Donnerstag, 22. August 2019

Vom Tagesgeld zur Aktie Die Angst der Vermögenden

Angst um das Geld: Seit der Zypern-Krise verspüren Vermögensverwalter Zulauf. Reiche Kunden räumen schlecht verzinste Tagesgeldkonten bei ihrer Hausbank

2. Teil: Vertrauensschaden: Vermögende räumen ihre Bankkonten

Vieles spricht dafür, dass die Euro-Retter mit dem Zypern-Hilfspaket ein neues Kapitel in der Bankenrettung aufgeschlagen haben. Der Vertrauensschaden, den sie damit bei Sparern hinterlassen haben, ist nicht zu unterschätzen. So sollen Bankkunden mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro im drohenden Pleitefall ihres Instituts künftig ihren persönlichen Rettungsbeitrag leisten. Das sehen Pläne der EU-Kommission bislang vor.

Da mögen Kanzlerin Merkel und hiesige Bankverbände den staatlichen Zugriff auf deutsche Konten explizit ausschließen und ihre Sicherheit geradezu beschwören, Vertrauen schafft das jüngste Krisenmanagement nicht. "Der Nimbus der Sicherheit ist weg", sagt Analyst Bernhart Speyer von der Deutschen Bank. Das zeigt Wirkung.

Vermögensverwalter berichten, dass besorgte Bankkunden sie verstärkt beauftragen, bestehende Sicht- und Tagesgeldeinlagen anderweitig anzulegen. Die Deutschen haben eine Riesensumme - 1971 Milliarden Euro - zumeist niedrig verzinst bei den Instituten geparkt.

Dass Tagesgelder künftig theoretisch zur Bankenrettung herangezogen werden können, habe auch viele seiner Mandanten verunsichert, vor allem ältere, sagt Zschaber. "Sie haben den Krieg erlebt, die Währungsreform, die Inflation. Sie sind wegen der jüngsten Entwicklung verängstigt, wollen das nicht noch einmal erleben", erklärt der Vermögensverwalter. Doch auch jüngere Kunden wollten entgegen den jahrelangen Trend nun verstärkt ihr Geld in Real- oder Produktivkapital anlegen.

Stärker streuen: Der Bank Run ist in den Köpfen angekommen

Vor Ostern hätten Zschaber und sein Team Sonderschichten einlegt, um Kapital neu zu investieren, umzuschichten oder Anlagekonzepte für die Kunden und Neukunden zu erstellen. "Einige hundert Millionen Euro sind so über uns in den Markt gegangen", deutet der Vermögensverwalter die Dimension an. Ein Großteil stammt dabei eben von kurzfristigen Bankeinlagen. Die "große Liebe" zum Tagesgeld ist "ganz plötzlich erkaltet", äußerte sich auch Wolfgang Köbler, Chef der KSW Vermögensverwaltung, gegenüber der "Welt".

Aus den Schilderungen einzelner Vermögensverwalter lässt sich noch kein Trend ableiten. Die Angst mancher vermögender Kunden vor einer möglichen Enteignung durch die Euro-Retter mag teils auch irrationale Züge tragen. Doch zeugen die Berichte davon, dass der "Bank Run" zumindest in den Köpfen vieler Sparer angekommen ist - gerade wegen der Rettung Zyperns.

Analyst Hürkamp schließt nicht aus, dass Kunden angesichts der drohenden Regelung ihre Vermögen stärker streuen und auch wieder mehr in Aktien investieren werden. Signifikante Effekt für den deutschen Aktienmarkt erwartet der Experte vorerst nicht. Denn den beeinflussen bis jetzt vor allem institutionelle Investoren. Sollte sich aus der Verunsicherung gegenüber vermeintlich sicheren Bankkonten aber ein Trend entwickeln, könnte dies den Aktienmarkt mittelfristig stützen.

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