Dienstag, 15. Oktober 2019

Vom Tagesgeld zur Aktie Die Angst der Vermögenden

Angst um das Geld: Seit der Zypern-Krise verspüren Vermögensverwalter Zulauf. Reiche Kunden räumen schlecht verzinste Tagesgeldkonten bei ihrer Hausbank

3. Teil: 20 Millionen auf einen Schlag in Dax-Aktien

In ihrer Fluchtbewegung neigen einzelne, vermögende Kunden offenbar zu unorthodoxen Anlagestrategien. So erinnert Zschaber Fälle aus dem vergangenen Jahr, in dem ihn Mandanten beauftragten, niedrige zweistellige Millionenbeträge ausschließlich in ausgesuchte deutsche Aktien zu investieren. "Die wollten weder eine Vermögensverwaltung noch ein standardisiertes Produkt. Wir agierten lediglich als Abwickler."

Die feste Überzeugung dieser Kunden: Aktien global aufgestellter, deutscher Konzerne seien auf lange Sicht das bessere Investment. Selbst für den Fall eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone glauben sie ihr Einstiegskapital nach einem Abklingen der Krise dann schneller herauszubekommen als mit jedem anderen Investment.

Zschaber hält das Gros der Anleger für "wesentlich mündiger als noch vor fünf Jahren". Anders jedoch als etwa jener Unternehmer, der auf einen Schlag 20 Millionen Euro in deutsche Dividendentitel investierte, sehen seine Modelldepots - und die der meisten seiner Kollegen - für potentielle Tagesgeldflüchtlinge ab 100.000 Euro eine deutlich breitere Streuung vor.

Die Alternativen für vermögende Tagesgeldflüchtlinge

Das gilt auch für den "Aktienkritiker". Sein Depot verzichtet ganz auf Dividendentitel. Staatsanleihen mit mittleren Laufzeiten aus Nationen, die eine hohe Finanzstabilität und industrielle Wettbewerbsfähigkeit aufweisen (Australien, Dänemark, Deutschland, Kanada, Neuseeland, Schwellenländer) stehen im Vordergrund (31 Prozent). Deutsche Staatsanleihen mit Laufzeiten unter einem Jahr (8 Prozent) gelten als Bargeldersatz. Ergänzt werden die Staatsbonds durch Hochzins-, Wandel und Unternehmensanleihen, deren Aufgabe es sein soll, die eigentliche Performance des Depots zu generieren (42,5 Prozent). Edelmetalle (10 Prozent) sowie Pfandbriefe (8,5 Prozent) sollen durch ihre geringe Abhängigkeit zu den anderen Anlageklassen eine weitere Schutzfunktion bilden. Das Musterdepot mit einer Zielrendite von 3,5 bis 4,5 Prozent im Jahr soll primär vor Inflation und einer möglichen Bankeninsolvenz schützen. "Das erreicht der risikoaverse Anleger damit auf jeden Fall", ist Zschaber überzeugt.

Dass die Aktie als zentrale Assetklasse zum Vermögensaufbau eigentlich in jedes Depot gehörte, daraus macht Zschaber keinen Hehl. "Wer auf sie verzichtet, muss auf einen Großteil der Wertentwicklung verzichten." So sieht sein "ausgewogenes" Depot einen Aktienanteil von 38 Prozent vor (USA, Deutschland, Europa, Schwellenländer). Dazu fügen sich Wandel- (9 Prozent), Hochzins- und Unternehmensanleihen (18), aber auch Edelmetalle (8). Auf der defensiven Seite stehen bereits erwähnte Staatsbonds (21) und deutsche Kurzläufer (6 Prozent). Die Zielrendite liegt zwischen 5 und 7 Prozent im Jahr.

Der Vermögensverwalter nennt es ein "Jedermann-Depot". Aber würde auch "Jedermann" einen Großteil seines Geldes so anlegen? Vermutlich nicht, räumt Zschaber ein. Doch Zypern habe einiges in den Köpfen der Anleger verändert. Die drohende Enteignung im Fall einer Bankinsolvenz sei "wie ein Ruck" durch die Bevölkerung gegangen. "Das wird wohl auch nicht so schnell enden."

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