Dienstag, 17. September 2019

Aktienabstinenz 2012 Stell Dir vor, Aktien steigen, und keiner ist dabei

Händler an der Börse: Deutsche Sparer sind skeptisch gegenüber Aktien - und die Politik trägt dazu bei, diese Skepsis noch zu verstärken

2. Teil: Finanzielle Repression statt Rendite

Es gehört zum Szenario der finanziellen Repression, wenn die Renditen der Staatsanleihen niedriger sind als die Inflation und die Leitzinsen von den Notenbanken extrem niedrig gehalten werden. Das ist gut für hoch verschuldete Staaten, denn ihre Schulden sinken mit der Inflation und werden quasi weginflationiert. Gleichzeitig ist es schlecht für Sparer, denn ihre Guthaben schmelzen mit steigender Inflation dahin. Die Schlussfolgerung des Fondsverbands: "Laufende Kaufkraftverluste und steigende Ausfallrisiken machen Anleihen für die Altersvorsorge ungeeignet."

Die Alternative wären Aktien. Doch nicht mit der deutschen Regierung. Fondsmanager Schupp vermutet dahinter nüchternes Kalkül: Der Staat habe einfach nichts davon, den Leuten bei der aktiengebundenen Altersvorsorge zu helfen, sagt er. "Der Gesetzgeber gestaltet die Rahmenbedingungen in seinem Interesse und generiert sich Absatzmärkte für seine Staatsverschuldung. Die Folgen, die aus dieser administrierten Fehlallokation entstehen, hat der Bürger zu tragen." Sprich: Was dem Staat beim Schultern der staatlichen Schuldenlast hilft, bereitet dem Bürger bei der Altersvorsorge große Probleme.

"Eine Katastrophe", nennt es der Fondsmanager und Vermögensverwalter Hendrik Leber von Acatis. "Eine Katastrophe, die in Altersarmut münden wird." Denn verzichten Anleger langfristig auf Aktien, fehle ihrem Vermögensaufbau ein wichtiges Element.

Einbinden ließen sich Aktien ohne Weiteres. "Zum Beispiel, indem die 401k-Pläne aus Amerika kopiert werden", sagt Leber. "Darin können alle möglichen Arten der Altersvorsorge steuerfrei gebündelt werden - der Staat bekommt seine Steuern erst ab dem Renteneintritt."

Warum das Altersvorsorgekonto nicht kommt

Entsprechende Ideen wurden auch in Deutschland vor gut zehn Jahren mit dem Altersvorsorgekonto diskutiert, doch nie realisiert. Stattdessen ein wenig Riester-Förderung hier, ein wenig Rürup-Hilfe da - doch auch diese staatlichen Zuschussmodelle schützen Sparer nicht vor Verlusten.

Doch es ist nicht nur der Mangel an Förderung, der das Aktionärsleben in Deutschland so schwer macht. Auch der gesetzliche Rahmen trägt dazu bei, zum Beispiel für die Versicherungen. "Warum gibt es Vorgaben, die dafür sorgen, dass sie jedes Jahr eine gewisse Verzinsung aufweisen müssen, wo doch das Sparziel weit in der Zukunft liegt?", fragt Schupp. "Eigentliche ideale Voraussetzungen für Aktien und Alternative Anlagen. Doch die Regularien vereiteln das."

Auch der Wille des Gesetzgebers, Bürger vor Falschberatung zu schützen, kann möglicherweise mehr schaden als helfen. "Wenn der Vertrieb so umstrukturiert wird wie es sich der Gesetzgeber vorstellt, dann werden nur noch sehr vermögende Kunden eine wirkliche Finanzberatung erhalten", sagt Leber. "Bei allen anderen würden bürokratischer Aufwand und juristische Risiken überwiegen." Auch die Vermögensteuer oder vielmehr die Diskussion darüber helfe nicht, so Leber. Denn die Attraktivität der Aktie sinkt, wenn deren Erträge stärker besteuert werden.

Treten dann noch prominente Politiker wie Ex-Kanzler Helmut Schmidt auf und bezeichnen Aktien als Zockerpapiere, ist es kein Wunder, wenn Deutschlands Anleger abseits stehen, während Deutschlands Aktien haussieren. Schöne Bescherung eben.

Überblick international: Dax schlägt sie alle

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