Freitag, 6. Dezember 2019

Aktiengeschäfte Justiz ging Maschmeyers MLP-Geschäften nach

Carsten Maschmeyer: Der AWD-Gründer hielt kurzzeitig versehentlich mehr als 3 Prozent der MLP-Anteile

Mit einer millionenschweren Geldauflage ist Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer einem Strafverfahren entkommen. Der Gründer des Finanzvertriebs AWD hatte beim Kauf von Aktien des Wettbewerbers MLP eine Meldepflicht des Aktiengesetzes verletzt.

Hannover - AWD-Gründer Carsten Maschmeyer hat mit der Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 2,9 Millionen Euro ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hannover abgewendet. Es habe der Verdacht bestanden, dass Maschmeyer gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen habe, sagte am Samstag ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover und bestätigte einen Bericht der "Wirtschaftswoche".

Die aufgrund einer Anzeige der Finanzaufsicht Bafin eingeleiteten Ermittlungen seien bereits im Januar eingestellt worden. Die von Maschmeyer gezahlten Millionen seien zum Teil an eine wohltätige Organisation gegangen.

Laut "Wirtschaftswoche" hatte der Unternehmer ein größeres Aktienpaket des AWD-Konkurrenten MLP Börsen-Chart zeigen besessen, ohne dies gemeldet zu haben. Damit könnte Maschmeyer gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen haben, nach dem Anteilseigner binnen vier Tagen öffentlich machen müssen, dass sie bestimmte Schwellen - etwa von 3, 5 oder 20 Prozent der Stimmrechte - überschritten haben.

Heimlicher Kauf diente Maschmeyers später gescheitertem Fusionsplan

Maschmeyer räumte den Bericht zufolge ein, zumindest kurzzeitig die 3-Prozent-Meldeschwelle überschritten zu haben. Er habe Anfang 2008 rund 2,9 Prozent der MLP-Anteile gekauft. Als MLP eigene Aktien zurückkaufte, sei sein Anteil über Nacht über 3 Prozent gestiegen. Er habe daraufhin Aktien verkauft, so dass die vorherige Beteiligung wieder hergestellt worden sei.

Maschmeyer erklärte, dass keine "rückwirkende Meldung dieser passiven Überschreitung der Meldeschwelle" erfolgt sei. Die Staatsanwaltschaft habe eine Geldauflage vorgeschlagen, da es nicht danach ausgesehen habe, dass sich der Anfangsverdacht in einem Verfahren erhärtet hätte. Es handle sich weder um eine Strafzahlung noch um ein Schuldeingeständnis, betonte Maschmeyer.

Der Unternehmer hatte Ende 2007 AWD an den Versicherungskonzern Swiss Life Börsen-Chart zeigen verkauft. Schon damals wurde über einen Zusammenschluss mit MLP spekuliert, den Maschmeyer und Swiss Life im August 2008 mit der Übernahme von mehr als 25 Prozent der MLP-Aktien dann auch offen betrieben - was der Wieslocher Finanzvertrieb aber mit der Weigerung, weiterhin Swiss-Life-Produkte zu verkaufen, abwenden konnte.

ak/dpa-afx

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