Mittwoch, 18. September 2019

Crash-Jubiläum Die Angst fährt mit

Wie geht es weiter: Die politischen Unsicherheiten sind so groß wie lange nicht
Getty Images
Wie geht es weiter: Die politischen Unsicherheiten sind so groß wie lange nicht

Der Aktien-Crash von 1987 jährt sich in dieser Woche zum fünfundzwanzigsten Mal. Unsicherheit auf den Währungsmärkten hatte damals den Crash begünstigt. Doch Investoren rechnen nicht mit einem neuen Crash - sie verweisen auf die Vorsicht der Anleger und auf das Sicherheitsnetz der EZB.

Hamburg - Es kann schnell abwärts gehen an der Börse. Das zeigen nicht nur die jüngsten "flashcrashs" wie jener vom Anfang Oktober, der die indische Börse in die Knie zwang, sondern auch der weiter reichende Börseneinbruch des Jahres 1987. Am 19. Oktober fiel der US-Leitindex Dow Jones Börsen-Chart zeigen binnen eines Tages um über 22 Prozent und riss die Weltmärkte mit.

Unter anderem die Unsicherheit auf den Währungsmärkten und das steigende Gewicht des Computerhandels hatten diesen Sturz begünstigt. Das klingt heute nur zu bekannt. Rückt der nächste Rücksetzer näher, gar ein Crash?

Die Unsicherheit, Nährboden für starke Kursbewegungen, ist zumindest da. So haben die großen Indizes seit Anfang Oktober kaum mehr an Höhe gewonnen. Der Markt sei "richtungslos", sagen Analysten. Neue Impulse könnte vor allem die Politik auslösen. Doch die kommt nicht von der Stelle.

Das Gefährdungspotential durch die Euro-Krise für das internationale Wirtschaftsgefüge bleibt hoch. Griechenland ist dabei noch das geringste Problem. Träte das Land beispielsweise aus der Währungszone aus, könnte die Union diesen Schritt verkraften. Zwar müsste Deutschland über den Zeitraum von 2013 bis 2020 Einbußen seines Bruttoinlandsprodukts von 73 Milliarden befürchten, errechnet die Bertelsmann Stiftung. Doch mit einer jährlichen Wirtschaftsleistung von zuletzt 2,5 Billionen Euro wäre das zu verkraften.

Euro-Land: Die Wachstumsaussichten bleiben düster

Deutlich düsterer sähe das Bild aus, träten Griechenland, Portugal und Spanien aus. Dann läge der Verlust bei 850 Milliarden Euro, so die Studie. Und das würde ein Umfeld schaffen, in dem auch die deutschen Unternehmen leiden würden.

Kommt es also zu einem Euroland 2.0? So nennt es Gothaer Asset Management in einer Präsentation, Oder kommt es zu einer "DM-Block-Bildung"? Das erste Szenario wünschen sich Investoren, das zweite fürchten sie. Kein Wunder also, wenn Mark Burgess, Anlagevordenker der Fondsgesellschaft Threadneedle, für die Euro-Region eine Wirtschaftsschrumpfung von 0,5 Prozent für 2013 vorhersagt und schreibt: "Die Wachstumsaussichten bleiben düster."

Entsprechend nervös handeln Investoren. Zuletzt griffen sie beispielsweise eher bei Unternehmen aus dem MDax zu als beim Dax - denn die großen mittelständischen Unternehmen sind stark in den Wachstumsregionen und hängen weniger am europäischen Befinden.

Doch immer öfter verlieren die Anleger den langfristigen Anlagehorizont aus den Augen. Genauer, einige von ihnen. Ein Gutteil hat sich noch immer den langfristigen Zielen verschrieben. Wegen ihrer Verbindlichkeiten, sagt Keith Skeoch, Chef der Fondsgesellschaft Standard Life Investments. Lebensversicherungen beispielsweise oder Pensionsfonds müssen in der Lage sein, jedes Jahr diese Verbindlichkeiten gegenüber ihren Kunden zu erfüllen. "Das World Economic Forum hat in einem Papier geschätzt, dass rund 40 Prozent jener Gelder, die von Institutionen gehalten werden, eben wegen dieser Verbindlichkeiten langfristig gehalten werden."

Seite 1 von 2

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung