Einigung mit Gläubigern Adler-Aktie springt um 60 Prozent in die Höhe

Kurssprung beim stark angeschlagenen Immobilienkonzern Adler – allerdings auf nach wie vor extrem niedrigem Niveau. Grund ist eine Einigung mit den Gläubigern, die dem Unternehmen mehr Zeit und Geld verschafft.
"Ein Befreiuungsschlag": Laut Stefan Kirsten, Verwaltungsratschef der Adler Group, wäre eine Insolvenz noch deutlich teurer gewesen

"Ein Befreiuungsschlag": Laut Stefan Kirsten, Verwaltungsratschef der Adler Group, wäre eine Insolvenz noch deutlich teurer gewesen

Foto: Rainer Unkel / imago images

Die Aktie  des krisengeschüttelten Immobilienkonzerns Adler Group ist am Montag um rund 60 Prozent in die Höhe gesprungen. Erstmals seit Ende August näherte sich der Kurs mit 2,92 Euro wieder der 3-Euro-Marke. Mitte Oktober war das Papier angesichts der finanziellen Probleme des Unternehmens noch auf ein Rekordtief von 1,25 Euro gefallen. Seit dem Rekordhoch von fast 49 Euro im Sommer 2018 beläuft sich der Verlust auf mehr als 95 Prozent.

Ursache für den kräftigen Kurssprung ist eine Mitteilung vom späten Freitagabend, laut der sich das Unternehmen mit einer Kerngruppe von Gläubigern über eine Anpassung der Bedingungen der von Adler ausgegeben Anleihen geeinigt hat. Die Gläubiger, darunter Investoren wie Blackrock und Pimco, sind demnach bereit, die 2024 fälligen Anleihen – gegen eine Erhöhung des Zinssatzes – um ein Jahr zu verlängern und die Zinsen bis zum Ende der Laufzeit aufzuschieben. Zudem stellen sie frisches, aber hochverzinstes Fremdkapital über 937,5 Millionen Euro zur Verfügung, mit dem die Adler Group unter anderem Kredite der deutschen Tochter Adler Real Estate ablösen kann.

Die Einigung mit den Gläubigern ist allerdings teuer: Für die neue, bis Mitte 2025 laufende Fremdfinanzierung muss die Adler Group 12,5 Prozent Zinsen zahlen, die Verzinsung für die laufenden Anleihen wird um 2,75 Prozentpunkte erhöht. Zudem erhalten die Gläubiger bis zu 25 Prozent der Aktien der Adler Group und in Abstimmung mit den Gläubigern soll ein Chefsanierer (CRO) in die Führungsetage des Unternehmens einziehen.

"Insolvenz wäre deutlich teurer"

Verwaltungsratschef Stefan Kirsten (61) sprach am Wochenende dennoch von einem "Befreiungsschlag". "Ein Insolvenzverfahren wäre deutlich teurer gewesen", so Kirsten in einer Telefonkonferenz. Mit der Einigung sei die Adler Group stabilisiert und ihre Finanzierung zumindest bis Mitte 2025 gesichert. Die Lage wäre sonst existenzbedrohend geworden.

Für den Plan braucht das Unternehmen allerdings noch die Zustimmung von insgesamt 75 Prozent der Anleihegläubiger, bei der vorläufigen Einigung sind erst 45 Prozent im Boot. Sie soll bis spätestens März vorliegen. Der Konzern hat Anleihen über 3,2 Milliarden Euro im Markt, einschließlich Wandelanleihen und Bankkrediten ist Adler mit 6,9 Milliarden Euro verschuldet.

Entspannung verspricht die Einigung Adler auch bei der Suche nach einem neuen Wirtschaftsprüfer. Statt wie vereinbart bis Ende April 2023 muss der Jahresabschluss für das laufende Jahr erst bis Dezember 2023 vorgelegt werden. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG hatten Adler das Testat für den Jahresabschluss 2021 verweigert und wollen das Mandat für 2022 nicht annehmen. Auch alle anderen großen Wirtschaftsprüfer hatten abgewunken. Nun will Adler vom Amtsgericht Berlin einen Prüfer für die Tochter Adler Real Estate bestellen lassen – und hofft, dass sich dieser auch der luxemburgischen Muttergesellschaft annimmt.

Die noch im November fällige, 120 Millionen Euro schwere Wandelanleihe der Tochter Consus wird zurückgezahlt. Im Gegenzug reicht der Projektentwickler sein laut Medienberichten brachliegendes Wohnbau-Projekt "Kaiserlei Quartier" an der Frankfurter Stadtgrenze an die Adler Group weiter.

mg/Reuters, dpa-afx
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