Damit bahnt sich ein Duell mit dem Leerverkäufer Fraser Perring an.
Projekt Wasserstadt in Berlin: Die Adler Group betreibt verschiedene Bauprojekte - und ist ins Visier eines Leerverkäufers geraten

Projekt Wasserstadt in Berlin: Die Adler Group betreibt verschiedene Bauprojekte - und ist ins Visier eines Leerverkäufers geraten

Foto: Stefan Boness / IPON / imago images

Der Immobilienriese Vonovia prüft nach der erfolgreichen Übernahme von Deutsche Wohnen nun einen Einstieg bei dem in Turbulenzen geratenen Branchenrivalen Adler Real Estate Group. Vonovia hat sich in einer Vereinbarung mit dem Adler-Großaktionär Aggregate Holdings das Recht gesichert, einen Anteil von 13,3 Prozent an Adler zu erwerben, wie es vom Luxemburger Immobilieninvestor am späten Donnerstagabend hieß. Zieht Vonovia die Kaufoption, würde sich der Anteil von Aggregate an Adler halbieren.

Mit einem Einstieg bei Adler würde Vonovia die Pläne des Leerverkäufers Fraser Perring durchkreuzen, der der Adler Group Täuschung vorwirft und für einen Kurssturz der Aktie gesorgt hatte. Die Aktie der Adler Group  legte nach ihrem Absturz vom Mittwoch wieder zu und notierte am Freitagmittag mit einem Plus von 8 Prozent wieder bei rund 12 Euro, nachdem sie am Vortag zeitweise deutlich unter der Marke von 10 Euro notiert hatte.

Vonovia sichert sich Kaufoption - und will nun in Ruhe prüfen

Vonovia teilte am Freitagmorgen mit, die Kaufoption zu 14 Euro je Aktie über die nächsten 18 Monate ausüben zu können. Ohne Zeitdruck könne man nun den Immobilienbestand der Adler Group prüfen und entscheiden, ob ein Einstieg bei Adler Sinn mache oder nicht.

Leerverkäufer und Börsenspekulant Fraser Perring mit seiner Investmentfirma Viceroy hatte schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen erhoben, etwa der Täuschung und finanziellen Falschdarstellung. Der Aktienkurs war daraufhin um ein Viertel abgestürzt. Adler wies die Beschuldigungen von Viceroy zurück.

Aber auch zuvor war die Woche für die Adler-Anleger bereits ereignisreich. Das Unternehmen hatte am Montag eine mögliche Neuausrichtung bekannt gegeben. Mehrere Interessenten hätten Angebote für Teile des Mietportfolios des Immobilienkonzerns abgegeben, hieß es. Zuvor war der Aktienkurs im September in die Tiefe gestürzt und hatte in dem einen Monat fast 35 Prozent verloren, obwohl das Management Ende August die Gewinnziele hochgeschraubt hatte. Zu Beginn dieses Jahres war die Aktie noch fast 30 Euro wert.

Die Adler Group ist aus einem Zusammenschluss von Ado Properties, Adler Real Estate und des Berliner Projektentwicklers Consus Real Estate entstanden. Das kombinierte Unternehmen wurde dann in Adler Group umbenannt und hat den operativen Hauptsitz in Berlin.

Leerverkäufer Viceroy wirft Adler unter anderem vor , die Bilanz künstlich aufgeblasen zu haben. Außerdem ziehe das Management Geld aus übernommenen Firmen ab. Die Bafin nehme den Bericht des Leerverkäufers ernst und prüfe die Vorwürfe, sagte eine Sprecherin der deutschen Finanzaufsicht. "Wenn sich daraus Verdachtsmomente für Straftaten ergeben, zeigen wir diese bei der zuständigen Staatsanwaltschaft an."

Die Aktie war zuvor bereits in Turbulenzen. Anfang der Woche reagierte der Vorstand auf Kritik der Investoren am hohen Verschuldungsgrad des Immobilienkonzerns. Die im SDax notierte Gesellschaft teilte mit, "eine grundlegende Überprüfung ihrer strategischen Handlungsmöglichkeiten" einzuleiten. Dies könne auch einen Verkauf eines Großteils der rund 70.000 Wohnungen in Deutschland bedeuten.

la/dpa
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