Dienstag, 21. Mai 2019

MDax/Dax Warum die Kleinen die Großen schlagen

Schwergewichte haben oft das Nachsehen: Jedenfalls an der Börse fällt der Dax deutlich hinter den Nebenwerteindex MDax zurück

Da Zykliker stark vom Konjunkturaufschwung profitieren, sehen Strategen weiterhin Potenzial für den MDax - obwohl dieser nahe Rekordniveau notiert und dem Dax weit enteilt ist. Hohe Cashbestände wecken zudem die Fantasie für Übernahmen und Sonderdividenden. Doch Anleger müssen genau hinschauen.

Hamburg - Er gibt wieder Gas, der kleine, oft vernachlässigte Bruder des Dax Börsen-Chart zeigen. Der Nebenwerteindex MDax Börsen-Chart zeigen eilt derzeit von Rekord zu Rekord. Mit 13.361 Punkten markierte das Börsenbarometer Ende vergangener Woche den vorläufig höchsten Stand in seiner Geschichte - und hängt damit ein weiteres Mal die Blue Chips ab.

Rund 11 Prozent hat der Mid-Cap-Index seit Jahresbeginn zugelegt - und damit den deutschen Leitindex klar hinter sich gelassen, der im gleichen Zeitraum kaum an Boden gewonnen hat. Die Titel der zweiten Reihe setzen damit ihre Outperformance gegenüber Schwergewichten wie Allianz Börsen-Chart zeigen bis Siemens Börsen-Chart zeigen fort. Auch auf Sicht der vergangenen 12 und 24 Monate liegen die Nebenwerte vorn.

Mehr noch: Seit die beiden Performance-Indizes am 31. Dezember 1987 zeitgleich an den Start gingen, steigerte der deutsche Leitindex seinen Wert etwa um den Faktor 7,5, der MDax hingegen um den Faktor 13. In ihrer 26 Jahre währenden Geschichte konnten die vermeintlichen Underdogs des Kapitalmarkts in 60 Prozent der Fälle das jährliche Performance-Duell für sich entscheiden, stellen die Strategen der Postbank fest. Ist ein Nebenwerte-Investment also mehr oder weniger ein Selbstgänger, bei dem man nicht viel falsch machen kann?

Schön wär's. Ab Mitte der 90er Jahre zum Beispiel, als sich alles um Technologie- und Telekomkonzerne drehte, als die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen im März 2000 die astronomisch hohe Marktkapitalisierung von 284 Milliarden Euro aufwies, in dieser Zeit ließen die Blue Chips des Leitindex ein ums andere Mal die Nebenwerte hinter sich. Später, als Börsenstars wie die Telekom abstürzten, litt auch der Dax stark. Mit Ausbruch der Finanzkrise wiederum bremsten kräftige Kursverluste der Finanzwerte den Leitindex oder drückten nach der Atomkastrophe in Japan die herben Verluste der Schwergewichte RWE Börsen-Chart zeigen und Eon Börsen-Chart zeigen die Performance des Leitindex.

Zieht die Konjunktur an, steigen Investoren verstärkt ein

Die Analyse zeigt auch, bricht die Konjunktur in Krisenzeiten ein - wie zur Finanzkrise ab 2008 - leiden die Gewinne der spezialisierten MDax-Firmen stärker als die der breiter aufgestellten Blue Chips, was sich auch in der Performance des Index niederschlägt. Springt die Konjunktur an oder mehren sich die Anzeichen dafür, profitiert der MDax proportional stärker. "Mid-Caps erweisen sich dann als wahre Steh-Auf-Männchen und verweisen die Blue-Chips mit ihrer Wachstumsdynamik deutlich auf die Plätze", sagt Analyst Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank.

Seit einigen Monaten bereits positionieren sich die Investoren in Erwartung eines über die deutschen Grenzen hinausreichenden zyklischen Aufschwungs und treiben damit die Aktien konjunktursensibler Unternehmen insbesondere wie Gildemeister Börsen-Chart zeigen (Werkzeugmaschinen), Kuka Börsen-Chart zeigen (Roboter), Dürr Börsen-Chart zeigen (Lackierereien) oder Wacker Chemie Börsen-Chart zeigen mit Kurszuwächsen zwischen 70 und 40 Prozent an.

Eine ganze Reihe guter Konjunkturdaten haben in den vergangenen Wochen die Positionierung der Investoren untermauert. So ist der Ifo-Index als wichtigster Konjunkturindikator zum vierten Mal in Folge gestiegen und zeichnet eine nahezu branchenübergreifende Erholung der stark exportorientierten deutschen Wirtschaft. Die deutschen Konsumenten selbst blicken optimistisch in die Zukunft, ihre Anschaffungsneigung steigt. Wenn nicht in gleichem Maße, doch hellt sich ebenso weltweit das Wirtschaftsklima auf.

Das stimmt Chefvolkswirt Carsten Klude von M.M. Warburg optimistisch für weitere Kurszuwächse im MDax, zumal die Unternehmensanalysten den sich abzeichnenden Aufschwung in ihren Gewinnerwartungen für die Firmen noch nicht ausreichend berücksichtigt hätten. Dies rechtfertige dann auch die vergleichsweise höhere Bewertung des MDax, der mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp über 13 deutlich teurer ist als der Dax.

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