Börse Dax schließt knapp unter 8000 Punkten

Der Dax klettert weiter: Die Europäische Zentralbank hat die Erwartungen der Anleger erfüllt und den Leitzins auf ein Rekordtief gesenkt. An der Wall Street legt der Dow Jones zu - neben der Zinssenkung stützen positive US-Jobdaten.
EZB-Logo in Frankfurt: Die Hoffnung der Börse auf eine Zinssenkung wurde erfüllt

EZB-Logo in Frankfurt: Die Hoffnung der Börse auf eine Zinssenkung wurde erfüllt

Foto: Nicolas Armer/ dpa

Frankfurt am Main - Zinssenkung wie erwartet: Angesichts zuletzt enttäuschender Konjunkturdaten und einer rückläufigen Inflation hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins auf ein neues Rekordtief gesenkt. Der Zins, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der Notenbank refinanzieren können, werde um 0,25 Punkte auf 0,50 Prozent reduziert, teilte die EZB am Donnerstag in Frankfurt mit.

Ihren Einlagensatz, den sie den Geschäftsbanken für überschüssige Mittel zahlt, beließ die Notenbank bei null Prozent. Ein negativer Einlagensatz ist zwar grundsätzlich möglich, gilt im EZB-Rat aber als mit vielen Unwägbarkeiten verbunden. Der Spitzenrefinanzierungssatz wurde um 0,50 Punkte auf 1,0 Prozent reduziert.

Dax setzt Erholung fort - Test der Marke von 8000 Punkten

Anleger hatten bereits im Vorfeld auf eine Zinssenkung spekuliert. Der deutsche Leitindex Dax (Kurswerte anzeigen) baute kurz nach der Entscheidung seine Gewinne aus und notierte kurzzeitig sogar bei 8000 Zählern. Zuletzt fiel der deutsche Leitindex jedoch wieder etwas zurück und schloss schließlich auf Xetra bei auf 7961 Punkten, das ist ein Plus von 0,6 Prozent.

Jobdaten aus den USA besser als erwartet

Für Unterstützung am deutschen Aktienmarkt sorgten nicht nur die Zinssenkung der EZB, sondern auch robuste Jobdaten aus den USA: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA ist auf den tiefsten Stand seit gut fünf Jahren gefallen. Sie ging in der vergangenen Woche um 18.000 auf 324.000 zurück, wie das Arbeitsministerium in Washington am Donnerstag mitteilte. Analysten hatten mit 345.000 Anträgen gerechnet.

Die Daten nähren Hoffnungen auf ein Anziehen der Konjunkturerholung. Der Arbeitsmarktbericht der Regierung für April steht am Freitag an.

Dow nimmt Kurs auf 14.800 Zähler - General Motors sehr fest

Der Dow Jones  eröffnete mit einem Plus von 0,4 Prozent auf 14.751 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 erhöhte sich um 0,4 Prozent auf 1588 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite  legte um 0,5 Prozent auf 3315 Stellen zu.

Bei den Firmenwerten stachen vor allem General Motors  heraus. Der größte US-Autobauer legte einen über den Erwartungen liegenden Quartalsbericht vor. Im Europa-Geschäft machte der Konzern weniger Verlust als befürchtet. Die Aktie der Opel-Mutter legte im frühen Handel um rund 4 Prozent zu.

Infineon nach Zahlen an der Dax-Spitze

Bereits vor der Zinsentscheidung hielt die laufende Berichtssaison die Investoren mit einer Reihe von Quartalszahlen in Atem.

Die Titel von Infineon (Kurswerte anzeigen) stachen dabei mit einem Kurssprung von zeitweise mehr als acht Prozent positiv hervor. Der Halbleiterhersteller blickt nach einem guten Ergebnis im zweiten Quartal etwas optimistischer auf das bis Ende September laufende Geschäftsjahr. Daraufhin empfahl US-Investmentbank Merrill Lynch die Aktien zum Kauf. Ebenfalls stark gefragt waren die Anteilsscheine der Lufthansa (Kurswerte anzeigen), die sich dank der Tarifeinigung mit dem Bodenpersonal um rund 3 Prozent verteuerten.

Beiersdorf: Starke Nachfrage in den Schwellenländern

Die Titel von Beiersdorf zogen benfalls deutlich an. Die Kernmarke Nivea und eine starke Nachfrage aus den Schwellenländern bescherten dem Konsumgüterkonzern im ersten Jahresviertel einen positiver als erwarteten Geschäftsverlauf.

Autotitel nach US-Zahlen gemischt

Autowerte standen teilweise mit Absatzzahlen aus den USA im Blick. Volkswagens Erfolgsgeschichte in den USA bekam einen Knacks. Dementsprechend fielen die VW-Aktien hinter dem positiven Gesamtmarkt zurück. Daimler  aber verkaufte in den USA so viele Pkw wie noch nie in einem April und BMW  steigerte den US-Absatz deutlich. Der teure Kampf gegen Europas Auto-Flaute und das langsamere Wachstum in China haben den Münchener Oberklasse-Hersteller derweil zum Jahresstart weitgehend kalt gelassen, wie die Quartalszahlen von BMW zeigten.

Siemens drehen nach schwachem Start ins Plus

Der Elektrokonzern Siemens  kappte wegen ausbleibenden Rückenwinds vor allem aus China und hausgemachten Problemen wie erwartet seine Umsatz- und Gewinnprognose . Die Papiere drehten nach schwachem Start angesichts überraschend hoher Auftragseingänge zuletzt ins Plus.

MDax: Metro und Hugo Boss gefragt

Aus dem MDax (Kurswerte anzeigen) veröffentlichte unter anderem die Metro  ihr Zahlenwerk. Der Handelskonzern hatte operativ besser als erwartet abgeschnitten, wie Analystin Barbara Ambrus von der Landesbank Baden-Württemberg in einem Kommentar sagte. In der Folge gewannen die Aktien von Metro  etwa dreieinhalb Prozent. Die Papiere des Modekonzerns Hugo Boss (Kurswerte anzeigen) stiegen nach Zahlen um knapp zwei Prozent.

Euro schwankt nach EZB-Entscheidung stark

Der Euro  hat am Donnerstag mit deutlichen Kursausschlägen auf eine abermalige Lockerung der Geldzügel im Währungsraum reagiert. Nachdem die EZB ihren Leitzins auf ein neues Rekordtief senkte, stieg die Gemeinschaftswährung zunächst auf ein Tageshoch von 1,3215 US-Dollar. Im weiteren Verlauf sank der Eurokurs jedoch bis auf 1,3061 Dollar, nachdem sich EZB-Chef Mario Draghi aufgeschlossen für einen negativen Einlagensatz zeigte. Dabei müssen Banken quasi einen Strafzins zahlen, wenn sie zu viel Geld bei der EZB parken statt wie angeregt mehr Kredite an Unternehmen zu vergeben.

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,3191 (Dienstag: 1,3072) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7581 (0,7650) Euro.

la/dpa-afx
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