Dritte Gewinnwarnung Die Adidas-Aktie und das Rorsted-Problem

Ein Chef auf Abruf, die Gewinnziele nur noch Makulatur – die Aktie von Adidas setzt ihren Kursrutsch fort. Seit Amtsantritt von Kasper Rorsted hat sie inzwischen deutlich an Wert verloren. Die Herzogenauracher brauchen jetzt dringend einen neuen Konzernlenker, sagen Analysten.
Mangelnde Innovationskraft: Analysten sehen das Problem von Adidas zum Teil auch in seinem Vorstandschef begründet - Kasper Rorsted wird sich zurückziehen, ein Nachfolger ist aber noch nicht gefunden

Mangelnde Innovationskraft: Analysten sehen das Problem von Adidas zum Teil auch in seinem Vorstandschef begründet - Kasper Rorsted wird sich zurückziehen, ein Nachfolger ist aber noch nicht gefunden

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Simon Dawson / Bloomberg via Getty Images

Die dritte Gewinnwarnung von Adidas in diesem Jahr hat die bereits schwer angeschlagenen Aktien des Sportartikelherstellers am Freitag auf eine noch steilere Talfahrt geschickt. Die zum Teil massiv gesenkten Gewinnziele von Adidas brachten außerdem Druck auf die Papiere der Konkurrentin Puma und belasteten den Dax.

Adidas brachen in der ersten Börsenliga um 5,1 Prozent auf 104,08 Euro ein. Sie befinden sich damit inzwischen auf dem tiefsten Stand seit dem Frühjahr 2016. Die Papiere von Puma verloren als schwächster Dax-Wert sogar 8,3 Prozent auf 43,74 Euro und fielen auf den tiefsten Stand seit Frühjahr 2020. Der Leitindex selbst gab am Freitag nur um 0,3 Prozent nach.

Seit ihrem im August 2021 erreichten Rekordhoch von etwas mehr als 336 Euro ist die Adidas-Aktie inzwischen um nahezu 70 Prozent eingebrochen. Allein in diesem Jahr ist der Börsenwert um fast 60 Prozent auf nun nur noch 20 Milliarden Euro gesunken. Seit dem Amtsantritt von Kasper Rorsted (60) als Vorstandschef im Oktober 2016 sackte der Kurs um rund ein Drittel ab: Die Begeisterung, mit der Rorsted zu Amtsbeginn von der Börse gefeiert wurde, ist vollständig verflogen. Adidas hatte im August angekündigt, dass der Däne sich spätestens 2023 von der Adidas-Spitze zurückziehen wird. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden .

Die erneute Prognosesenkung erhöht nach Einschätzung von Experten den Druck auf den Aufsichtsrat, bald einen neuen Unternehmenschef zu präsentieren. Die Geschwindigkeit, mit der die schon zuletzt gesenkten Jahresziele wegen der fehlenden Nachfrage zerbröselt seien, dürfte Anleger entmutigen, schrieb Jefferies-Analyst James Grzinic.

Gewinnziel eingestampft, Zeitdruck für Aufsichtsrat wächst

Besonders entsetzte die Investoren das auf nur noch rund 500 Millionen Euro gesenkte Gewinnziel für 2022. Die Prognose hatte zu Jahresbeginn noch bei 1,8 bis 1,9 Milliarden Euro gelegen und war zuletzt auf rund 1,3 Milliarden Euro gesenkt worden.

Die in der Branche viel beachtete Bruttomarge soll jetzt außerdem nur noch 47,5 Prozent erreichen. Das sind eineinhalb Prozentpunkte weniger als zuletzt angepeilt. Die Bruttomarge misst, welcher Anteil des Umsatzes nach Abzug aller Herstellungskosten übrig bleibt. Der operative Gewinn dürfte der neuen Prognose zufolge nur noch 4 Prozent des Umsatzes erreichen – statt 7 Prozent, die zuvor in Aussicht gestellt wurden.

"Adidas braucht dringend einen neuen Konzernlenker"

Laut JPMorgan-Expertin Chiara Battistini implizieren Adidas' neue Ziele eine 40-prozentige Kürzung ihrer diesjährigen operativen Gewinnschätzung. Beim Überschuss sinke ihre Erwartung sogar um 60 Prozent. Dafür verantwortlich seien Einmaleffekte unter anderem wegen des Rückzugs aus Russland, aber auch ein heftiger Druck auf die Margen und steigende Lagerbestände, die nun mit viel Werbung und Rabatt losgeschlagen werden dürften. In den zehn Jahren der Beobachtung des Sektors sei die Stimmung nie so negativ gewesen.

Zu einer schwachen Geschäftsentwicklung in China kommen laut SocGen-Analyst Antoine Riou noch ein trägeres Geschäft in den westlichen Märkten des Sportwarenkonzerns sowie zu hohe Lagerbestände hinzu. Die Herzogenauracher bräuchten dringend einen neuen Konzernlenker, bemerkte Riou mit Blick auf den scheidenden Rorsted.

Zum Thema gestiegene Lagerbestände schrieb Christian Salis von Hauck Aufhäuser Investment Banking: Erst kürzlich sei in einer Warnung der US-Konkurrentin Nike klar geworden, dass erhöhte Lagerbestände die Profitabilität auf dem globalen Sportbekleidungsmarkt beeinträchtigten. Adidas sei aber auch mit unternehmensspezifischen Problemen konfrontiert, etwa einem Innovationsstillstand. Mit dem Problem hoher Lagerbestände kämpfen indes nicht nur Sportartikelhersteller, sondern auch Online-Modehändler wie About You oder Zalando.  Sie haben in der Euphorie viel Ware eingekauft und leiden nun unter vollen Lagern und Kaufzurückhaltung der Kunden.

rei/dpa-afx
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