Neue Lehman-Furcht Deutsche Anleger prüfen Klagen wegen Zypern

Zyprische Staatsanleihen verloren in den Wirren der Rettungsaktion massiv an Wert. Das trifft auch deutsche Anleger: Die ersten Privatanleger lassen bereits prüfen, ob sie ihre Banken wegen Falschberatung verklagen können.
Zyprische Anleihen: Deutsche Anleger sorgen sich um ihre Investments

Zyprische Anleihen: Deutsche Anleger sorgen sich um ihre Investments

Foto: Corbis

Hamburg - Wenn die Banken in Zypern morgen erstmals nach zwei Wochen wieder ihre Türen öffnen, droht ihnen ein Ansturm wütender Kunden. Die Sparer wollen ihr Geld zurück - und es wohl auch möglichst schnell außer Landes schaffen. Auch deutsche Anleger bangen um ihr Erspartes: Einige tausend Privatanleger haben Schätzungen zufolge in den vergangenen Jahren zyprische Staatsanleihen erworben.

Sechs Anleihe-Tranchen sind derzeit auf dem Markt, insgesamt stehen rund vier Milliarden Euro aus. Davon werden drei Milliarden Euro bereits in den kommenden fünf Jahren fällig, die ersten Tranchen bereits im Sommer 2013. In den Wirren der Rettungsaktion für die bankrotte Insel haben die Staatsanleihen bereits empfindliche Kursverluste hinnehmen müssen.

Das könnte so weitergehen: Mehrere Jahre lang, sagen Ökonomen voraus, werde Zypern nun in einer schweren Rezession stecken. Denn die neu entdeckten Ölfelder vor der Küste werden wohl frühestens in fünf Jahren erste Einnahmen bringen. Mitte 2011 hatten Ratingagenturen das Land bereits heruntergestuft, die Kreditwürdigkeit liegt, wenn überhaupt, nur noch knapp über Ramschniveau. Die Ratingagentur Fitch droht bereits mit einer weiteren Herabstufung.

Kein Wunder also, dass sich Anleger Sorgen um ihre Investments in zyprische Anleihen machen. Die Anlegeranwälte der Kanzlei Nieding + Barth in Frankfurt trommeln bereits für Schadenersatzklagen gegen Banken, die ihren Kunden zyprische Staatsanleihen empfohlen haben - und erwarten nach den jüngsten Ereignissen in Zypern eine Klagewelle. "Schon bevor sich die Lage in Zypern zuspitzte, haben sich einige Bankkunden bei uns gemeldet", sagt Andreas Lang, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht bei Nieding und Barth.

Banken winken ab

"Sie berichteten, dass ihre Bank südeuropäische Staatsanleihen im Allgemeinen und auch zyprische Staatsanleihen im Speziellen noch im Jahr 2010 oder danach als sichere Anlagen bezeichnet hatten." Da im Jahr 2010 bereits viele Medien darüber berichtet hätten, dass Zypern aufgrund der engen Verflechtung zwischen Staat und Banken ein "zweites Irland" werden könnte, hätten die Banken solche Empfehlungen schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aussprechen dürfen, erklärt Lang. Anlageberater hätten ihre Kunden zudem über negative Berichterstattung in der Wirtschaftspresse informieren müssen - andernfalls dürfe der Kunde die Anlage rückabwickeln.

Die Kanzlei nennt als konkrete Beispiele für Banken, bei denen deutsche Privatanleger zyprische Staatsanleihen erworben haben, allerdings Direktbanken wie die Commerzbank-Tochter Comdirect  und die DAB Bank . Die geben sich erstaunt über die Vorwürfe: Schließlich gebe es bei Direktbanken keine Anlageberatung in größerem Umfang - die Kunden erwerben Produkte wie die Staatsanleihen zumeist auf eigene Faust, in der Regel über ein Online-Portal. "Innerhalb unserer Beratung haben wir keine zypriotische Staatsanleihen angeboten", berichtet etwa die DAB Bank weiter. Von fehlerhafter Anlageberatung könne also keine Rede sein.

Auch die Postbank , die von Nieding + Barth ebenfalls genannt wird, winkt ab: Die Bank habe keine zyprischen Staatsanleihen an Privatanleger verkauft. Allenfalls könnten einige Kunden sich diese online auf eigene Initiative in ihr Depot gelegt haben.

Anwalt Lang ist sich allerdings sicher, dass es nicht nur bei diesen Fällen bleiben wird. Bisher betreue die Kanzlei zwar nur rund ein Dutzend Bankkunden, die Schadenersatzklagen oder Rückabwicklungen ihrer Geschäfte prüfen lassen. "Tatsächlich sind bisher mehrere Kunden von Direktbanken dabei", gibt Lang zu. "Nach unseren Erfahrungen mit der Beratungspraxis der Banken in Sachen Staatsanleihen wird es dabei aber nicht bleiben. Wir rechnen mit ähnlich vielen Fällen wie bei den Klagen wegen Falschberatung bei griechischen Anleihen."

Auch Großanleger haben Zypern-Risiko unterschätzt

Einige hundert Bankkunden vertrete die Kanzlei in Sachen Griechenland - im Fokus stünden vor allem Privatbanken wie die Commerzbank , die Kunden noch 2011 kurzfristige Staatsanleihen verkauft hätten, ohne diese als spekulative Anlage zu kennzeichnen. "Es würde mich sehr wundern, wenn das bei den zyprischen Staatsanleihen anders gelaufen wäre. Viele Bankkunden werden nach den aktuellen Turbulenzen in Zypern noch einmal sehr genau prüfen, was ihnen der Bankberater empfohlen hat."

Nicht nur Privatanleger, auch institutionelle Großanleger haben die Risiken der zyprischen Staatsanleihen offenbar unterschätzt. So hat etwa das Land Brandenburg im Jahr 2010 Gelder des Beamten-Pensionsfonds in Zypern-Anleihen investiert. Man hoffe, dass sich die zyprischen Anleihen in den nächsten Jahren wieder erholten und die Verluste ausgeglichen würden, heißt es aus der Regierung.

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