Samstag, 20. Juli 2019

Börsengang Zalando-Aktien fahren zum Börsengang Achterbahn

Aktien von Zalando sind seit Mittwochmorgen an der Frankfurter Börse notiert

Das Kursfeuerwerk beim Zalando-Börsengang ist nicht von langer Dauer. Mit rund sechs Milliarden Euro ist der Mode-Onlinehändler aber mehr wert als so mancher Dax-Konzern.

Berlin - Mit einem Kurssprung von zunächst 12 Prozent hat der Online-Modehändler Zalando am Mittwoch in Frankfurt seinen Einstand an der Börse gefeiert. Der erste Kurs - begleitet von dem aus der Zalando-Werbung bekannten "Schrei vor Glück" - leuchtete mit 24,10 Euro auf der Anzeigetafel auf, deutlich über dem Ausgabepreis von 21,50 Euro. Danach bröckelte die Aktie zeitweise auf 21,55 Euro ab. Für gewöhnlich sorgen Konsortialbanken bei einem Börsengang mit Stützungkäufen dafür, dass die Aktie am ersten Handelstag nicht unter den Ausgabekurs fällt.

"Es fühlt sich ein bisschen an wie eine Einschulung, jetzt müssen wir nur noch gute Noten schreiben", sagte Zalando-Chef Robert Gentz, der zusammen mit Finanzchef Rubin Ritter die traditionelle Glocke zum Börsenstart läutete.

Auf dem Börsenparkett drängelten sich die Zalando-Manager, Banker, Händler und Journalisten zwischen Zalando-Schachteln, Turnschuhen und hochhackigen Pumps. "Das letzte Mal, dass hier auf dem Parkett mehr Journalisten als Händler waren, war während der Euro-Krise. Bei einem Börsengang habe ich das zuletzt bei der Telekom erlebt", sagte Robert Halver, Händler bei der Baader-Bank.

Zum ersten Kurs war Zalando Börsen-Chart zeigen knapp sechs Milliarden Euro wert. Das ist mehr als Dax-Unternehmen wie K+S, Lanxess Börsen-Chart zeigen oder Lufthansa Börsen-Chart zeigen auf die Waage bringen. Der Börsengang bringt Zalando gut 600 Millionen Euro ein. Das ist der größte Börsengang in Deutschland in diesem Jahr - für genau einen Tag: am morgigen Donnerstag will Rocket Internet bei der Erstnotiz 1,6 Milliarden Euro einsammeln.

Von der vom chinesischen Internetriesen Alibaba ausgelösten weltweiten Börsen-Euphorie will auch der Kabelanbieter Tele Columbus profitieren und in den nächsten Wochen den Sprung auf das Frankfurter Parkett wagen.

Anteile der Samwer-Brüder verwässern

Zalando hatte mit einem Ausgabepreis von 21,50 Euro die Preisspanne von 18 bis 22,50 Euro nicht ganz ausgeschöpft, obwohl die Nachfrage mehr als zehn Mal höher als das Angebot an Aktien gewesen sein soll. Zalando schaffte es in diesem Jahr nach hohen Anlaufverlusten in die schwarzen Zahlen. Nach einem positiven ersten Halbjahr könnte es in diesem Jahr auch den ersten Jahresgewinn geben.

Mehr als die Hälfte der 500 zeichnungswilligen Anleger seien bei der Zuteilung komplett leer ausgegangen, teilte die begleitende Bank Credit Suisse mit. Zwei Drittel der Aktien gingen an 20 große Investoren. Ein Fünftel der Papiere waren schon im Voraus Anlegern versprochen worden, die unabhängig vom Preis gezeichnet hatten.

Geschafft : Die Zalando-Vorstandsvorsitzenden David Schneider, Robert Gentz und Rubin Ritter (v.l.n.r.) sind zum Börsengang am 1. Oktober auf dem Parkett der Börse in Frankfurt am Main bester Stimmung und läuten - wie es bei Börsengängen Brauch ist - kräftig die Börsenglocke
Haupteigentümer sind die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik sowie die Internet-Investoren Oliver, Marc und Alexander Samwer. Ihre Anteile verwässern sich mit der Ausgabe der neuen Aktien. Dem Prospekt zufolge soll Kinnevik nach dem Börsengang mit voller Mehrzuteilung noch 31,57 Prozent halten, statt zuvor 35,6 Prozent. Die Samwer-Brüder kommen noch auf 14,81 Prozent statt zuvor 16,7 Prozent. Allein die Beteiligung der Samwers ist nun knapp 800 Millionen Euro wert.

Investoren verzweifelt auf der Jagd nach Rendite und Anlageoptionen

Institutionelle Investoren sind derzeit wegen der niedriger Zinsen verzweifelt auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten. Die Rahmenbedingungen für Börsengänge seien daher günstig, sagt Klaus Fröhlich, der für die Zalando-Emissionsbank Morgan Stanley das Geschäft in Deutschland und Österreich betreut. "Für jeden, der seine Hausaufgaben gemacht hat, ist es jetzt an der Zeit, an die Börse zu gehen." Die Unternehmensberatung EY rechnet inzwischen damit, dass in diesem Jahr bis zu 20 Unternehmen den Sprung an eine deutsche Börse schaffen.

Mit Zalando wären es nach ihrer Rechnung acht. Rocket Internet, der größte Börsengang in Deutschland seit dem Motorenbauer Tognum im Jahr 2007, wäre der neunte Neuling auf der Kurstafel. Weitere Kandidaten stehen schon in den Startlöchern.

Auch Tele Columbus ist auf dem Sprung

Am Dienstag sprang Tele Columbus auf den Zug auf: Deutschlands drittgrößter Kabelanbieter nach UnityMedia und Kabel Deutschland Börsen-Chart zeigen erhofft sich durch den Börsengang Mittel für notwendige Investitionen und für den Abbau der Schulden auf gut 300 von 550 Millionen Euro. Mindestens 300 Millionen Euro soll die Platzierung neuer Aktien bringen. Daneben wollen auch die bisherigen Eigentümer - allen voran verschiedene Hedgefonds - Kasse machen. Für sie ist es der zweite Versuch, sich von dem Unternehmen zu trennen. Ein Verkauf an den Marktführer Kabel Deutschland für gut 600 Millionen Euro war am Widerstand des Bundeskartellamts gescheitert.

Analyse: Zalando - ein Karton voller Überraschungen

rei/dpa/rtr

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