Börse Anleger gehen vor US-Bilanzsaison in Deckung

Vor Beginn der US-Bilanzsaison haben sich Aktienanleger auch in Europa zurückgehalten. Der Dax, der seit drei Wochen an Wert verliert, rettet vor den Alcoa-Zahlen zumindest ein kleines Plus.
Börse in Frankfurt: Der Dax schließt kaum verändert

Börse in Frankfurt: Der Dax schließt kaum verändert

Foto: DPA

Frankfurt am Main - Der Dax  schloss am Montag bei dünnen Umsätzen 0,1 Prozent fester bei 7662 Zählern, nachdem er am Freitag um 2 Prozent in den Keller gerauscht war. Der EuroStoxx rückte ebenfalls nur um 0,1 Prozent auf 2587 Punkte vor.

Gespannt warteten Anleger auf die Ergebnisse des Aluminiumriesen Alcoa  , der nach US-Börsenschluss traditionell die Berichtssaison einläuten sollte. An der Wall Street fiel der Dow Jones  mit den 30 Standardwerten um 0,3 Prozent auf 14.525 Punkte. Der Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) notierte 01, Prozent im Minus bei 3199 Punkten. Die Papiere von Alcoa notierten kaum verändert.

Sorgen um Portugal lassen Euro kalt

Der Euro  zeigte sich von den neu aufgeflammtem Diskussionen um die Sparanstrengungen Portugals unbeeindruckt und pendelte um die Marke von 1,30 Dollar. Das portugiesische Verfassungsgericht hatte am Freitag mehrere Sparmaßnahmen blockiert, durch die die Regierung ihre Ausgaben um mindestens 900 Millionen Euro reduzieren wollte. Das krisengeschüttelte Land musste vor zwei Jahren mit 78 Milliarden Euro vor der Pleite bewahrt werden.

Im Rahmen des Hilfspakets wurde auch ein umfassender Reformkurs vereinbart. Um die Auflagen der EU für die Hilfskredite nun trotz der Intervention des Verfassungsgerichts erfüllen zu können, kündigte die portugiesische Regierung harte Einschnitte an.

Nachrichten aus USA stützen Bayer

Am deutschen Aktienmarkt setzten sich Bayer  mit einem Plus von 2,6 Prozent an die Dax-Spitze. Der Pharmakonzern kann auf eine schnellere Zulassung seines neuen Mittels gegen Lungenhochdruck in den USA hoffen. Die Arznei Riociguat gehört zu fünf Schlüsselpräparaten, denen Bayer zusammen Spitzenumsätze von mehr als 5,5 Milliarden Euro im Jahr zutraut.

Ganz oben auf der Verkaufsliste standen nach einer Herunterstufung durch die Analysten von Nomura die Anteilsscheine von Lanxess  , die 2,3 Prozent verloren.

Pirelli drückt Conti ins Minus

Aktien des Autozulieferers Continental  zählten mit minus 1,5 Prozent ebenfalls zu den Verlierern. Begründet wurde dies am Markt mit negativen Nachrichten vom italienischen Reifenhersteller Pirelli  , die die Stimmung im Sektor belasten. Das Unternehmen habe die Vorstellung seiner mittelfristigen Strategie wegen der unsicheren Lage in Europa verschoben. Pirelli-Aktien rutschten in Mailand um rund 5 Prozent ab.

United Internet holen wieder auf

Im TecDax sprangen United Internet  nach positiven Kommentaren zeitweise um rund 5 Prozent an. Die US-Investmentbank Morgan Stanley bewertete die Papiere mit "Overweight". Der Internetdienstleister verbinde einen stabilen Free Cashflow im Breitbandgeschäft mit Wachstum in der Nische Webhosting, schrieb Analyst Ryan Fox. Deutsche-Bank-Analyst Benjamin Kohnke äußerte sich ebenfalls positiv zu den Titeln und hob das Kursziel auf 22 Euro an.

Nach Wohnungsdeal: Patrizia klettern zweistellig

Auf den höchsten Stand seit November 2007 kletterten im SDax  die Anteilsscheine von Patrizia Immobilien (Kurswerte anzeigen), nachdem das Unternehmen die größte Übernahme am Wohnungsmarkt in Deutschland unter Dach und Fach brachte. Patrizia kauft für 2,45 Milliarden Euro mit Co-Investoren die BayernLB -Wohnungstochter GBW. Die Patrizia-Aktie gewann bis zu 14,1 Prozent auf 8,14 Euro und schloss bei 7,62 Euro.

Staatsanleihen mit leichten Verlusten

Deutsche Staatsanleihen notierten mit geringfügigen Verlusten. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future notierte zuletzt 0,1 Prozent schwächer bei 146,17 Punkten. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten mit 1,22 Prozent und damit etwas höher als am Freitag.

Ölpreise klettern

Die Ölpreise setzten ebenfalls zur Erholung an. Händler sprechen von einer Gegenreaktion, nachdem der Preis für US-Rohöl in der vergangenen Woche den stärksten Rückschlag binnen Wochenfrist seit sechs Monaten einstecken musste. Am Markt war zudem von einer Stabilisierung die Rede.

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Lieferung im Mai kostete zuletzt 105,13 Dollar. Das waren 1,01 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI stieg um 73 Cent auf 93,43 Dollar.

Auch der Preis für Nordseeöl konnte sich erholen, nachdem er am Freitag unter 104 Dollar gerutscht war und damit auf den tiefsten Stand seit Anfang November. In der vergangenen Woche waren die Ölpreise von schwachen Konjunkturdaten insbesondere aus den USA belastet worden. Nicht nur hatte der Arbeitsmarktbericht vom Freitag enttäuscht. Auch die Stimmung in der Industrie und bei den Dienstleistern hatte sich, gemessen an den wichtigen ISM-Indizes, spürbar eingetrübt. Die USA sind das weltweit größte Ölverbraucherland.

Nach Einschätzung von Rohstoffexperten der Commerzbank ist der Spielraum für eine deutliche Preiserholung am Ölmarkt aber gering. Nach den enttäuschenden Konjunkturdaten aus den USA hätten Nachfragesorgen wieder die Oberhand gewonnen. Außerdem dürften Finanzinvestoren die aktuellen Preisanstiege nutzen, um aus dem Ölmarkt auszusteigen, hieß es weiter bei der Commerzbank.

Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) fiel zuletzt weiter zurück. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats kostete ein Barrel (159 Liter) am Freitag im Durchschnitt 103,10 Dollar. Das waren 1,11 Dollar weniger als am Donnerstag. Die Opec berechnet ihren Korbpreis auf Basis der zwölf wichtigsten Sorten des Kartells.

ts/dpa-afx/reuters
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